Mein Schieberchen

schieber

Ich weiß gar nicht, wie so ein Ding korrekt heißt: In Kindersprache hieß das bei uns „Schieberchen“. Das Foto zeigt mein „Schieberchen“, das ich beim Aufräumen wieder gefunden habe.

Komisch, heutzutage scheint dieses nützliche Besteckteil, mit dem man auf dem Teller prima das, was einem auf den Teller geladen wurde, hin- und herschieben konnte, bis es dann hieß: Nun iss doch endlich! Was meist damit endete, dass jemand mich fütterte, der war ja so dünn, der Junge! —- heutzutage jedenfalls scheinen die Schieberchen aus der Mode zu sein. Es gibt sie noch zu kaufen, aber nur in Silber oder edlen Besteckserien. Die anderen Kinder essen wahrscheinlich mit den Fingern, so rät z.B. die Seite familie.de,

es sei wichtig für das Kind, das Essen anzufassen:  So sammelt es Informationen über die Konsistenz verschiedenen Essens und lernt dazu. Außerdem bereitet das Fühlen und Matschen mit dem Essen die pure Sinnesfreude. Babys sollen deshalb mit den Fingern essen dürfen – und zwar ohne, dass Mama und Papa es immerzu ermahnen, nicht so zu kleckern. Sorgen Sie lieber mit Lätzchen und Wachstischdecke dafür, dass sich das unvermeidbare Chaos ein wenig in Grenzen hält.

Pure Sinnesfreude – ich vermute mal, spätestens in der heute fast schon obligatorischen Kita werden die Erzieher und Erzieherinnen da kräftig gegensteuern, da ihre Sinnesfreude bei einem Haufen mit dem Essen matschender Kinder stark beeinträchtigt wird.

Baeza – Weltkulturerbe

 

3Etwas länger als eine Woche war ich als Fulltime-Kindermädchen in Baeza. Flug, Bahn und Bus zahlte der Arbeitgeber, freie Kost und Logis – na ja, wie das eben so ist bei Kindermädchen. Sie bekommen die kleinste Kammer und müssen sich die freie Kost erst selbst einkaufen und dann selbst kochen. War ja keine Haushälterin da.

So kam ich nach Baeza.

Baeza? Wo ist das denn?

Baeza in Andalusien!! Nie gehört.

Weltkulturerbe!!! Eine Bildungslücke, offenbar.

Da habe ich mir also, soweit das mit Kinderwagen oder mit Kind auf dem Arm ging, das Weltkulturerbe angesehen. Kind wollte lieber auf dem Spielplatz bleiben, aber wenigstens die Brunnen fand es sehr interessant. Nachher mussten dann allerdings  Hemd, Pullover und Jacke gewechselt werden.

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Zum Weltkulturerbe gehört Baeza, so erfuhr ich, wegen seines bedeutenden Ensembels an Renaissance-Bauten. War aber nicht viel zu sehen an Renaissance, vielleicht, weil ich mehr darauf achten musste, dass die liebe Kleine nicht die Schokolade vom dem Schokokeks, den ich ihr zur Ruhigstellung gegeben hatte, überall hinschmiert.

Aber auch ganz ohne Ablenkung durch meinen Dienst: die ganze Sache mit dem Weltkulturerbe kam mir mehr und mehr seltsam vor. Viel erhalten aus der Zeit der Renaissance ist dort nicht. Schon deshalb nicht, weil der überall verwendete Sandstein sehr weich ist und leicht verwittert. Was man sieht, sind also entweder Rekonstruktionen des 19. Jahrhunderts, der Franco-Zeit oder der letzten Jahre.

Die historische Altstadt von Baeza ist zwar ganz hübsch und es finden sich tatsächlich einige Bauten darin, die aus der Renaissance stammen, zumindest im Kern oder wenigstens die Fassade. Sie hat aber die gleichen Probleme wie viele Altstädte: Niemand will hier wohnen. Etwa ein Drittel der Häuser steht zum Verkauf, die Hälfte offenbar leer. Oft befindet sich nur unten ein Geschäft oder ein Restaurant, der Rest steht leer. Was will man auch hier? Außer dem Anbau von Oliven kann man sich nur noch damit beschäftigen, Touristen abzuzocken. Eine Außenstelle der Universität hat man noch in einem dieser Renaissance-Gebäude, die fein restauriert worden sind, die aber niemand braucht, eingerichtet und eine Akademie für den Polizeinachwuchs.

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Mir kam der Verdacht, dass die ganze Sache mit dem Weltkulturerbe einem geschickten Bürgermeister o. ä. zu verdanken ist. Keine Ahnung, wie man in Spanien den Status erreicht, Korruption ist hier schließlich nicht so etwas ganz besonderes.

Und nun kommen selbst im Februar Busse mit Touristen, denen es am Meer zu langweilig ist, in shochgelegene und kalte Baeza, um sich die Renaissance anzusehen. Komische ist nur, dass mein Baedeker, der unbestechliche Baedeker, so gar nichts von einem bedeutenden Renaissance-Ensemble zu berichten weiß. Drei Zeilen widmet er der Stadt Baeza. Kein Stern, keine Empfehlung, nichts. Am wichtigsten scheint meinem Baedeker, der aus dem Jahr 1976 stammt, der gotische Dom.  Daraus ist inzwischen eine „Kathedrale im Stil der Renaissance“ (Wikipedia) geworden. Ein Wunder.

Bestellen wir doch das digitale Magazin . . . . . . . !

art

Seit ichweißnichtmehrwieviel Jahren haben wir das ART-Magazin abonniert. Die Hefte gelesen, gesammelt … und wenn ein Jahrgang komplett war, habe ich den Stapel verkauft.

Ist doch nicht mehr zeitgemäß, habe ich gedacht, warum nicht die digitale Ausgabe bestellen, das ist praktisch und zudem ein Drittel billiger.

Wahrscheinlich, dachte ich, kann man das Abo für die Druckausgabe irgendwie in ein Abo der digitalen Ausgabe umwandeln. Das erzählte ich dem Kundenservice am Telefon. Nein, hieß es, ich müssen erst das eine kündigen, dann das andere neu bestellen. Und ob ich mir das gut überlegt hätte, wenn ich mich zu einer Verlängerung des Abos entscheiden könnte, könne sie mir 40 € Sofortbonus einräumen. Nein, wollte ich nicht. Nach der Kündigung wollte ich dann die digitale Ausgabe bestellen. Geht nicht telefonisch, erfuhr ich, nur online. Und ob ich ihr nicht den Gefallen tun könnte, zwei kurze Fragen zu beantworten. Klar, sagte ich, und schwupps war ich mit einer anderen jungen Dame verbunden. Die erste Frage bezog sich auf die Qualität des Kundenservice und diente, wie sich herausstellte, nur zur Tarnung. Denn die zweite Frage war der Versuch, mir ein anderes Abo aufzuschwätzen.

Die digitale Ausgabe online zu bestellen erwies sich als einfach. Kaum hatte das Geld in in der virtuellen Kasse geklingelt, bekam ich schon eine Mail mit meiner Kundennummer. Dann noch eine Mail mit einer Anleitung, wie ich das frisch erworbene Magazin denn nun lesen könne. App im iTunes-Store herunterladen, einloggen, fertig.

War aber nicht so einfach, denn trotz Kundennummer konnte ich mich einfach nicht einloggen. Ein Passwort war gefragt, aber welches Passwort? —- Studium der Hilfe-Texte. Das Passwort, das ich beim Registrierungsvorgang selbst angelegt hatte. Hm, hm. Bei der Registrierung zwecks Online-Bestellung musste man kein Passwort anlegen. Aber halt: Nachdem Sie auf den Registrierungs-Link geklickt haben, der Ihnen per Mail zugeschickt worden ist.

Hatte ich aber nicht bekommen, diesen Link, auch im Spam-Ordner war nichts dergleichen angekommen. Vielleicht musste ich ja noch was warten. Ich gab den Damen und Herren vom der Gruner + Jahr GmbH noch 3 Tage Zeit. Kam aber nichts. Am vierten Tag habe ich dann wieder den Kundenservice angerufen. Ob ich denn eine Rechnung bekommen hätte. Und ob ich die bezahlt hätte. Klar, hatte ich, konnte sie auch auf ihrem Bildschirm sehen. Registrierungslink? Hm, da kenne sie sich nicht so aus, bei den digitalen Magazinen, sie werde nachfragen. Ich hörte mir eine Weile Musikgeplätscher an. Leider wissen die Kollegen auch nicht Bescheid, aber sie habe die Frage an die Digital-Abteilung weitergeleitet, ich würde zurückgerufen. Sie hätte sozusagen als Trostpflaster ganz besonders lukrative Abo-Angebote für mich, einmalige Chance. Ich habe gerade ein Abo abgeschlossen, sagte ich nicht so recht freundlich, und würde gerne erst mal das erste Heft von diesem Abo lesen. Das sah sie ein. Ob ich dann nicht wenigstens zwei Fragen beantworten wollte? Nein, das Spiel kenne ich schon.

Nach ein paar Stunden rief tatsächlich ein junger Mann an. Ich solle doch mal in meinen Spam-Ordner gucken. Da ist nichts? Hm, dann schicke ich Ihnen einen neuen Link. Müsste sofort ankommen. Vielen Dank.

Zuerst kam nichts, nach einer Stunde direkt zwei Registierungslinks. Dummerweise auf meinen Computer und nicht auf das iPad, denn da kommen meine Mails nicht an. Also habe ich die Mails weitergeleitet und die Sache erst mal auf sich beruhen lassen. Das war ein Fehler, denn als ich mich dann wieder dran gesetzt habe, verkündete die ART-App, ich käme zu spät, der Registrierungslink sei nur 24 Stunden lang gültig. Ich könne aber einen neuen anfordern. Der neue kam tatsächlich blitzschnell und funktionierte. Jetzt durfte ich noch ein paar Felder ausfüllen (warum nur, die haben doch meine Daten längst gespeichert?) und dann das Passwort festlegen.

Nach dem Studium einiger Hilfe-Texte ist es mir dann gelungen, die erste Ausgabe in die App zu laden und darin zu blättern. Intuitiv geht anders, aber optisch sieht das Magazin gut aus auf dem iPad. Dann kamen noch zwei Mails, in denen ich meine Registrierung bestätigen sollte, was ich brav versucht habe, was aber jedesmal mit der Fehlermeldung „Ihre Registrierung ist schon abgeschlossen“ quittiert wurde. Na ja, wenn es sonst nichts ist….

Fazit 1: Wenn es ebenso so schwierig wäre, bei Amazon ein Buch oder ein Film-Abo zu bestellen, hätten die längst pleite gemacht.

Fazit 2: Die Mitarbeiter in den Call-Centern, die dazu gezwungen werden, Kunden mit miesen Tricks Zeitschriften aufzuschwätzen, sind arme Schweine. Und ein Verlag, der die Leute dazu zwingt, ist mir ziemlich unsympathisch.