Jagd auf die Jäger

Ich bin kein Jäger und habe keinerlei Beziehung zur Jagd. Über die Jagd als solches will ich auch jetzt gar nicht diskutieren, mir geht es um etwas anderes:

Vor einiger Zeit sind hier in der Gegend zahlreiche Hochsitze zerstört worden. Angezündet, umgestürzt, angesägt. Die meisten haben die hiesigen Jäger inzwischen wieder instand gesetzt oder erneuert, Eigenleistung, denn die Jäger, das sind hier nicht irgendwelche Großverdiener, sondern Bauern und Handwerker. Der Oberjäger hat einen kleinen Landschaftsbaubetrieb.

Der Fall hat es in die regionale Presse geschafft. Unbekannte hätten die Hochsitze zerstört, hieß es da. So ganz unbekannt sind die Unbekannten aber dann doch nicht. Denn damit niemand auf die Idee kommt, es handele sich um einen derben Scherz der örtlichen Maigesellschaft „Fidele Jungens“ oder die Tat eines verwirrten Feuerteufels, haben die Täter eine Spur hinterlassen:

ALF, das hat mir ein Rätsel aufgegeben, bis ich dahinter kam, dass ALF für „Animal Liberation Front“ steht, vegane radikale Tierschützer. Und damit jeder weiß, wo er die „Unbekannten“ verorten kann, haben sie noch in schönen Druckbuchstaben „Kill RWE“ darunter geschrieben.

Außerdem fanden sich an einigen Stellen im Dorf, auch vor meiner Haustür, diese Aufkleber:

Sollen sie sich doch vegan ernähren, habe ich kein Problem mit. Womit ich ein Problem habe, ist die Denkweise, mit der Handlungen, die ohne Zweifel Straftaten sind, nämlich Sachbeschädigung und Brandstiftung, gerechtfertigt werden.

Zum einen handelt sich um einen klaren Fall von Selbstjustiz. Die Täter verurteilen die Jäger und setzen dieses Urteil auch gleich selbst in die Tat um. Sie maßen sich also Rechte der Judikative und der Exekutive an. Aber anders als in klassischen Fällen von Selbstjustiz machen diese „Tierschützer“ auch die Gesetze selbst, nach denen die Jäger dann schuldig gesprochen werden; sie glauben nicht nur, über dem Gesetz zu stehen, sondern glauben, selbst Recht setzen zu können.

Dabei berufen sie sich auf ihre eigenen, angeblich überlegenen moralischen Maßstäbe. Der eine oder andere spricht auch von „zivilem Ungehorsam“ und leitet aus seinen eigenen moralischen Maßstäben ein Widerstandsrecht ab, in diesem Falle also das Recht, Straftaten zu begehen.

Natürlich gibt es ein Widerstandsrecht, keine Frage. Man sollte nur sehr vorsichtig damit sein, wenn man die Mechanismen des Rechtsstaates außer Kraft setzt oder eine solche Außerkraftsetzung rechtfertigt. Denn wo sind die Grenzen?

Was mache ich, wenn – um mal ein banales Beispiel zu wählen – eine Anti-Auto-Front alle Autos im Dorf oder Viertel anzündet und das damit begründet, dass doch jeder wisse, dass das Auto der „Klimakiller Nr. 1“ sei. Oder jemand in meinem Garten ein Zelt aufschlägt, um zu verhindern, dass ich im Garten grille: Tote Tiere essen und dann noch die Luft mit Feinstaub verpesten, das geht ja nun gar nicht! Und lässt sich ein Einbruch nicht leicht damit rechtfertigen, es handele sich um einen Beitrag zur Bekämpfung der skandalösen sozialen Ungleichheit?

Nein, wie ich es auch drehe und wende, mir gefällt die ganze Geschichte überhaupt nicht, auch wenn ich nicht viel von Jägern halte.

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Leipzig – Denkanstöße in Halle 14

Und dann gibt es in Leipzig noch die Spinnerei, ein altes Fabrikgelände, in dem allerlei Galerien, Designer etc. sich niedergelassen haben. Mittendrin eine Ausstellungshalle, die Halle 14.

Eine riesige Halle im schicken Kaputt-Stil, die von der aktuellen Ausstellung nicht einmal annäherungsweise gefüllt werden konnte.

Eine Wand in der Halle 14, hat nichts mit der Ausstellung zu tun

Die Ausstellung war nicht uninteressant, aber schon der hochtrabende Titel „Neue urbane Produktion“ hat mich gestört. Gemeint ist: Künstler oder Designer basteln in der Stadt an irgendwelchen Projekten. Wobei eines der Projekte, nämlich die Herstellung von Lampenschirmen mit Solarenergie, nicht in einer Stadt angesiedelt ist, sondern auf dem platten Land im schönen Österreich. Dieses Projekt übrigens zeigt außer der, wie die Austellungsmacher meinen, „Vision einer harmonischen und erfolgreichen Kooperation zwischen Natur und Maschine, Handwerk und Technologie“, dass die Produzenten, wenn sie es ernst meinen mit der im Gleichklang mit der Natur erfolgenden technikarmen Produktion, dann halt tagelang oder während fast der gesamten Wintermonate einfach nichts produzieren können.

Die Installationen, schreiben die Ausstellungsmacher, „werfen Fragen auf über das Miteinander von Arbeit und Leben im 21. Jahrhundert und einen bewussten Umgang mit Zeit, Rohstoffen und Arbeitskraft“. Denkanstöße sozusagen. Aber gehen nicht alle diese Denkanstöße in die Richtung, die wir sowieso jeden Tag hören? Keine Plastiktüten, Produktion aus recycelten Materialien, maßgefertigte Sneaker (als Zeichen gegen globale Ungerechtigkeit!), Möbel aus Abfall, Kacheln aus Bauschutt, …. ach, ist ja alles nicht falsch, aber was ist das anderes als Mainstream? Kunst, die wirkliche Denkanstöße in eine neue, unerwartete Richtung gebt, ist das alles nicht.

Leipzig – Museum der Bildenden Künste

Leipzig hat natürlich auch andere Seiten als die Karl-Heine-Strasse. Zum Beispiel das Museum der Bildenden Künste, ein konsequent moderner Neubau (2004 eröffnet) im Zentrum von Leipzig.

Man hat sich zum Glück dafür entschieden, in die Altstadt, nicht weit von der Nicolai-Kirche, wo Bach oft die Orgel singen und dröhnen ließ (und durch die heute ein Touristenstrom strömt, so dass  andächtiges Verweilen schwer fällt), keinen nostalgisch-historisierenden Bau hinzustellen, sondern einen recht gewaltigen Kubus aus Glas und Stein.

Viel Ausstellungsfläche, nicht überfüllt, es gibt auch leere Wände. Und gute Werke von Neo Rauch und anderen Malern mit DDR-Wurzeln wie Arno Rink. Ich bin da vielleicht konservativ, aber gut gemalte gegenständliche Werke sind immer mein Favorit.

Und eine Sonderausstellung von einem Leipziger Künstler, der weder gut noch gegenständlich gemalt hat. Beieindruckend weniger seine Bilder, als die Texte an den Wänden: Zitate aus den Stasi-Akten des Künstlers, die geeignet sind, jeden Anflug von DDR-Nostalgie im Keim zu ersticken.

Auch der Flughafen zeichnet sich durch moderne und durchdachte Architektur aus. Vielleicht was groß geraten, denn wer fliegt schon nach Leipzig?