Mit Knoblauch ins Bett

Der Knoblauch, man sieht es auf dem Bild, wurde schon im Mittelalter geschätzt:

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Ach, das Mittelalter, manchmal ist es mitten unter uns. In letzter Zeit habe ich sowieso zu oft Sachen mit zu viel Knoblauch gegessen, nach meinem Geschmack jedenfalls. Deshalb war ich, als wir zum Grillen eingeladen waren, vorsichtig, erkundigte mich freundlich nach Rezepten, um herauszubekommen, wie hoch die Knoblauchdosis in den diversen Salaten und Saucen auf dem Buffet wohl war. Überall ordentlich viel Knoblauch drin, musste ich erfahren. Ein normaler Kartoffelsalat oder so was war nicht dabei. Also hielt ich mich an Baguette und nahm dazu eine ordentliche Portion Tomatensalat. Kann man nichts bei falsch machen, habe ich gedacht. Kann man aber doch, denn zwischen den Tomatenstücken tummelten sich nicht nur Pinienkerne und rohe Zwiebeln (rohe Zwiebeln finde ich auch schon grenzwertig), sondern viele rohe Knoblauchscheiben.

Nun konnte ich den Tomatensalat unter den Augen der Gastgeberin weder in den Blumentopf entsorgen noch einfach auf dem Teller lassen, aß also wohl erzogen, wie ich bin, meinen Teller leer. Der Geschmack von rohem Knoblauch, lernte ich, lässt sich weder durch mehrere Flaschen Bier, noch durch eine köstliche Tiramisu noch durch Zähneputzen und Gurgeln vertreiben. Ich musst ihn mit ins Bett nehmen.

Von Paradiesvögeln und der Muse der Gewöhnlichkeit

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Was mir so einfiel, als ich ein Buch angelesen habe, dass Tipps zur Steigerung der persönlichen Kreativität enthielt:

Der Kreative, also der geborene Kreative, wäre gerne eine graue Maus. Darum verkleidet er sich als graue Maus und ist dann auf der Party der, der alle Blicke auf sich zieht, da alle anderen als Paradiesvögel verkleidet sind. Darum geht er nicht mehr auf Parties, sondern bleibt nach Möglichkeit zu Hause. Und wer ihn dort besucht, dem fällt es wie Schuppen von den Augen: Diese Ruhe, was muss das für ein ausgeglichenes Leben sein. Und schon wieder ist ein neuer Trend geboren.

Doch was die Besucher alle übersehen, sind die kleinen Seufzer des Kreativen, denn wo der Besucher Beschaulichkeit wähnt, da ist keine. Ruhe ist der Traum des Kreativen, Stillstand seine Utopie. Während der Besucher sich freut, eine Anregung zu einer kreativen Beschäftigung erhalten zu haben, sieht der Kreative überall ungelöste aber lösbare Aufgaben, überall Chancen, überall Türen und schrecklich viele Sprungbretter, die zu Saltos und Hechtsprüngen einladen.

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Deshalb stellt er seine Zahnbürste immer an die gleiche Stelle. Deshalb trug Einstein immer die gleiche Hose. Der Kreative liebt das Stetige und die Tradition, aber die Tradition liebt ihn nicht, sie läuft weg, sobald sie ihn sieht. Weshalb alle, die unter der Tradition leiden, ihn sich zum bewunderten Vorbild nehmen. Ihm nach! rufen sie. Er hat es geschafft, sich vom Alten zu befreien, jubeln alle, die es nie verkraftet haben, dass ihre Eltern darauf bestanden haben, dass das Kinderzimmer aufgeräumt sein musste. Unordnung ist Befreiung, sagen sie, Chaos ist schöpferisch, im Wahnsinn liegt die Chance, ungeahnte Welten zu entdecken. Der Kreative, der solche Welten nicht erahnt, sondern kennt, bittet derweil Musen, Dämonen und Geister, ihn heute zu verschonen und zieht sich vor den Fernseher zurück, hoffend, in den Armen der Muse der Gewöhnlichkeit sanft entschlummern zu dürfen.paradise3

Kreativarbeit

Wenn die Sonne nur tief genug steht, werfen auch kleine Ereignisse lange Schatten voraus. So der Kunst(handwerk)markt in unserem Dorf, der Mitte September stattfindet.

Ich musste das Plakat machen. Eine kreative Tätigkeit am Computer, für viele junge Leute heute, so hört man, der Traumberuf. Dass sie sich da nur mal nicht verträumen, die jungen Leute, denn die Freiheit der kreativen Tätigkeit war sicher nicht nur in meinem Fall arg eingeschränkt: Die Schriftart und die Anordung der bunten Buchstaben waren vorgegeben, das Logo der Kreissparkasse musste rein, das Logo und der Schriftzug des ausrichtenden Vereins sowieso. Der Text war natürlich auch festlegt, außerdem eine bestimmte Schriftgröße, da der auftraggebende Verein um die Lesbarkeit fürchtete. Und wenn man dann in einem Ansturm von Kreativität alle Vorgaben und Erwartungen unter einen Hut gebracht hat, muss man das Ergebnis dem Vereinsvorstand vorlegen, der hier eine kleine Änderung “anregt” und dort eine kleine “Verbesserung” vorschlägt ….

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