In-A-Gadda-Da-Vida

Ja, das war noch Musik – meinte jedenfalls mein Begleiter, der Iron Butterflies „In-A-Gadda-Da-Vida“ im Radio seines Audi laufen ließ. Ich war anderer Meinung, aber schwieg aus Höflichkeit, wissend, dass wir bald da sein würden ich ich nicht die ganzen 17 Minuten würde über mich ergehen lassen müssen.

Er habe sich immer gefragt, was „In-A-Gadda-Da-Vida“ wohl bedeute. Kriegt man sich im Internet raus, meinte ich. Daheim machte ich mich ans Werk.

In der englischsprachigen Wikipedia hat das Lied einen eigenen Eintrag, zum Text gibt es fort freilich nichts zu lesen. Die deutschsprachige Wikipedia hingegen weiß (ohne klare Quellenangabe) zu berichten, das Stück habe eigentlich „In the Garden of Eden“ heißen sollen, der Sänger Dough Ingle aber sei im Studio derart auf LSD gewesen, dass er den Text vergessen und nur etwas wie „in a gadda da vida“ gelallt habe.

Schöne Geschichte: 1968, Drogen, psychedelic music – passt doch alles. Ich kann es nicht beweisen, aber mir scheint, es handele sich um eine Legende. Dafür spricht schon, dass die Geschichte mit der drogenseligen Band erst um 1995 aufgekommen ist. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand sprießen die Legenden, kennt man von vielen Heiligenlegenden.

Und überhaupt: 1968 hin oder her – ist es denkbar, dass eine bis dato recht erfolglose Band, die über Beziehungen die Chance bekommen hat, eine Platte aufzunehmen, dann im Studio voll zugedröhnt mit LSD erscheint? Die Gold Star Studios in Hollywood gehörten zur ersten Liga der Profi-Studios. Jim Hilton, der Produzent, hatte neben anderen auch „Them!“ oder „The Turtles“ produziert. Ich vermute, die versammelte Studiomannschaft hätte die Jungs sofort wieder rausgeworfen. In Studios, am Film-Set und im Theater herrscht Disziplin, harte Arbeit. Nur die ganz großen Stars können schon mal über die Stränge schlagen. Hört man in die Stücke rein, die außer dem „In-A-Gadda…“ auf der LP sind, dann merkt man bald, das da Profis am Werk waren. Abmischung, Unterstützung durch Background-Stimmen – das entspricht dem Standard der damals üblichen Westküsten-Musik. Die besten Stücke erinnern mit ihrem mehrstimmigen Gesang und den Harmonien an „It’s a Beautiful Day“. So etwas kriegt man nicht auf die Reihe, wenn man so zugedröhnt ist, dass einem der Text nicht mehr einfällt.

Aber andererseits.

Andererseits ist „In-A-Gadda-Da-Vida“ als einziges Stück der LP gar nicht in Hollywood aufgenommen worden, sondern an der Ostküste, in Hempstead auf Long Island, und zwar in den Ultra-Sonic Studios. Über dieses Studio ist wenig bis nicht herauszufinden. Es scheint sich um ein Studio zu handeln, in dem für eine nicht besonders bedeutende Radio-Station namens WLIR 92.7 FM Aufnahmen von Live-Auftritten gemacht wurden. Bekannt geworden sind sonst nur die Aufnahmen mit „Vanilla Fudge“, deren dort aufgenommene Stück auch zur Überlänge tendieren.

Das auf Long Island eingespielte Stück unterscheidet sich dann auch nicht nur durch die Länge von den in Hollywood produzierten Titeln. Viel roher, eher hingerotzt. So könnte es doch sein, dass die Jungs zugedröhnt im Studio erschienen sind und einen sich ewig lang hinziehenden Titel eingespielt haben, der ihr größter und einziger Erfolg sein sollte.

Schon wieder ein Update

Wenn ich mal wieder „Ich hasse Computer!“ sage, dann hängt das oft mit Updates zusammen. Ständig steht irgendein Update an: Das Tablet, das Smartphone, der Computer, selbst Kameras und die Fritzbox – wenn man da immer auf dem Laufenden bleiben will, muss man sich ranhalten. Man kann es natürlich auch sein lassen und nach dem Motto „Never change a winning team“ alles beim Alten lassen. Wenn es nicht nur ständig neue Sicherheitslücken gäbe. Wie wichtig so ein Update für welchen Anwender ist, verrät einem kein Mensch, wer, wie ich, auf Nummer sicher gehen will, macht einfach sämtliche Updates, die da so anstehen.

Geht ja auch meist schnell und problemlos. Nur das neueste Windows-Update hat mich wieder wahnsinnig gemacht. Zum einen, weil das ganze ewig gedauert hat. Waren es 5 oder 6 Stunden, weiß ich nicht mehr. Man muss ja auch nicht ständig dabei sein und auf den Bildschirm starren, das meiste macht der Computer ja allein. Das meiste, aber ab und an muss man dann doch mal diese oder jene Taste drücken.

Zum Fluchen hat mich dann aber die Tatsache gebracht, dass nach dem Update die Soundkarte nicht mehr funktioniert hat. Da habe ich noch einmal 2 Stunden in diversen Foren nach Anleitungen gesucht, tatsächlich Leidensgenossen gefunden und dann einen haarsträubenden, aber wirkungsvollen Lösungsweg, dessen Gag darin bestand, dass man den von Windows automatisch installierten Treiber löschen und dann einen Treiber installieren muss, vor dem Windows ausdrücklich warnt. – Der nächste Computer, das steht fest, ist von Apple.

Aber, leider, auch bei Apple glänzt manches goldener als es ist. Der Apple der Gattin brauchte nämlich auch ein Update. Ging erheblich schneller als bei Windows und völlig problemlos. Aber: Danach fehlten im Drucker-Einstellungs-Menü die ICC-Profile für alle Epson-Papiere. Wer jetzt nicht weiß, was ein ICC-Profil ist, der kann sich glücklich schätzen…. Neuinstallation des Druckertreibers ohne Erfolg. ICC-Profile im Internet nirgends aufzutreiben. Installieren Sie einfach den neuesten Druckertreiber. Auch ohne Erfolg. Dann rumgegoogelt: Ja, bei Adobe ist das Problem bekannt, tritt nur in Verbindung mit der neuesten Version von Photoshop auf. Da sind wir aber beruhigt, denn auch das Photoshop-Update haben wir natürlich brav gemacht. Leider verrät die Adobe-Seite nicht, wie das bekannte Problem behoben werden kann. Aber zum Glück gibt es Leidensgenossen und Anleitungen.

Am nächsten Tag fragt man sich dann: Was habe ich gestern eigentlich gemacht? Ach ja, ein paar Updates ….

Ludwig Thoma: Lausbubengeschichten

(… weil ich hier alle Bücher vorstelle, die ich gelesen habe ….)

Aus der Reihe: Bestseller von Anno Dazumal. Humor verkauft sich gut, so auch die „Lausbubengeschichten“ von Ludwig Thoma, erschienen 1905 – das bestverkaufte Werk des Autors.

Habe ich in der Bahn in der schön illustrierten (Zeichnungen des durch seine Arbeit für den „Simplicissimus“ bekannten Olaf Gulbransson) Ausgabe aus dem Rowolt-Verlag gelesen, die ich mal wieder aus einem öffentlichen Bücherschrank gefischt und nach der Lektüre wieder dorthin zurück gestellt habe.

Hat Spaß gemacht, alle die Streiche zu lesen, auch wenn die „Masche“ des Autors schon bald durchsichtig wird. Die Hauptfigur verspricht den Eltern immer wieder, nun endlich brav zu sein und mehr für die Schule zu tun, aber dann kommt halt was dazwischen. Könnte man eine Fernsehserie draus machen, was wie Lassie oder Fury.

Was auffällt: Nach heutige Maßstäben sind die Streiche recht heftiger Natur. Nicht nur Sachen wie das schöne Spieldampfboot eines Feriengastes werden in die Luft gesprengt, auch der Papagei einer ungeliebten Tante wird mit Hilfe von Sprengpulver ordentlich gerupft, ein Angorakater ähnlich traktiert, von zerbrochenen Scheiben ganz abgesehen. Auch Personen, die er nicht leiden kann, setzt der Held der Lausbubengeschichten recht heftig zu, bis hin zu dem, was der Jurist wohl Körperverletzung nennen würde. Daneben gibt es eine Reihe von Diebstählen – so richtig pädagogisch sind die Geschichten jedenfalls nicht, zumal der Oberlausbub zwar manchmal etwas zerknirscht, aber letztlich immer als Sieger dasteht.