La Paloma und die Möwen (2)

Wie konnte es zu der Konfusion von Möwe und Taube auf dem Cover von Freddy Quinns „La Paloma“  kommen? Ein bloßes Versehen der Grafiker?

Nein, die Möwe hat im Zusammenhang mit „La Paloma“ hat schon eine gewisse Tradition. Als Hans Albers nämlich dieses Lied in dem Film „Die große Freiheit“ gesungen hat, da sind auch unverkennbar Möwen durch den Raum geflogen:

Ein – so finde ich – ergreifendes Lied, wenn man die Mimik von Hals Albers und sein   „einmal wird es vorbei sein“  vor dem Hintergrund sieht, dass Goebbels gerade den „Totalen Krieg“ ausgerufen und zu „fanatischem Durchhaltewillen“ aufgerufen hatte. Die Möwen waren nötig, weil diese Version von „La Paloma“ auf Seefahrer-Romantik getrimmt worden war. Der ursprüngliche spanische Text von „La Paloma“ war völlig abgeändert worden, so dass die Taube im Text eigentlich nur noch ein Fremdkörper ist:

Ein Wind weht von Süd und zieht mich hinaus auf See, 
mein Kind, sei nicht traurig, tut auch der Abschied weh. 
Mein Herz geht an Bord und fort muß die Reise gehn, 
dein Schmerz wird vergehn und schön wird das Wiedersehn. 
Mich trägt die Sehnsucht fort in die blauer Ferne, 
unter mir Meer und über mir Nacht und Sterne. 
Vor mir die Welt, so treibt mich der Wind des Lebens, 
wein‘ nicht, mein Kind, die Tränen, die sind vergebens.

Auf, Matrosen, ohé, einmal muß es vorbei sein, 
nur Erinnerung an Stunden der Liebe bleibt noch an Land zurück 
Seemanns Braut ist die See, und nur ihr kann er treu sein, 
wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.

Wie blau ist das Meer, wie groß kann der Himmel sein, 
ich schau‘ hoch vom Mastkorb weit in die Welt hinein. 
nach vorn geht mein Blick, zurück darf kein Seemann schau’n, 
Kap Horn liegt auf Lee, jetzt heißt es auf Gott vertrau’n 
Seemann, gib acht, denn strahlt auch als Gruß des Friedens, 
hell durch die Nacht das leuchtende Kreuz des Südens. 
Schroff ist das Riff und schnell geht ein Schiff zu Grunde, 
früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde.

Auf, Matrosen, ohé, einmal muß es vorbei sein, 
einmal holt uns die See und das Meer gibt keinen von uns zurück. 
Seemanns Braut ist die See, und nur ihr kann ich treu sein, 
wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.

La Paloma, ade 
auf Matrosen, ohé!

Kein Mensch begreift, wieso in der vorletzten Zeile von La Paloma, dem Täublein, die Rede ist. War aber offenbar völlig egal, denn wer sprach im Deutschland von 1944 schon Spanisch?

Den spanischen Text konnte man allerdings damals auch hören, ein in Deutschland gefeierter Schlagerstar hat ihn gesungen, Rosita Serrano, genannt die „chilenische Nachtigall“.  Diese Version hat eindeutig mehr Schwung:

Nach 1950 wurde die arme Rosita Serrano im Berliner Sportpalast ausgepfiffen, ihre Version von „La Paloma“ ist aber auch in den Verfilmungen von „Das Geisterhaus“ und „Das Boot“ zu hören. Aber uns kommt es ja auf den Text an.

Der spanische Text ist uralt, der spanische Komponist Sebastián Iradier hat Lied und Text um 1863 verfasst, nachdem er 1861 Kuba besucht hatte. Iradier war ein frommer Spanier und die Kubaner mussten sich damals bekanntlich auch noch nicht alle zu ihrem „Máximo Líder“ Fidel Castro bekennen, das Lied von der Taube kommt entsprechend fromm daher.

Wer den spanischen Text lesen möchte, der kann das hier tun. Für den Rest fasse ich ihn kurz zusammen: Ein Seemann singt davon, dass eine Taube seiner Geliebten eine Botschaft bringen wird, eine Botschaft, in der er ihr seine Liebe versichert, verspricht, sie gleich nach der Rückkehr in die Kirche zu führen und zu heiraten, um dann, so Gott will, mindestens sieben, besser aber fünfzehn Kinder mit seiner geliebten „linda Guachinanga“ (süßen Kubanerin) zu haben. Da ist natürlich auch jede Menge Seefahrerromantik drin, aber da hat die Taube anderes als im deutschen Text noch eine zentrale Funktion.

Die Sache mit dem Seefahrer und der Brieftaube soll auf eine Episode zurückgehen, die sich im Jahre 492 v.Chr. abgespielt hat: Die Griechen haben beobachtet, dass aus den Schiffen der Perser, die sie vor dem Berg Athos versenkt haben, weiße Tauben aufgestiegen sind, und haben vermutet, dass diese Tauben den Familien der Seeleute im persischen Reich eine Botschaft überbringen sollten. Aber ach, mir scheint, diese Erklärung ist zu gebildet und trifft den Kern nicht. Denn die Taube überbringt den Persern doch eine Schreckensbotschaft, verkündet gerade nicht die bevorstehende Heimkehr. Liegt es nicht viel näher, dass der fromme Spanier eine andere Taube im Auge hatte, eine Taube, die eine gute Botschaft überbringt, nämlich die Taube, die dem Noah, als die große Flut vorbei war, gezeigt hat,  dass er mit seiner Arche bald wieder in den Hafen einlaufen kann?

Aber darauf werden wir in einer späteren Folge zurückkommen.

Vorher aber noch ein Hinweis auf eine herrliche Version von „La Paloma“, die von Elvis Presley stammt und die er in dem Film „Blue Hawaii“ singt. Wie Elvis im Kreise schöner Männer (da bleibt der einzigen Frau am Strand nichts anderes übrig, als ins Wasser zu gehen) zu Hochform aufläuft, muss man einfach gesehen haben:

Das Video konnte ich leider hier nicht einbetten, man sollte es sich aber unbedingt anschauen, auch wenn man vorher 20 Sekunden Werbung über sich ergehen lassen muss. Hier der Link:

http://www.clipfish.de/video/2922779/elvis-presley-no-more/

In dem Text von Elvis kommen  weder eine Taube noch eine Möwe vor, warum auch.

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12 Gedanken zu „La Paloma und die Möwen (2)

  1. Frau Blau

    hach Johnny…. 😉
    ich hab als Kind Hans Albers und dieses Lied sehr geliebt, später bekam er ja einen etwas bitteren Beigeschmack… nichts destotrotz mag ichs immer noch- bin aber och sone Seemannsromatikerin, schiefgrins-
    danke für deine ausführliche Aufklärung was nun die Möwen und die Tauben anbelnagt- eine gewisse Ähnlichkeit haben sie ja, zumindest in diesen Zeiten, beide machen sich in den Städten breit, selbst dort, wo kein Meer weit und breit ist, isch sage nur Bählin…
    Rosita Serrano hat natürlich DEN Groove, sehr schöne Version!
    mal schauen wann ich mir dann noch Elvis zu Gemüte führen werde, jetzt auf alle Fälle nicht mehr, muss gleich wieder hinter die Kochtöpfe, dabei ist es sooo herrlich draußen, war schon gärtnern heute…
    ach wenn ich doch Rentnerin wär…
    herzliebe Grüße an dich und deinen netten Hausgeist Frau Blau

    Antwort
    1. Frau Blau

      na gut, soviel Zeit war dann doch noch da, um die der ollen Schmalzlocke zu lauschen… jo abtauchen und ist dann doch wirklich eine nette Idee 😉 ciao ciao for now

      Antwort
      1. emhaeu Autor

        Ich wollte mir ja direkt den ganzen Elvis-Film zu Gemüte führen, aber meine Mitbewohnerin hat sich kategorisch geweigert: „Den kannst Du alleine sehen …“ So ist es. LG M.

      2. Frau Blau

        wie gut ich deinen Hausgeist verstehen kann 🙂
        wir hier schauen auch manchmal Filme alleine an, nicht immer treffen sich in dem Punkt unsere Geschmäcker, muss ja auch nicht. Es gibt ja trotzdem noch viiiel anderes Verbindendes, gelle?!
        herzliche Grüße an euch von einer „Rücken“ Frau Blau, irgendwas ist mir heute beim gärtnern hintenrein gefahren 😦

  2. Dina

    Oh wie schön, es ist doch einfach herrlich in diesen Nostalgien zu schwelgen. Alles gut gealtert! :-

    Meine Lieblingstaube befindet sich in einem Film, one of my alltime fovourites, ich war 3x im Kino um den Oscargewinner „Sprich mit ihr“ von Pedro Almodovar zusehen. Der Film ist ist einfach exzellent. Must see for everybody.

    In diesem Film habe ich Pina Bausch lieben gelernt, die große Dame tanzt selbst und ihre Truppe gleitet wellenförmig über den Marktplatz während Caetano Veloso
    das Lied „Cucurrucucú Paloma“ hinschmettert. Noch nie habe ich jemand dieses Lied von der Taube so schön singen gehört, wie von Caetano Veloso in diesem Film.
    Gänsehaut pur auf meine Flügel sagt Selma Buchfee dazu, ich stimme zu.
    Wenn ich nur singen könnte!

    Antwort
    1. haushundhirschblog

      Wie schön, dass Du Pina Bausch hier erwähnst, die wir absolut schätzen und einige Male in Wuppertal sehen durften. Vermutlich haben wir den Film von Almodovar sogar gesehen .. aber an das Lied und ihren Tanz können wir uns nicht erinnern. Thanks!

      Antwort
      1. Dina

        Ja, nach dem Film-Seherlebnis habe ich auch Pina Bausch einige Male im Tanztheater Wuppertal sehen dürfen. Es zählt zu dem ganz großen Momenten in meinem Leben. Bei der Premiere, wenn das neue Tanzstück noch kein Namen hat,.. das besondere Flair, das erlesene Publikum.. und dann zum Schluss kommt diese wunderbare, hochgeschätze. asketische Frau in Schwarz auf der Bühne und verneigt sie tief und wortlos für das Publikum und verschwindet. Und das Publikum verneigt sie für die grande Dame.

        Zu tiefst berührend fand ich den Film „Tanzträume“.
        Junge Leute tanzen den „Kontakhof“, – während die Dreharbeiten haben diese junge Menschen sich so positiv verändert, welch eine Glück, in der Pubertät an so etwas teilnehmen zu dürfen und wachsen. Fürs Leben. Was für eine Frau.

        Es freut mich aufrichtig, dass Euch beiden die Dame auch so gut gefällt!

        http://www.realfictionfilme.de/filme/tanztraeume/

        Gute Nacht und liebe Grüße
        Dina

    1. emhaeu Autor

      Yes I’m ready! Schöne szenen, ergreifender Gesang – leider reichen meine Spanisch-Kenntnisse nicht aus, um den Text zu verstehen, muss aber sehr traurig sein, denn allen laufen die Tränen herunter … Ich habe den Film glaub ich nicht gesehen, erinnere mich jedenfalls nicht an die Szene …

      Antwort
  3. Dina

    Hable con Ella, (Sprich mit ihr). Ich habe gestern mit Biki noch darüber gesprochen, wir beide liiiiieben die Filme von Pedro Almodovar, so schön! 🙂

    Antwort
  4. haushundhirschblog

    Ein absolut feiner Text, wieder einmal! Die Taube als Überbringerin von Botschaften, Nachrichten oder Verheißungen verbindet man ja eher mit den schönen weißen, deren Gurren oder Turteln man gänzlich anders wahrnimmt, als das der grauen Stadttauben. Schön aber auch diese fünf musizierenden Rottauben, die wie ausgestorben wirken. 😉
    Danke Dir,
    dm und mb

    Antwort

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