Ökologisch vorbildliche Beschäftigungstherapie?

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Da steht es, das kleine Gartenbänkchen. Nicht dass wir ein Gartenbänkchen bräuchten. Aber es ist mir über den Weg gelaufen. Eigentlich sind mir 8 dieser Bänkchen über den Weg gelaufen. Der Kindergarten des Enkelkindes hat sie aussortiert und auf den Sperrmüll gestellt. Zu recht, denn das Holz war morsch, die Verschraubungen wackelig; zu gefährlich für die Kindergartenkinder. Gutes Brennholz, habe ich gedacht und zwei Bänkchen in den Kofferraum geladen.

Andererseits, dachte ich daheim, sind die Dinger doch zu schade zum Verfeuern. Könnte man nicht aus zwei Bänkchen eines machen? Man konnte, der Vormittag war mit Schrauben und Sägen gefüllt, dann noch den Rest aus einer Farbbüchse darauf verteilt – leider war nur Dunkelnussbaum da, aber irgendwann muss die Büchse ja mal leer gemacht werden – und fertig war das Ding.

Bei der Arbeit habe ich die ganze Zeit überlegt, ob das nun in die Rubrik Beschäftigungstherapie, sinnloses Herumbasteln oder ökologisch vorbildhaftes Re/Upcycling gehört. Und ein gescheiter Verwendungszweck ist mir auch nicht eingefallen. Da wo das Bänkchen im Moment steht, kann es jedenfalls nicht bleiben; da stört es beim Rasenmähen.

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Wladimir Solowjew: Eine kurze Erzählung vom Antichrist

Ist mir über den Weg gelaufen, und weil ich vor vor ewigen Zeiten mal eine Doktorarbeit geschrieben habe, in der der Antichrist eine tragende Rolle spielt, habe ich diese tatsächlich recht kurze Erzählung gelesen:

In meiner Doktorarbeit habe ich nur die Entwicklung der Vorstellung vom Ende der Welt bis zur Lutherzeit behandelt. Irgendwann muss man ja mal Schluss machen. Deswegen war mir diese Erzählung des russischen Philosophen und Dichters Wladimir Solowjew (1853 – 1900) kein Begriff. Sie wäre wohl auch mehr oder weniger vergessen, wenn sie sich nicht in anthroposophisch-esoterischen Kreisen einer gewissen Beliebtheit erfreuen würde – ohne dass ich so aus dem Stegreif sagen könnte, aus welchem Grund.

Die Geschichte spielt im Jahr 2077. Nach einigen Weltkriegen und einer längeren Zeit, in der ganz Europa unter moslemischer Herrschaft gewesen ist, tritt ein junger Mann auf, natürlich Anfang 30 wie sein biblisches Vorbild, dem gelingt, was niemand für möglich gehalten hat: Er schafft Frieden auf der ganzen Erde, löst die soziale Frage, alle sind zufrieden. Ein Held. Dass er mit schwarzer Magie arbeitet, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Er gilt überall als ein „Guter“, ja als die Verkörperung des Guten – Vegetarier ist er auch.
Nun würde man von einem Antichrist erwarten, dass er gegen das Christentum vorgeht. Tut er aber nicht. Im Gegenteil. Nachdem er zum Weltherrscher aufgestiegen ist und zum neuen Kaiser gekrönt worden ist, geht er daran, einen Traum zu verwirklichen und die Einheit der Christen wieder herzustellen: Orthodoxe, Protestanten, Katholiken etc. sollen sich auf einem Konzil austauschen und sich auf eine neue vereinigte Kirche einigen. Dann hätte er nicht mehr und nicht weniger geschafft, als das Reich Gottes auf Erden zu errichten, den idealen Gottesstaat – unter seiner Führung, versteht sich.
Nur wenigen gelingt es, sich nicht täuschen zu lassen. Auf dem Konzil kommt es zum Eklat. Der Rest sei nicht verraten, aber am Schluss geht natürlich die Welt unter.

Die schlechte Zeit

Uff, geschafft. Das Buch ist fertig, die Bestellung ist raus, auf dem Bild oben zu sehen ist das Cover.

Dorothea Haeusler, meine Mutter, hat 1975 ihre Erinnerungen an die Jahre 1945 – 1949 aufgeschrieben, die Zeit, von der sie immer als „die schlechte Zeit“ gesprochen hat. Hat bei mir damals ein, wie soll ich sagen, gewisses Unbehagen ausgelöst, was sie damals geschrieben hat. Ihr Manuskript, abgetippt und in 4 oder 5mal fotokopiert, blieb irgendwo ganz unten in meiner Sammlung mit Erinnerungsstücken liegen.

Im Herbst fragte mich eine meiner Cousinen, ob ich ihr das Manuskript, an das sie sich vage erinnern konnte, nicht fotokopieren könnte. Also habe ich es rausgekramt und noch einmal gelesen und nach einigem Hin- und Herüberlegen beschlossen, den Originaltext nicht einfach so zu fotokopieren, sondern daraus ein Buch zu machen. Mit einem Vorwort, um die Erinnerungen in die Zeit einzubetten, mit zahlreichen Anmerkungen, weil viele Personen, Sachverhalte und Orte kein Mensch mehr kennt, mit Fotos und Dokumenten, um das Ganze anschaulicher zu machen. Nach dem Motto: Wenn ich schon dafür sorge, dass die Erinnerungen meiner Mutter nicht sang und klanglos vergessen werden, dann sollen sie so aussehen, wie ich mir das vorstelle.

So etwas artet, wie immer, in Arbeit aus, löste aber auch diverse Prozesse bei mir aus, so dass ich eine ganze Weile sozusagen um den Text herumgeschlichen bin, vor allem um mein Vorwort. Na gut, das Herumschleichen hat ein Ende, das Buch ist hochgeladen, 25 Exemplare hab ich bestellt, um sie in der Verwandtschaft zu verteilen. Uff, geschafft.