Legenden aus Guatemala

Ich habe mal wieder ein Buch gelesen. Das ist schon bemerkenswert, denn in letzter Zeit bin ich zum Lesen gar nicht gekommen. Da ich über jedes gelesene Buch hier einen Eintrag mache, bräuchte ich nur auf die Kategorie „Bücher“ klicken und wüsste, wie viele Seiten ich dieses Jahr gelesen habe.

Jetzt also dieses kleine Insel-Büchlein. Schwere Kost. Die ersten Auflagen sind fast vollständig verramscht worden, dann hat Miguel Angel Asturias den Nobelpreis bekommen und mit diesem Etikett haben sich dann doch mehr verkauft. Tatsächlich hat Asturias nicht gualtematekische Legenden nacherzählt. Er stammt zwar aus Guatemala, hat aber schon bald in Europa gelebt, in Paris auch, wo er die Surrealisten kennengelernt hat. Er hat also guatemaltekische Legenden im Geiste des Surrealismus frei erfunden, eine Nachschöpfung, sagt man.

Das klingt dann so:  „Berg in einem Vogel  war die Erinnerung an ihren Vater und ihre Mutter, an ein vierfüßiges Tragtier von der Farbe der Regenpfützen, das sie auf dem Meere töteten, um das Land zu erlangen, ein Tier mit goldenen Augen, die auf ihrem Grund zwei schwarze Kreuzchen bargen, mit einem Geruch nach gefangenem Fisch und von so weiblicher Gestalt wie der kleinste Finger der Hand.“  Überpoetisch sozusagen, und eine Handlung wie üblich sucht man bei einigen Legenden auch vergeblich.

Kleine Nachbemerkung. Es hat mich gewundert, wieso diese so gar nicht der Doktrin des sozialistischen Realismus und auch gar nicht sozialkritischen Erzählungen auch in der DDR verlegt worden sind. Indigener Abstammung ist Asturias auch nicht, sondern er stammt aus der weißen Oberschicht Guatemalas, war gelernten Jurist und Diplomat. Da es aber im Verlagswesen der DDR keine Zufälle gibt, wird man nach ein wenig Suchen fündig. Ein strammer Kommunist ist Asturias gewesen, den „Internationalen Leninpreis für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern“ hat er schon vor dem Nobelpreis bekommen, weil er sich stark im „Weltfriedensrat“ engagiert hat, einer Organisation, die wenig mit Frieden, aber viel mit Propaganda zu tun hatte. Wikipedia nennt sie kurz und knapp eine von der UdSSR gesteuerte Tarnorganisation, die auch dem KGB als Frontorganisation gedient hat – von all dem erfährt man im Wiki-Eintrag zu Asturias nichts.

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