Schatten Seiten

Ein neues Buch aus meinem „Verlag“ ist gerade aus der Druckerpresse gekommen.

Beim Korrekturlesen, beim Layout, dem Satz und dem Lektorat habe ich ordentlich geschwitzt. Und das nicht nur, weil der Hauptteil der Arbeit in die Zeit gefallen ist, in der es so heiß gewesen ist.

Es ist das erste Buch, das ich gemacht habe, bei dem ich ins Zweifeln gekommen bin. So richtig sind die Erzählungen, die immerhin 234 Seiten füllen, nämlich nicht nach meinem Geschmack. Vielleicht von hoher literarischer Qualität, ich kann es nicht beurteilen. Auf jeden Fall nichts, was man überall liest. Und durchaus gut geschrieben.

Aber nicht mein Geschmack. Zu schwer, zu dunkel, zu hart – halt so, wie der Titel „Schatten Seiten“ und das Cover, das ich dazu gemacht haben, vermuten lassen. Vielleicht gefällt es den Lesern, demnächst macht der Autor eine Lesung. Ich bin gespannt.

Die Ferne lockt

Seit längerem sind wir mal wieder eine größere Strecke mit dem Auto gefahren, Köln – Nürnberg und mit einem Abstecher durch den Spessart zurück. 980 Kilometer insgesamt. Hat mir für einige Zeit wieder gereicht. Volle Autobahnen, LKWs, Raser und Drängler, eine Baustelle nach der anderen. Reine Nervensache, macht keinen Spaß.

Liegt es am Alter, dass es mir keinen Spaß mehr macht? Wenn ich so höre, was Leute aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis machen, scheint das so zu sein. Ein paar Beispiele:

Klassenfahrt nach Pisa. Kleinbus mit Gepäckanhänger. Ab Köln 1150 km, keine Zwischenübernachtung. Macht 2300 km, dazu die obligatorischen Ausflüge nach Florenz etc.

Rundreise Blumenriviera. Nur 1000 km eine Strecke, wieder fährt der Bus in einem durch, damit das zeitlich hinhaut, ist die Abfahrt in Köln morgens um 6.00 Uhr. Dann täglich Busausflüge bis nach Monaco, zurück wieder in einem durch.

Gut, im Bus kann man wenigstens vor sich hinträumen, der Fahrer fährt.

Andere fahren selbst. Beispielsweise in die schöne Bretagne, 950 km eine Strecke, der Fahrer ist immerhin 83 Jahre alt.

Oder nach Sardinien. Mit dem Wohnwagen hinten dran, weil auf Sardinien doch die Hotels so teuer sind. 1200 km ab Köln und dann mit der Fähre.

Mit der Fähre kann man auch nach Kreta: Erst 1850 km Autofahrt nach Brindisi, dann Fähre nach Patras, dann mit dem Auto nach Piräus, ab da Fähre nach Kreta. Auf Kreta ist es dann nicht mehr weit.

Aber warum ins ferne Ausland, wenn man auch in Deutschland bleiben kann? Wie wäre es mit einem verlängerten Wochenende in Usedom? Das sind ab Köln nur so um die 800 km, das fährt man doch in einem durch.

800 km – so weit ist es von Köln auch bis Saalbach-Hinterglemm. Da gibt es, habe ich mir sagen lassen, eine tolle Mountainbike-Anlage. Also wird das Rad auf den Radträger geschnallt und Gas gegeben. Zwei Tage Autobahn, drei Tage Mountainbiken.

„Und weil wir noch eine Woche Urlaub übrig hatten, sind wir im September dann nach Venedig gefahren, 1100 km – das kann man an einem Tag schaffen, wenn man sich beim Fahren abwechselt.“

Die Beispiele ließen sich vermehren. Nichts davon habe ich erfunden. Ob das alles ökologisch vertretbar und bei den deutlich gestiegenen Benzinpreisen auch ökonomisch sinnvoll ist, will ich im Moment mal beiseite lassen.

Aber macht das wirklich Spaß? Haben die Menschen Freude an den stundenlangen Autofahrten, bei denen man nicht viel sieht und bei denen nach ein paar Stunden nur noch irgendwie so Landschaften vorbeifliegen. Raststätten mit teurem Fast-Food und ungepflegten Toiletten. Oder nehmen sie das alles nur in Kauf, um in die Ferne zu kommen, weil die Ferne halt lockt … ?

Abschied von einem Jugendtraum

Jetzt kann man sie bei Ebay ersteigern – meine Leica. Ich hatte ja schon mal vor längerer Zeit hier im Blog berichtet, dass ich mir eine gebrauchte Leica kaufen wollte, ein „Schnäppchen“, das ich dann aber doch nicht bekommen habe.

Doch der Gedanke war so schnell nicht aus dem Kopf zu vertreiben. Schon immer wollte ich eine Leica haben, seit meiner Jugend habe ich vor den erstaunlich teuren Kameras gestanden.

Vor drei Jahren habe ich es dann mal mit einer Leica D-Lux 4 probiert. Eine Kompaktkamera, die schon ein paar Jahre alt war, als ich sie gekauft habe. Hat keine 100 Euro gekostet, und zwar mit der Ledertasche, die neu alleine soviel kostet.

Die hat mir gefallen, die kleine D-Lux. Schön, gute Bildqqualität, da gab es nichts zu meckern. Aber wie der Mensch so ist, wenn er das Gute hat, will er das Bessere. D-Lux – da lächeln die echten Leica-Fans nur mitleidig, denn bei den Modellen der D-Lux-Reihe handelt es sich um Kameras, die in Japan bei Panasonic entwickelt und dann in Japan oder jetzt in China gebaut werden. Jetzt also wollte ich eine echte Leica, entwickelt und gebaut in Deutschland.

Und natürlich lief mir bald gebraucht eine feine Kamera über den Weg, bestens erhalten und mit 800 Euro nicht teuer, wenn man bedenkt, dass das Ding neu 2500 Euro gekostet hat. Da habe ich zugeschlagen.

Wunderschöne Kamera, habe ich mich immer wieder daran erfreut, wenn sie auf dem Schreibtisch so vor mir stand. Hat auch gute Bilder gemacht und das Bedienkonzept hat mir gefallen: Nicht wie bei asiatischen Kameras üblich alle möglichen Faxen, die man in den Tiefen einer unübersehbaren Zahl von Menüs und Untermenüs einstellen kann, sondern Beschränkung auf das Wesentliche.

Aber ach. Ich habe die Kamera fast nie benutzt. Die kleine D-Lux 4 war so schön handlich und leicht, für 99% der Aufnahmen, die ich so gemacht habe, reicht die Qualität der D-Lux völlig aus. Die Leica X Vario ist wegen der Qualität des Gehäuses und des Zoom-Objektives schon recht schwer und unhandlich. Und bevor das gute Ding verstaubt, verkaufe ich es jetzt bei Ebay.

Das Geld, das ich erlösen werde, habe ich unvorsichtigerweise schon ausgegeben: Für das aktuelle Modell der Leica D-Lux, die D-Lux 7. So ganz habe ich mich also doch noch nicht von meinem Jugendtraum verabschiedet.

Nachtrag, eine Viertelstunde später: Da kann man sehen, wie sehr sich der Leica-Traum im Kopf festgesetzt hat. Ich habe mir gar keine neue Leica D-Lux gekauft, sondern das baugleiche, aber einiges günstigere Modell von Panasonic ….