Verlorene Energie

Schwester und Schwager machen es schon seit über 10 Jahren und auch ich musste einsehen, dass Gartenarbeit und Radfahren nicht genug sind, wenn es darum geht, seinen Rücken fit zu halten.

Was tun? Warum nicht zum dörflichen Turn- und Sportverein? Das kostet nicht viel und zur Turnhalle sind es nur ein paar 100 Meter. Immer dienstags um 19:00 Uhr, meinte der Schriftführer das Sportvereins freundlich, Anmeldung unnötig, einfach vorbeikommen, ausprobieren, Formalitäten erst später, wenn ich dabei bleiben will. Prima, dachte ich und stand um 19:00 Uhr vor der Halle. Die anderen waren schon drin, sie gingen im Kreis zwecks aufwärmen. Ja, die Übungsleiterin komme gleich, ich solle einfach mit im Kreis gehen.

Kein Problem. Mit 20 Mitturnern ging ich im Kreis. Drei Männer, 17 Frauen, alle so 50+, alle gingen im Kreis und quatschten. Wenn das Gespräch zu interessant war, blieben sie auch mal stehen. Faules Volk, dachte ich und drehte meine Runden ohne Pausen und ohne Abkürzungen. Endlich kam unsere Trainerin, entschuldigte sich für die Verspätung. Die musste bestimmt noch ihre Hühner füttern, meinte die Frau vor mir.
Nun ging die Leiterin mit im Kreis, gab Anweisungen wie Arme ausstrecken, Arme hoch. Ist ja arg seniorenmäßig hier, dachte ich und machte alles ganz sorgfältig, schließlich hatte ich ja früher im Winter immer Konditionstraining für Segler gemacht, da war es ganz anders zur Sache gegangen.
Die Übungsleiterin war auch nicht mehr die Jüngste: I love being sexy and over 50 versicherte ihr T-Shirt.
Dazu trug sie eine knallenge schwarze 3/4lange Sporthose und türkisfarbige Gartenclogs, die mit zahlreichen glitzernden Glasbrillianten besetzt waren.

Und schon war die Aufwärmphase vorbei, wir sollten einen Kreis bilden. Lauter lahme Übungen wie auf einem Bein stehen und mit dem anderen eine Acht in die Luft malen. Und immer wieder Pobacken zusammen, Bauch rein und dabei atmen. Erstaunlicherweise wurde mir jetzt tatsächlich warm und ich ertappte mich dabei, wie ich bei einigen Übungen anfing zu pfuschen. Hat man schließlich gelernt, damals, im Turnunterricht.
Die Mitturner waren weiterhin gut drauf und warfen sich lustige Bemerkungen zu. Vor allem zwei, die, wie sich herausstellte, im Elferrat des örtlichen Karnevalvereins waren. Sowas verpflichtet.
Aber allmählich wurden alle stiller, die ersten atmeten hörbar, ich auch.

Drum war ich nicht unfroh, als die dritte Phase begann: Jeder holte sich so eine typische Turnhallen-Matte und durfte sich drauf setzen. Einfach sitzen, Beine spreizen. Die Beine weit spreizen, korrigierte unsere Trainerin eine Frau, worauf von der Spaßfraktion einige Scherze kamen, die ich ob ihrer Derbheit hier nicht wiedergeben möchte. Nur Sitzen, Oberkörper hochziehen, Zehen zur Nase. Wie einfach.
Konnte ich aber nicht, jedenfalls nicht so lange, wie die Trainerin wollte. Also stütze ich mich mit den Armen nach hinten ab. Durfte ich natürlich nicht.

Dann Übungen in Rückenlage. Prima, dachte ich, Liegen ist bekanntlich einfacher als Sitzen. Im Prinzip ja, aber nicht, wenn man wieder und wieder alle möglichen anstrengenden Verrenkungen machen muss. Ich schaute zur Uhr. Mist, noch eine ganze Viertelstunde. Da hilft nichts, dachte ich, die nächste Übung werde ich auslassen. Worüber die Trainerin freundlicherweise großzügig hinwegsah. Immerhin war ich nicht der einzige, der auch die nächsten Übungen nur so ungefähr mitmachte. Aber die meisten, oh Schreck, waren so alt wie ich oder deutlich älter und ebenso deutlich fitter.

Endlich durften wir die Matten wieder zurückgeben. Zuhause angekommen, war ich so fertig, dass ich das Abendessen durch einen halben Liter Tee ersetzt habe, dazu Schokolade. Das bringt verlorene Energie zurück – hat jedenfalls früher die Werbung versprochen.

Auf zum Briefkasten!

E-Postbrief, klang verlockend. Als die Deutsche Post diesen Service eingeführt hat vor fast 10 Jahren, habe ich mich sofort angemeldet und 10 Euro Guthaben eingezahlt.

Als erstes musste ich eine ungeheuer komplizierte Anmeldungsprozedur durchlaufen, soll ja alles sicher sein. Ein Konto bei einer Online-Bank zu eröffnen ist jedenfalls entschieden einfacher. Dann konnte es losgehen.

Leider hatte ich gar keine Briefe zu schreiben. Jedenfalls keine Briefe, die sich hätten mit der E-Post verschicken lassen. Ausland: Geht nicht. Ein ausgefülltes Formular beilegen: Geht vielleicht, ist aber viel umständlicher, als das Formular einfach in einen Umschlag zu stecken. Einen Brief an Bekannte? Falls jemand überhaupt mal einen traditionellen, persönlichen Brief bekommt, dann soll der auch nicht so aussehen wie ein Geschäftsschreiben. Als E-Postbrief kann man aber nur Geschäftsschreiben versenden.

Angeblich geht es besonders schnell und unkompliziert, wenn man direkt an die E-Postbrief-Adresse des Empfängers adressiert. Mir ist in den fast 10 Jahren aber niemand begegnet, der eine solche E-Postbrief-Adresse gehabt hätte.

Fazit: In fast 10 Jahren habe ich den Service genau 9 Mal benutzt. Am Ende eigentlich nur, um das Guthaben aufzubrauchen. Jetzt ist mein Guthaben verfallen – die Mitteilung bekam ich nur als E-Postbrief an meine E-Postadresse, und weil ich da nur selten reinsehe, habe ich nichts mitbekommen. Jetzt habe ich gekündigt. So weit ist es zum nächsten realen Briefkasten ja auch nicht.

Amphibienschutzzaun

Fleißige Tierschützer haben vor Jahren einen Amphibienschutzzaun quer durch den Wald gelegt, den man heute Hambacher Frost nennt. Denn dort gab es früher einige moorähnliche Feuchtgebiete und nicht weit davon entfernt rauschte der Verkehr auf der A4 vorbei. Ein guter Schutzzaun, ordentliches Material, pro laufendem Meter mit mindestens einem speziellen Stahlstab befestigt.

Vor fünf Jahren ist die Autobahn verlegt worden und von den Feuchtgebieten ist nichts mehr zu sehen, da auf der einen Seite die Kiesgrube, auf der anderen Seite der Tagebau immer näher heranrücken und der Grundwasserspiegel radikal abgesenkt worden ist. Außerdem – last but not least – war es in den letzten Jahren bekanntlich extrem trocken.

Der Schutzzaun ist verfallen, stellenweise kaum noch sichtbar, über weite Strecken haben sogenannte Aktivisten die Stahlstäbe entwendet und beispielsweise zum Barrikadenbau verwendet. Nur das ganze Plastikzeugs liegt noch herum.