Fotografieren mit dem iPod

Nun fotografiere ich schon über ein halbes Jahr nur noch mit dem iPod und möchte ein kleines Fazit geben.

Positiv:

Dass es sich um eine wirkliche Taschenkamera handelt, finde ich immer noch toll. Das iPod ist ja noch kleiner und leichter als ein iPhone, außerdem gegen Staub u.ä. sehr gut geschützt. Mit einer dünnen Schutzhülle versehen, kann ich es wirklich einfach in die Hosentasche stecken. Denn was nützt mir eine kleine Kamera wie etwa die Sony RX100, bei der die beweglichen Teile naturgemäß empfindlich sind und die ich deshalb immer in einer Bereitsschaftstasche verstauen muss?

Dass man bei dem guten automatischen Belichtungsprogramm wirklich nur noch auslösen braucht, ist auch einfach praktisch. Vor allem aber, dass all die nachträgliche Computerarbeit entfällt. Nicht etwa, weil alle Bilder gelingen, sondern weil die Bilder, die ich mit dem iPod mache, keine „Reserven“ haben: Wenn man sie bearbeitet, werden Qualitätsmängel eher deutlicher sichtbar. Womit wir bei den Kritikpunkten wären:

Negativ:

Die Kamera hat kein Zoom, nur so ein digitales, das unbrauchbar ist. An die Zoom-Fotografiererei hatte ich mich doch sehr gewöhnt.

So ist man also ein ein Objektiv angewiesen, das etwa 35mm Weitwinkel entspricht. Manche behaupten ja heute, das wäre das ideale Normalobjektiv, aber bei Landschaftsaufnahmen hat man halt immer diesen Weitwinkeleindruck, bei Portraits die üblichen Weitwinkel-Probleme. Hartgesottene werden sagen: Bei Leica z.B. gibt es eine „Edelkompakte“, die Leica Q für 3400 €, die hat auch nur eine 28mm Festbrennweite. Aber egal: Wenn man den Bildausschnitt nur korrigieren kann, indem man in der Landschaft rumläuft, so zwingt das zu einer anderen Fotografierweise.

Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass man mit solch einer Kamera keine Fotos bei schlechtem Licht machen kann. War ja früher auch nicht anders: Mit einem 18 DIN – Film war da auch nichts drin. Aber falls man sich die iPod-Bilder nicht nur auf dem kleinen Display ansieht, dann merkt man, dass „schlechte Lichtverhältnisse“ schon sehr früh anfängt. Hier ein Beispiel:

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Am Strand im schönen Nordspanien; 5 Uhr, keineswegs Dämmerung, sondern etwas dunkler, weil ein Regengebiet aufzieht. Jetzt ein Ausschnitt:

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Da sieht man schon deutlich, wie pixelig das Bild ist. Schaut man sich die Infos zu den Bildern an, versteht man schnell, warum: Bei gutem Licht arbeitet die iPod-Kamera mit 25 ISO, verdammt wenig. Dabei bleibt sie, solange es geht; d.h., die Belichtungszeit wird bis auf 1/20 gefahren, bevor der ISO-Wert hochgefahren wird. Das ist nicht gut, gibt aber Sinn, wenn man sieht, dass die Bilder schon ab ISO 300 kaum noch zu brauchen sind.

Zum Schluss aber noch was Positives: Diese Apple-Geräte machen einfach die besseren, natürlicheren Farben. Ich habe relativ teure Smartphones von Samsung oder Microsoft/Lumia getestet – die haben auf dem Papier viel bessere Werte, aber schwer erträgliche, „geschönte“ Farben. Da bleibe ich lieber bei meinem iPod, der schließlich auch nur 180 € gekostet hat.

 

Fleischsalat und andere große Menschheitsfragen

Auf eine Wand bei unserem Bahnhof ist neben vielem anderem dies gesprüht worden:

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Die Frage nach einem Gott wird ebenso kurz wie bündig abgetan. Nun gut, aber mir kommt bei dergleichen immer Martin Walser in den Sinn, der einmal sinngemäß gesagt hat, er wundere sich darüber, wie manche Menschen metaphysische Fragen, über die sich die größten Denker der Menschheit den Kopf zerbrochen haben und zerbrechen, mit einem kurzen Statement für erledigt erklären.

In die gleiche Kategorie gehört die zweite Aussage: Auch zur richtigen Regierungsform gibt es bekanntlich nicht erst seit Plato aus gutem Grund immer wieder neue Überlegungen, die mit „kein Staat“ vom Tisch gewischt werden. Kein Staat – ob dem, der das da an die Wand gekritzelt hat, auch klar war, dass es damit keine Instanz mehr gibt, die Besitz und Gebrauch von Waffen beschränkt, dass es ohne Staat auch keinen Rechtsstaat gibt? Dass also die Betreiber der Braunkohletagebaue sich eine kleine Privatarmee aufbauen könnten, die mit den Braunkohlegegnern kurzen Prozess macht. Festnahme und dann ab in ein privates Gefängnis oder so.

An der dritten Aussage, die irgendwie lustig klingen soll, erstaunt der Rang, der der Frage nach der richtigen Ernährung gegeben wird: Gleichauf mit den großen Fragen nach Gott und nach der Organisation steht die Frage, ob der Mensch tierische Produkte zu sich nehmen soll. Dass dies für so wichtig gehalten wird, liegt offenbar am vorhandenen Überfluss. Freiwillig auf einen großen Teil des Nahrungsangebotes zu verzichten und tote Tiere auf den Müll zu werfen kann sich nur der erlauben, der im Überfluss lebt. Gerade der von diesen Kreisen propagierte Veganismus hat eine funktionierende hoch spezialisierte und hoch technisierte Produktion von Obst und Gemüse zur Voraussetzung, und zwar im weltweiten Maßstab. Wahrscheinlich weiß niemand von diesen Jungveganern, was es im Winter in Deutschland zu essen gibt, wenn man nichts importiert, nichts in beheizten Gewächshäusern produziert und in Kühlhäusern oder Gefriertruhen lagern kann …

Der Kapitalismus jedenfalls, er scheint noch zu funktionieren, denn es werden T-Shirts mit dem zitierten Spruch angeboten: https://www.rootsofcompassion.org/de/kein-gott-kein-staat-kein-fleischsalat-t-shirt-gross-gerade – das finde ich dann wieder beruhigend.

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