Was man nicht sieht

Ein See, der Lago Petén Itzá im nördlichen Guatemala, fast 100 qkm groß. Ein „Rancho“ genanntes Dach aus Palmenblättern, der Steg, der dahin führt, liegt wegen des gestiegenen Wasserspiegels unter Wasser. Am Ufer ein Schimmel, Schilf, dahinter der Regenwald und das streng geschützte Naturreservat „Cerro Cahui“, diffuse Sonne, aber 30 Grad. Das sieht man: Idylle pur.

Was man nicht sieht: Der Schimmel, der da im Wasser steht, kann frei herumlaufen, weil er aufgrund eines Unfalls einen verkrüppeltes Bein hat. Er gehört zu einer nahe gelegenen Touristen-„Ranch“, die Reittouren anbietet, und frisst hier sein Gnadenbrot.  Das Ufer ist keineswegs so menschenleer wie es scheint. An der Uferstrasse reiht sich eine einfache Touristenunterkunft an die andere, bieten auf einem Kilometer sicherlich 20 Buden und Häuser den wenigen Vorüberkommenden Essen und Trinken an.

Wenn ich nach rechts schaue, sehe ich in dem kristallklaren Wasser eine große Reklametafel im Schilf, irgendjemand hat sie dahin geworfen, dazu noch einiges an Müll. Müll ist auch das traditionelle Einbaum-Holzkanu, das im Schlamm steckt. Drinnen steht das Wasser schon zwei Handbreit hoch. Bald wird es durchgefault sein, der Angler ist mit einem Plastik-Boot unterwegs, das ist praktischer. Gelbschwarze tropische Vögel benutzen im Schilf hängen gebliebene Plastikflaschen als Landeplatz, ein großer Schmetterling schaut sich das ganze emotionslos an. Zwischen einem Stück Plastikfolie und einem abgebrochenen Brett hat ein netter Frosch sein Zuhause gefunden, der erst ganz ruhig sitzen bleibt, sich aber dann doch nicht fotografieren lassen will. Die kleine Müllecke stört offenbar nur den idyllsuchenden Europäer, der das kühle Wasser genießt und dabei nach Kräften verdrängt, dass dieser See, den die englische Wikipedia als „Wildlife Paradise“ bezeichnet, auch die Heimat einiger Seeschlangen und Krokodile ist.

(Handy-Photos, deshalb ist die Qualität nicht so toll)

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2 Gedanken zu „Was man nicht sieht

    1. emhaeu Autor

      Vielleicht setzt sich mit zunehmendem Alter immer mehr der halbe Preuße in mir durch – mich stört es einfach und ich wundere mich nicht nur in fernen Ländern, wie Leute so einfach über den Müll in ihrer Umgebung hinwegsehen können. Räum erst mal Deinen Schreibtisch auf, sagt jetzt ein bekannter Hausgeist zu mir, bevor du Dich als Ordnungs-Fan aufspielst. Ok. Ich sage nichts mehr.
      Schönen Abend auf den Bergen! Martin

      Antwort

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