Guatemaltekische Spezialitäten

Lanquin

Foto: Wikipedia

Lanquin ist ein Ort im Hochland von Cobán, ziemlich abgelegen, ein Kaff, in das nie ein Tourist käme, wenn in der Nähe nicht die berühmten Wasserbecken von Semuc Champey wären. Aber so kommen auch wir hier an, im Dunkeln, und haben Hunger. Wir fragen jemand auf der Strasse, wo man gut essen könnte. Weiter oberhalb in einem Restaurant, heißt es, oder direkt hier drüben im „Shalom“. Im Shalom koste es 25 Quetzales, im Restaurant 28 Quetzales, also irgendetwas unter 3 Euro.

Komisch, „es“ kostet, hat er gesagt, wie das wohl gemeint ist? Wir entscheiden uns für das „Shalom“, vielleicht von hängengebliebenen weltreisenden Israelis betrieben, vermute ich. Ist aber sehr einheimisch, der Laden, ein typischer „Comedor“, was eigentlich „Speisesaal“ bedeutet. Aber in Guatemala nennt man so Restaurants, in denen vor allem die Einheimischen essen.

Speisekarte gibt es nicht. Statt dessen rasselt eine rundliche, sehr freundliche Maya-Frau die Alternativen herunter, wiederholt geduldig. Ich verstehe nichts, bestelle irgendetwas, was ganz gut klingt. Es dauert eine Weile, dann bekommen alle am Tisch ungefähr das Gleiche: Bohnenmus, etwas Frischkäse, ein Stück gebratene Banane, Reis und Rührei. Seltsam.

tipico

Ich frage und lasse mich aufklären: Falls man keine Sonderwünsche äußert, gibt es nur ein Gericht, eben das, das 25 Quetzales kostet: „Comida tipica“ – die typische Mahlzeit, die immer aus Bohnenmus, Käse, Banane, Reis und Rührei besteht, dazu natürlich Tortillas, denn ein Essen ohne Tortillas ist unvorstellbar. Die Alternativen, die die Bedienung aufgezählt hat, bestehen nur darin, wie die Eier zubereitet werden: Spiegelei oder Rührei, mit Tomate oder nicht, mit Schinken oder mit Wurststückchen.

Schmeckt nicht schlecht. Das Problem ist nur: Abends gibt es überall „Comida tipica“, morgens zum Frühstück dann überall „Desayuno tipico“ – das ist noch einmal genau das Gleiche, nur dass es diesmal statt kaltem Hibiscus-Tee („Rosa de Jamaica“) Kaffee gibt.

Nur ganz hartgesottene Gringos bestellen zum Frühstück die fremdländische Alternative, Eierkuchen mit Ahornsirup nach amerikanischer Art.

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15 Gedanken zu „Guatemaltekische Spezialitäten

  1. Frau Blau

    ich las mal in einem meiner Ernährungsbücher, dass der Mensch mit Bohnen und Reis alle überlebensnotwendigen Mineralien, Spurenelemente zu sich nimmt, die Bananen dann für die Vitamine (sehr Vitam C haltig, soll man nicht glauben- allerdings gebacken nicht mehr – lach)

    ich würde sofort zuschlagen, klingt köstlich … und der Preis für uns EuropäerInnen ein Klacks …

    vielen Dank in die Speisekarte Guatemalas, auch wenn sie keine war 😉
    hab einen feinen Abend

    liebe Grüße Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      jetzt habe ich eine lange Antwort geschrieben, aber die ist vielleicht weg ….. kommt aber in einem der nächsten Artikel, wo es noch mal um das Essen geht ……
      Gutes Stichwort: Zeit zum Abendessen! LG Martin

      Antwort
      1. Frau Blau

        gerade verschwinden immer häufiger die Kommentare, es muss ein schwarzes Loch bei WP geben … und Diashows haben sie auch gestrichen 😦

  2. Dina

    Kööööstlich…. ? Also, ich wäre nicht abgeneigt, einen Pfannkuchen mit Ahornsirup zu probieren…. Nach so viel Zeit in Amerika habe ich eine Schwäche für die Buttermilchlockerleichte Küchlein mit lauwarmen Ahornsirup. 🙂

    Antwort
      1. Dina

        Na, fein! Puuuh. habe einen Sturm von gesundheitsbewussten Einsprüche erwartet und so… Jetzt bin ich froh, zufrieden und werde den Feierabend genießen. 🙂

      2. emhaeu Autor

        … nö, nö ……… ich bekommen sowieso zunehmend den Eindruck, dass manche deutschen Mitbürger aufgrund ihrer Ernährungsempfindlichkeiten mal einen Therapeuten aufsuchen sollten – aber der ist dann womöglich genau so drauf
        😉

      3. Frau Blau

        zumindest die HeilerInnen mit ihren Bioresonanzgeräten … ich kann dir da ein feines Lied von Lebensmittelunverträglichkeiten singen, fast keine Gruppe, wo nicht mindestens eineR ne Extrawurst braucht, grusig. Sehr heilsam ist die Maßnahme dann 5 € Aufschlag pro Tag zu verlangen, dann ist es plötzlich doch nicht mehr sooo schlimm oder sie bringen sich selbst was mit.
        Die Krönung war letztens eine Dame, die jeden Tag ein Stück Rind oder Lamm brauchte (frisch gebraten, versteht sich), weil sie sonst sterben würde. In einer vegetarischen Küche schon doof, da kommt man dann in Rechtfertigungszwang gegenüber anderen. Tja… das sind so die Freuden einer Seminarköchin 😉

      4. emhaeu Autor

        Oh je: Mitleid. Ich kenne das nur von Klassenfahrten und aus der Schulmensa, wo ich mich als Aufsicht mit den meckernden Schülern rumschlagen musste. Der Gag: Die Eltern forderten auf den Elternversammlungen immer gesunde Kost etc. Wenn die Küche sich dann darauf eingestellt hat, haben die Schüler gemeckert, weil es nicht wie sonst süßen Saft, Fritten und als Nachtisch einen Schokoriegel gab….. Schluss für heute! LG Martin

  3. Tantchen

    Laut Schulmediziner, bin ich sooooo allergisch, das ich mich wundere, überhaupt noch zu existieren.Mich ödet,dieser TamTam tierisch an-Tatsache, familär bedingt allergisch. Preussische Erziehung
    :,ist so, gibt schlimmerers-somit gehe ich ganz locker damit um.
    Habe mich nie auf meinen Reisen gefragt,ob die Ernährung zu Mangelerscheinungen oder sonstwas führen könnte.Gabs nur Schleimsuppe (hier würde ich würgen!), wurde diese gegessen.Will man Land u. Leute kennenlernen, gehören ,die Essgewohnheiten dazu.
    Mir gefällt, wie Du liebevoll schmunzelnd, den Lesern . Guatemala nahe bringst.-danke!

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Wie sagt der Kölsche: Loss disch nit jeck maache — muss ich mir als sozusagen amtsärztlich geprüfter Hypochonder oft genug sagen 😕 LG Martin

      Antwort

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