Die Brennholzmänner

Mitten im Regenwald, irgendwo am Lago Petén Itzá, Guatemala. Der Regenwald sieht hier auf den ersten Blick wie ein normaler Mischwald aus, in den sich  Zimmerpalmen verirrt haben.

5Ein Holzbündel liegt am Rande des schmalen Weges, bald noch ein paar.

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Gutes Tropenholz, mit Hilfe von Palmblättern und einem Stück Stoff fachgerecht gebündelt. Es ist niemand zu sehen, aber die Männer, die im Wald Holz schlagen, es dann in die Orte schleppen und dort als Brennholz verkaufen,  bilden einen eigenen Berufsstand: Die Leñadores, die Brennholzmänner.

Foto: J. Etchart

Holz wird zum Kochen verwendet, weil es billiger ist als Gas oder Strom. Auch die zahlreichen Stände in den Dörfern und kleinen Städten, an denen irgendetwas gebruzzelt wird, werden oft mit Holz beheizt, weshalb bei Windstille sich eine Qualmwolke über den Zentren ausbreitet, die sich mit den Autoabgasen vermischt. So wandert das gute Tropenholz – vor allem die harzreichen Sorten sind beliebt – in den Ofen. Bevor Regenwaldschützer protestieren: Die Holzmenge, die die Leñadores entnehmen, ist sehr gering. Denn zum Glück braucht niemand Holz zum Heizen. Brennholz wird zum Kochen benutzt, die Frauen in den Dörfern kochen oft im Freien – drinnen ist es auch ohne Feuerstelle schon heiß genug. Oben in den Bergen, wo es schon mal kühler wird, gibt es auch Indoor-Herde.

Die Leñadores haben einen harten Job. Manche transportieren ihre Holzbündel auf Eseln, aber in der Regel schleppen sie das Brennmaterial auf dem Rücken von den Bergen herab in die Orte.  Sie tragen Gummistiefel, denn im Wald ist es matschig und beeilen sich mächtig. Immer rasen sie in einer Art Laufschritt die Berge herunter, bei Regen wird das Holz mit einer Plastikplane bedeckt.  Die Männer wissen wahrscheinlich selbst nicht, ob sie vom Schweiß oder vom Regen nass sind.

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Foto: Roberto S. Reyes

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Foto: Roberto S. Reyes

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4 Gedanken zu „Die Brennholzmänner

  1. Dina

    Lieber Martin, deine Berichte aus Gutamela, aus dem Regenwald (wo ich wahrscheinlich nie hinkommen werde) erlebe ich als ein wahre Bildungsreise, bequem von zu Hause aus, habe herzlichen Dank dafür. Mein Gott, wie einfach ich es habe, gehe einfach zum Heizkörper und drehe ein wenig und es wird warm, auch das sehr bequem. Freue mich auf den nächsten Artikel!
    Schönen Abend und liebe Grüße an Roswitha!

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich hacke mein Brennholz auch selber und schleppe es ins Haus – aber Spass beiseite: für mich ist das natürlich nur so eine Art Hobby. Ich möchte mit meinen kleinen Beobachtungen aus Guatemala auch darauf hinweisen – wie oft es uns an Dankbarkeit für das mangelt, was wir haben.
      Einen herzlichen Gruß aus dem Schneetreiben! Martin

      Antwort

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