Männer sind anders, Frauen auch

Männer sind anders, Frauen auch, sagt der Buchtitel,  Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus, das verrät dann der Untertitel, eine Weisheit, die ihre Wahrheit gerade beim Einrichten der gemeinsamen Wohnung zeigt.
(1) Der Mann sitzt nach dem Frühstück vorm Computer, um die Funktion eines neuen Windows-Beschleuniger-Programms zu testen, das bisschen Einrichten hat Zeit. Die Venusbewohnerin kramt derweil unten ewig rum. Typisch, denkt Mann, wir wollten doch die obere Etage einrichten und die Frau lässt sich mal wieder Zeit.
(2) Aus diesem Traum wird er durch die barsche Aufforderung gerissen, nun endlich mit dem Einräumen anzufangen. Dass er schon gewartet hat und nicht alleine anfangen wollte, weil er beim Einrichten ja doch immer alles falsch mache, hätte er besser nicht gesagt, denn jetzt erfährt er, dass unten das Bad zu putzen war, die Betten abgezogen werden mussten, die Waschmaschine angestellt und der Müll rausgebracht werden musste. Ob sich ein Regentag in einem wäschetrocknerlosen Haushalt als Waschtag für Bettwäsche eignet, ist die falsche Fragestellung. Die Bettwäsche müffelt. Damit ist die Diskussion auf ihrem End und Höhepunkt angelangt, denn jeder Einwand („habe ich gar nicht gemerkt“ – oder „auf ein oder zwei Tage kommt es doch nicht an“) würde, das sagt die Erfahrung, die Lage nur verschärfen.
(3) An Eskalation ist dem Marsbewohner nicht gelegen, auch wenn er als ein kriegerischer Typ gilt. Nein, Marsianer sind friedliebend, sie können in den Kampf ziehen, haben aber keinen Spaß daran. Man schaue sich nur mal im Tierreich um.
(4) Der Rest des Vormittags geht bei der ungemein fesselnden Frage drauf, wie und wo welche Teppiche platziert werden sollen. Das kann man sich immer schlecht vorstellen, ob der kleine Perser, der mittelgroße Afghane oder der Berber sich zwischen Sofa und Bettenkiste besser macht. Vielleicht muss auch die Kiste da weg und eine andere dort hin? Die Zahl der Varianten, das ist dem mathematisch interessierten Marsianer sofort klar, geht ins Unendliche. Kraft und Lust, die schweren Teppiche hin und herzuschleppen, verkleinern sich andererseits sozusagen umgekehrt proportional zur schon verronnenen Zeit, aber direkt proportional zum vergossenen Schweiß.
(5) Der Regentag hat sich inzwischen zu einem windigen Tag mit sonnigen Intervallen gemausert, gut für die Wäsche, gut auch für die Raumtemperatur unter den großen Dachflächenfenstern, schlecht für unverdrossen teppichschleppende Männer. Aber immerhin, die ersten beiden haben ihren festen Platz gefunden. Jedenfalls bis auf Weiteres.
(6) Wie lässt sich der Prozess beschleunigen? Indem man jeweils im richtigen Moment – es muss aber genau der richtige Moment sein, versichert, so, ja genau so müsse der Teppich liegen. Auch einige bewundernde Worte über das Geschick, die Wohnung schön einzurichten, machen sich an dieser Stelle gut.
(7) Irgendwann nämlich verliert auch eine Venusbewohnerinnen die Lust am Einrichten, die sie angeblich sowieso nie gehabt hat. Teppiche hinlegen ist Pflichtprogramm, keine Kür, erfährt der Mann und staunt. Pflicht, weil sie sich in dem Chaos sonst nicht wohl fühle, geschweige denn Arbeiten könne. – Hier bietet sich ein Ansatzpunkt.
(8) Jetzt gilt es nämlich einzuwerfen, die Teppiche, die ja jetzt so weit verlegt seien, dass man sich für’s erste wohl fühlen könne, hätten eine gründliche Reinigung nötig. Mindestens gut Staubsaugen. Sie könne derweil ruhig schon mal runter gehen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Aktion ist beendet und dass Staubsaugen kann ohne Tipps, welche Staubsaugerdüse für welchen Zweck einzusetzen ist, rasch durchgezogen werden.
(9) Außer den Teppichen ist noch der gesamte Teppichboden abzusaugen, das ist klar, dann die Treppe, vorsichthalber, besser ist besser.
(10) Die Teppichsaugerei zieht sich hin, aber irgendwann ist die unterste Treppenstufe erreicht. Jetzt noch schnell den Teppich unter den Bürostühlen vor dem Computer. An ihrem Computer sitzt, welche Überraschung, unsere Venusbewohnerin. Keineswegs bei der Arbeit, sondern beim Schreiben von Emails, Pflege von sozialen Kontakten. Muss ja auch mal sein, das sehen wir ein. Das Problem ist nur, inzwischen knurrt dem Mann der Magen. Ab in die Küche, Frau!
(11) Ach, was müssen das für schöne Zeiten gewesen sein, als Mann solche Sätze noch sagen konnte, ohne anschließend zur Frittenbude oder zum Chinesen zu müssen! Heutzutage heißt es durchhalten. Die Logik würde gebieten, sich ruhig zu verhalten wie der Löwe. Das spart Kalorien. Der Anblick eines auf der faulen Haut liegenden Mannes ist aber nun etwas, was Frauen gar nicht ertragen können, mag dieses Verhalten aus ernährungs-physiologischen Gründen auch dringend geboten erscheinen. Was tun?
(12) „Ich gehe schon mal runter, Kartoffeln schälen!“ – ein genialer Gedanke, scheint es. Leider nicht: „Kartoffeln? Heute gibt es doch keine Kartoffeln, heute gibt es Schupfnudeln.“ Mist, stimmt, hatten wir ausgemacht. Was ein Mann sich alles merken soll.
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