Hilfe, mein Smartphone wird abgehört!

Ich bin wirklich niemand, der ständig unter der Vorstellung leidet, überwacht zu werden. Als ich gesehen habe, dass ein Bekannter die Kamera seines Laptops und seines Smartphones mit etwas Tesa-Band zugeklebt hat, habe ich das als Symptom eines Verfolgungswahnes eingeordnet – dieser Bekannte ist in dieser Beziehung tatsächlich so eine Art Borderline-Fall.

Ein paar Sachen, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, haben mich doch etwas skeptischer gemacht. Über mein Smartphone soll ich abgehört werden können? Technisch ist das kein Problem. Jedes Smartphone hat klarerweise ein Mikrophon. Das wird nur beim Telefonieren gebraucht, habe ich bislang naiverweise gedacht, und sonst ist es halt deaktiviert. Ist es aber nicht. Wie könnte sonst so ein Dienst wie (bei Apple-Geräten) Siri funktionieren? Die „persönliche“ Assistentin hört bekanntlich aufs Wort. Auch Skype und, falls man Sprachnachrichten austauschen will, Whatsapp brauchen natürlich Zugriff auf das Mikrophon.

Schaut man sich mal die Liste der Apps an, die Zugriff auf das Mikrophon haben, wundert man sich allerdings. Vor allem Facebook: Wieso hat Facebook (nicht nur der Facebook-Messenger, wie auf dem Screenshot) das Recht, auf Mikrophon und Kamera zuzugreifen?

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Die Sache ist schon vor gut 2 Jahren hochgespielt worden, als eine amerikanische Professorin gegen Facebook vorgehen wollte. Sie hatte sich nämlich mit einer Freundin über Kreuzfahrten unterhalten, kurz darauf bekam sie Werbung über Kreuzfahrten.

Nun muss man dazu wissen, dass in der US-Version von Facebook (und offenbar nur dort) tatsächlich eine Funktion  implementiert ist, die Facebook erlaubt, Hintergrundgeräusche, Musik und Sprache über das Mikrophon zu analysieren. Hört Facebook also mit?

So einfach ist das allerdings nicht, denn diese Funktion des Mithörens muss vom User jeweils eigens aktiviert werden, also nicht ein mal pauschal, sondern fallweise. Wenn er z. B. jemandem mitteilen will, welche Musik er gerade hört oder welche TV-Serie er verfolgt – schwupps, schon ist dieses bedeutende Ereignis gepostet.

Die Professorin konnte am Ende nicht gerichtsfest nachweisen, dass sie nicht schon mal nach Kreuzfahrten gegoogelt hatte. Und Facebook blieb dabei, nie vor sich aus auf das Mikrophon zuzugreifen. Man habe das gar nicht nötig, hieß es.

So weit, so gut. Ist ja auch nur in den USA so. Tatsächlich aber hat jeder, der Facebook oder verschiedene andere Apps nutzt, seine Zustimmung gegeben, dass  die App auf das Mikrophon oder die Kamera zugreifen kann. Ohne Einschränkungen. Facebook hat auf Beschwerden hin erklärt, diese Bedingungen müssten nach den Android-Richtlinien so abgefasst sein, sie hätten auf die Formulierung gar keinen Einfluss. Und man werde selbstverständlich nicht ….

Nun, ich habe trotzdem bei allen Apps, die solche Rechte haben, den Zugriff deaktiviert. Das geht bei Apple-Geräten unter Einrichtungen/Datenschutz ganz einfach, bei Android etwas schwieriger.

Das Problem, das ich dabei habe, ist nicht, dass ich der Meinung bin, die Facebook-Leute oder die Konkurrenz würden tatsächlich mithören, was ich so erzähle, wenn vor mir unbeachtet das Smartphone liegt. Die machen das nicht, schon deswegen, weil sie einen Riesen-Ärger und total negative Publicity bekämen. Mein  Problem ist, dass die Technik vorhanden ist. Dass es für Leute, die nicht nur darauf aus sind, mit Werbung Millionen zu machen, so leicht ist, mitzuhören, was ich beim  Nachmittagskaffee so von mir gebe.

Hilfe, mein iPod weiß, wo ich bin!

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Ein Foto vom Rursee, für den, der weiß, wie duster es in der Eifel im Herbst sein kann, nichts besonderes, mit dem iPod aufgenommen vom Boot aus, mitten auf dem See.

Seltsam nur, dass in den zusammen mit der Aufnahme gespeicherten Daten auch der Ausnahmeort erfasst ist.

Ist doch klar, meinte der erste, den ich danach gefragt habe, das wird mit GPS gemacht. – Kann aber nicht sein, weil der iPod gar kein GPS-Modul hat.

Dann irgendwie mit Mobilfunk, der peilt halt die nächsten Mobilfunk-Antennen an. – Kann auch nicht sein, der iPod hat keinerlei Mobilfunk-Modul.

Aber man kann mit dem iPod doch ins Internet. – Ja, klar, aber nur, wenn man sich in ein WLAN einloggt. Leider ist mitten auf dem Rursee  garantiert kein WLAN, erst recht keines, das öffentlich ohne Passwort zugänglich wäre.

Nun leide ich nicht unter Verfolgungswahn und finde es auch nicht so besonders schlimm, wenn mein iPod mit einer rätselhaften Methode speichert, wo ich bin. Andererseits: Irgendwie beunruhigte mich das doch.

Also habe ich mal nachgeforscht. War nicht einfach, meist geht es um Geräte mit GPS oder Mobilfunk. Irgendwann bin ich dann doch auf die Lösung gestoßen:

Es geht tatsächlich mit dem WLAN. Und zwar, obwohl ich mit gar keinem WLAN verbunden bin. Irgendwo nämlich gibt es ein gigantisches Register, in dem sämtliche WLAN-Sender gespeichert werden, mit der genauen Standortangabe. Wenn ich jetzt mit meinem iPod durch die Gegend fahre, dann nimmt der iPod mit jedem erreichbaren WLAN Kontakt auf. Der Einwand, dass ein WLAN bekanntlich nur ein local area network ist, das allenfalls 20 Meter weit geht, zieht nicht: Das mit den 20 Metern gilt nur für das Herstellen einer stabile Verbindung. Dass da überhaupt ein WLAN rumsendet, kann der Empfänger im iPod von erheblich größerer Distanz registrieren.

Wenn ich also jetzt irgendwo ein Bild mache, dann speichert der iPod einfach den Standort des nächstgelegenen WLANs oder den Standort des WLANs, das er zuletzt anpeilen konnte. Letzteres ist nicht unwichtig: Das bedeutet nämlich, dass der iPod auch dann, wenn ich die Kamera gar nicht aktiviert habe und kein Bild mache, ständig darüber Buch führt, im Bereich welcher WLANs ich mich gerade aufhalte…

Beruhigend finde ich das alles nicht.

Leos Sattel

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Zu den Sachen, die beim Ausräumen des Hauses meiner verstorbenen Schwester übrig geblieben sind, gehörte auch ein Sattel: Ein schönes nostalgisches Stück aus den 50er Jahren.

Kann ich nicht brauchen, dachte ich, solche Sättel sehen bequemer aus, als sie sind. Dann habe ich ihn trotzdem mitgenommen. Zur Erinnerung:

Der (ebenfalls verstorbene) Mann meiner Schwester, Leo, hatte sich Anfang der 50er Jahre ein Fahrrad gekauft. Damals ein Wertgegenstand, vor allem für einen jungen Mann, der gerade seine Lehre bei der Eisenbahn abgeschlossen hatte und der nicht aus einer begüterten Familie stammte – der Vater war auch bei der Eisenbahn gewesen, Lokführer, in den letzten Kriegstagen von Tieffliegern in seiner Lok erschossen, kaum 3 km Luftlinie von seinem Wohnort entfernt.

Leo war auch kein Lokführer, er verkaufte Fahrkarten in einer der zahlreichen Stationen der damaligen „Köln-Bonner-Eisenbahnen“, einer Privatbahn. Und obwohl er nicht viel Geld hatte, kaufte er kein einfaches Rad, sondern eines der besten, mit 5 Gängen. So etwas hatte kaum jemand. Ratenzahlung war damals im Fahrradgeschäft durchaus üblich. Leo zahlte 12 DM pro Monat.

Das Rad wurde regelmäßig geölt und gewienert – im Familienkreis spottete man, Leo putze sein Rad mit der Zahnbürste. Es sah immer picobello aus, auch dann noch, als die Nachbarn längst ein Auto putzten. Aber Leo fuhr Rad, er war schließlich bei der Eisenbahn und blieb sowieso am liebsten daheim.

In den 80ern begann meine Schwester sich für ihren Mann zu schämen: Mit dem ollen Ding fährst Du mir nicht mehr herum! Aber Leo blieb stur. Ein Auto wurde angeschafft, weil meine Schwester ein Auto wollte. Das Auto blieb meist in der Garage. Leo fuhr Rad, auch die 12 km über die Hügel der Ville zu meinen Eltern. Weitere Ausflüge machte er nicht. Er blieb, wie gesagt, am liebsten daheim oder fuhr mit „seiner“ Köln-Bonner Eisenbahn.

Irgendwann bekam der Sattel einen Riss im Leder. Das durfte nicht sein, weshalb ein neuer Sattel angeschafft wurde. Der alte wanderte in den Keller zwischen die Gartengeräte.

Meine Schwester war das alte Rad ein Dorn im Auge.  Als sie merkte, dass Leo nicht zu überzeugen war, nahm sie die Sache selbst in die Hand und schenkte Leo zu Weihnachten ein neues Rad. Und da Leo ein braver Ehemann war, benutzte er das neue. Das alte blieb im Keller. Da dumme Ding steht nur im Weg rum, schimpfte meine Schwester und stellte es irgendwann heimlich auf den Sperrmüll. Auch zu meinem Ärger, denn ich hatte ein Auge auf das gute Stück geworfen. Jetzt habe ich wenigstens den Sattel.

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