Das Rätsel des Kleine-Hütten-Kultes

Um das Jahr 2000 lassen sich nahezu überall die Spuren eines rätselhaften Kultes nachweisen. Die archäologischen Funde legen nahe, dass es in dem besagten Zeitraum offensichtlich kaum eine Stadt, ja kaum ein Dorf gegeben hat, dass diesem Kult nicht gehuldigt hat.

Fest steht, dass der Höhepunkt der Feierlichkeiten irgendwann im Winter gelegen hat. Einzelne Zeugnisse stammen zwar auch aus anderen Jahreszeiten, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig in der Winterzeit, nur im Winter haben sich die Merkmale rein ausgeprägt. Die Forschist sich sich einig, dass ein starke Priester-Kaste hinter dem Kult gestanden haben muss. Wie sonst ist es zu erklären, dass alle diese Kultstätten fast genau gleich ausgesehen haben? Sie bestanden allesamt aus kleinen hölzernen Buden, die nur in einem bestimmten Zeitraum aufgebaut worden sind, und zwar alle zum gleichen Termin, was wieder auf die Steuerung durch eine zentrale Macht hinweist.

Abb.  aus der Sammlung der Trinity College Library, Dublin

Abb. aus der Sammlung der Trinity College Library, Dublin

Die Funde der Archäologen belegen eindeutig, dass in allen diesen Buden Gegenstände aufbewahrt worden sind. Möglich ist auch, dass diese Gegenstände dort verkauft worden sind, dafür fehlen aber eindeutige Beweise. Gegen die Verkaufs-These spricht, dass es in der fraglichen Zeit sehr viele dauerhafte Verkaufsstätten gegeben hat, in denen die gleichen Waren angeboten worden sind. Generell lassen sich die gefundenen Gegenstände keiner bestimmten Richtung zuordnen: Hüte, kleine Figürchen, Kleidung, Holzspielzeug, Kerzen, Seife, Räucherwerk, Speiseöl, Teller, allerhand Tand, Spirituosen. Eine große Rolle hat offenbar auch der Verzehr von Speisen und alkoholischen Getränken gespielt, letztere sind möglicherweise erwärmt gewesen – ein sehr rätselhaftes Detail, denn das Trinken von erwärmten alkoholischen Getränken ist sonst in dieser Epoche nirgends belegt.

Was die Menschen um die Wende des 2. Jahrtausends herum dazu bewogen hat, trotz schlechten Wetters und winterlicher Kälte diese Kultstätten aufzusuchen, gilt als ungeklärt. Da es kaum vorstellbar ist, dass sich die Menschen freiwillig in die Kälte begeben haben, wo doch in unmittelbarer Nähe in der Regel gut geheizte Wohnzentren gewesen sind, wird wohl auch hier die Hypothese, es habe eine starke Priesterkaste nicht unerheblichen Zwang ausgeübt, am ehesten als Erklärung taugen.

Neuerdings freigelegte Reste - die Fundstätte liegt unweit des Zusammenflusses von Donau und Inn

Neuerdings freigelegte Reste – die Fundstätte liegt unweit des Zusammenflusses von Donau und Inn

Ein Minderheit der Gelehrten bringt den winterlichen Kleine-Hütten-Kult mit dem Weihnachtsfest des Christentums in Verbindung. Das ist aber recht unwahrscheinlich. Denn erstens befand sich in der fraglichen Zeit das Christentum im Niedergang, zweitens finden sich für diese These nicht die geringsten archäologischen Zeugnisse. Nichts, was bei Ausgrabungen an diesen Kultstätten ans Tageslicht gekommen ist, stand in irgendeiner Beziehung zu den Symbolen des Christentums. Höchstens einige Bäume, verschiedene Arten von Nadelbäumen, auf die man im Zusammenhang mit dem Kleine-Hütten-Kult gestoßen ist, könnten für diese Hypothese sprechen, denn es gibt einige Quellen aus dieser Zeit, die drauf deuten, dass damals in christlichen Kultstätten ebenfalls Nadelbäume aufgestellt worden sind. Der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Nadelbaumkulten bedarf aber noch zahlreicher weiterer Forschungen. Der Kleine-Hütten-Kult, so viel steht fest, stellt ein Rätsel dar, welches die Archäologen noch lange beschäftigen wird.

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11 Gedanken zu „Das Rätsel des Kleine-Hütten-Kultes

  1. Pingback: Das Rätsel des Kleine-Hütten-Kultes « Schreckgespenst

  2. Frau Blau

    vielen Dank, lieber Martin, für diesen witzigen Artikel, nun lächel ich zum Feierabend, trinke ein kleines Bierchen und werde bald lächelnd einschlafen – dankeee

    liebe Grüße Ulli

    Antwort
  3. Pit

    Hallo Martin,
    ich finde diesen Artikel ganz vorzüglich und habe ihn mit breitem Schmunzeln gelesen.
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas,
    Pit

    Antwort

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