Rückfall

Ich muss es zugeben. Kaum habe ich großspurig und langatmig verkündet, es habe ein Ende mit dem Anbau von Obst und Gemüse (hier), da habe ich Erdbeerpflanzen gesetzt. Nur 6 Stück,  die sahen so gut aus, als sie beim Aldi frisch eingetroffen da standen.

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Und reingefallen bin ich auch noch bei meinem Spontankauf. Wie konnte das einem alten Gartenhasen wie mir nur passieren?

Erstens handelt es sich um Monatserdbeeren. Davon hatten wir früher in meinem Elternhaus eine ganze Reihe. Bis man da ein Schälchen zusammengepflückt hatte! Mein Vater ließ dann immer 10 Stück in seinem Weißweinglas schwimmen. Der gute Wein, klingt es sofort in meinen Ohren, aber damals hielten sich weder Herr Hinz noch Frau Kunz für große Weinkenner. Mein Vater trank abends sein Viertel Riesling von der Mosel, da wurde kein Buhei drum gemacht, sondern die Erdbeeren mit einem Zahnstocher rausgefischt.

Zweitens aber handelt es sich um eine Hybrid-Sorte. F1-Hybriden, kann man nicht selbst vermehren. D. h., die bilden zwar Ableger, aber die mühsam angezüchteten guten Eigenschaften werden nicht auf die Ableger vererbt. Wenn mir die Monatserdbeeren doch Spaß machen, müsste ich also nächstes Jahr wieder zum Aldi. Komisch ist – die Bemerkung kann ich mir jetzt nicht verkneifen – dass die Gentechnik-Gegner immer unter anderem damit argumentieren, dass die Bauern gentechnisch verändertes Saatgut nicht selbst vermehren können. Stimmt, aber was dabei verschwiegen wird, ist, dass derlei Sachen in der Landwirtschaft schon seit langem gang und gäbe sind. Bei allen möglichen geschützten Sorten von der Kartoffel über die Rose bis zum Mais ist die Vermehrung verboten. Und bei den mit allen möglichen Tricks (bei denen den Bio-Fans die Haare zu Berge stünden, wenn sie nur davon wüssten) entwickelten F1-Hybriden ist der Nachbau eben auch nicht möglich. Dazu gibt es noch ein Tüpfelchen auf dem i: Wo nämlich werden zu 70 – 80 % Hybrid-Sorten verwendet? Im Ökolandbau.

Blumenbilder

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Kunstsammler, meinte eine Künstlerin kürzlich, meiden Blumenbilder. – Glaube ich gerne. Vielleicht mit ein paar Ausnahmen: Aquarelle von Emil Nolde, die “Flowers” von Andy Warhol, oder wenn die Blumen auf Porzellan gemalt sind und “Meißen” drauf steht.

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Warum keine Blumen? Zu dekorativ vermutlich, zu harmlos-gefällig, dringender Kitschverdacht, traditionalistisch. So etwas ist vielleicht etwas für Antiquitätensammler, aber nichts für Leute, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen und genügend Geld auf dem Konto haben, um welche zu kaufen. Irgendwie so wird sich die Distanz zu Blumenbildern erklären lassen.

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Aber seltsam: Die Häuser, die sich die Sammler von Kunst bauen lassen oder kaufen, müssen ästhetisch ansprechend sein, die Dekoration innen und außen harmonisch-ausgewogen, die Möbel ausgesuchte Stücke in klarer Formensprache. Dazu ein klassisch-harmonisches Blumenbild an der Wand? Nein, an die Wand muss irgendetwas Avantgardistisches, nur nichts Dekoratives! Schon komisch, die Leute.

 

 

Ein Winter unter Hirschen

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Von Ralf Rothmann wollte ich schon immer etwas lesen. Auch dieses Buch lief mir über den Weg, wieder die ungelesene Originalausgabe, diesmal in einem öffentlichen Bücherschrank in der Fußgängerzone.

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Klingt poetisch, was auf dem Umschlag abgedruckt ist. Aber man darf sich nicht zu früh freuen, denn die meisten Erzählungen in diesem Band enden mehr oder weniger fürchterlich. Am besten hat mir noch der erste Text gefallen, in dem Rothmann erzählt, wie ein Ex-Partner seine Möbel aus der Wohnung abholt. Einfach, realistisch, eindrücklich.

Bei den anderen Erzählungen habe ich mich mehrmals gefragt, warum der Autor meint, so dick auftragen zu müssen. Reicht es nicht, wenn zwei Freundinnen sich von ihren mühseligen Sex-Abenteuern erzählen? Wieso müssen am Schluß nicht nur eine, sondern gleich vier Abtreibungen stehen? Eine andere Geschichte gewährt einen interessanten Blick auf brutale Zustände in Berlin-Kreuzberg. Am Schluss hat eine der beiden Hauptfiguren, ein Jugendlicher, einen Autounfall. Schlimm genug? Nein:Der Unfall muss filmreif auf einer Brücke stattfinden, der Jugendliche dabei theatralisch ums Leben kommen. Und dann erscheint da noch Hund, der dem Jungen mal gehört hat, ein Hundegeist – denn der reale Hund liegt derweil dösend auf dem Sofa … zu viel Effekt, scheint mir. Als ob Rothmann Drehbücher für ein abgestumpftes und übersättigtes Publikum entworfen hätte.

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Mit dieser Meinung stehe ich offenbar nicht alleine. Denn verkaufen lässt sich das Buch trotz besten Zustandes auch nicht gewinnbringend – 1 Euro kostet es im Internet-Antiquariat.