Frank Goosen – Kein Wunder

Normalerweise mache ich um aktuelle Bestseller einen sozusagen instinktiven Bogen. Aber in der Not, wenn sich das für die Reise mitgenommene Buch als Fehlgriff entpuppt und auf dem Tisch ein Roman liegt, den der Klappentext als „wunderbare Komödie“ anpreist, und wenn dann noch der Nieselregen den Urlauber nicht ins Freie lockt, da liest der Mensch halt „Kein Wunder“ von Frank Goosen.

Eine anspruchsvolle Aufgabe hat Frank Goosen sich gestellt: Die Ereignisse des Jahres 19889 bis hin zum Fall der Mauer in einen Roman zu packen, in dem nicht nur das Lebensgefühl der damals 20 – 25jähigen in Ost und West, sondern auch das Erleben der älteren Generation beleuchtet werden.

Drei männliche Hauptfiguren und die verschiedenen Freundinnen und Ex-Freundinnen um sie herum bilden das Gerüst, das durch gefühlte 10 Nebenhandlungen ergänzt wird. Die drei Helden sind hauptsächlich mit Cafébesuchen und dem Konsum von größeren Mengen Alkohols beschäftigt, wenn sie nicht gerade kellnern o.ä., um ihren Lebenswandel finanzieren zu können. Außerdem geht es natürlich ständig darum, wer wann mit wem ins Bett geht.

Zu den jugendlichen Hahnenkämpfen der drei Hauptfiguren gehören auch immer wieder geschliffene Dialoge, verbaler Schlagabtausch. Die politischen Ereignisse stehen nicht im Vordergrund, sind aber doch präsent, vor allem, als zwei der drei Hauptfiguren sich in Ostberlinerinnen verlieben.

Liest sich gut, wird nie langweilig, insofern eine feine Urlaubslektüre. Die freilich die Frage aufwirft, ob all das coole Gehabe der „Helden“, ihre Spielchen und Paarungsrituale nur darüber hinweg täuschen sollen, dass das Leben dieser Wohlstandskinder ein eher krampfhafter Versuch ist, das Gefühl zu überspielen, dass ihr tolles Leben um ein sinnloses Nichts herum kreist.

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Botho Strauß: Wohnen Dämmern Lügen

(… weil ich in diesem Blog alle Bücher erwähne, die ich gelesen habe …)

Bis auf Seite 86 von 182 bin ich gekommen. Mehr wollte ich mir nicht antun.

An die 100 kurze Geschichten hat Botho Strauß in diesem Band versammelt. Und alle Geschichten haben eins gemeinsam: Sie berichten von schrecklichen Ereignissen. Kurz, knapp, eindrucksvoll. Unglaublich gut geschrieben. Das ist feinste deutsche Prosa in der Tradition von Kleist.

Strauß dringt in diesen Geschichten, so verrät es der Klappentext, immer wieder aufs Neue in Bereiche ein, in denen der Mensch nicht als soziales, gar als aufgeklärt-moralische Wesen handelt. Es geht ihm um das Instinkthafte, das Animalische, oft um den Punkt, wo Dämonisches durchbricht.

Keine Lektüre, um im Liegestuhl die südliche Sonne zu genießen. Und abends, wenn die Sonne weg ist, habe ich auch lieber etwas, das das Herz erwärmt.