Kafka: Amerika

kafka_amerika

Es geht in diesem Roman – mit dem ich eine weitere Kafka-Bildungslücke (die letzte?) geschlossen habe – nicht um Amerika. Das real existierende Land hat Kafka nie gesehen, nur anhand eines Buches hat er sich etwas informiert. Amerika ist für Kafka nur eine Chiffre – ein fernes Land, ein anderes Land, ein dunkles Land. Erst ganz am Schluss erfährt der Leser, dass er sich nicht ein einem dunklen Kleinstaat, der mit Häusern, Autos, Hotels und Industrie vollgestopft ist, befindet. Das Land kommt wahrlich nicht gut weg, aber wenn Kafka überhaupt an sozialen oder politischen Zuständen Kritik üben wollte, dann kritisiert er die Welt der Moderne.

Mir scheint allerdings, dass Kafka nur den Schauplatz ausgetauscht hat. Da gibt es die gleichen labyrinthischen Gebäude wie in den anderen Romanen, wieder laufen Massen von arbeitenden Menschen herum, deren Tätigkeiten sich dem Außenstehenden nur schlecht erschließen. Es geht, wie immer bei Kafka, um Vater- und Mutterfiguren, um die Schuld, in die sich jemand verstrickt, ohne es zu wollen, um fatale Zusammenhänge und Machtstrukturen, die dem Menschen nicht zugänglich und nicht verständlich sind.

Das letzte Kapitel dieses unvollendeten Romans ist dann ganz großes surrealistisches Kino: Ein Stadion, in dem die Arbeitssuchenden von auf hohen Podesten stehenden Engeln empfangen werden, die Fanfaren blasen. Manchmal, so erfahren wir, werden die Engel von Teufeln abgelöst.

Postkarte, die Kafka 2011 aus Versailles an seine Schwester geschrieben hat

Postkarte, die Kafka 1911 aus Versailles an seine Schwester geschrieben hat

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3 Gedanken zu „Kafka: Amerika

  1. Pit

    Hallo Martin,
    nicht direkt zu diesem Artikel, sondern allgemein: falls Du die Nachricht bekommen haben solltest, dass ich Deinem Blog nicht weiter folgen will, es dann aber doch wieder abonniert habe, so liegt das daran, dass ich seit ein paar Tagen zwar eine E-Mail Nachricht bekomme, wenn Du wieder einen neuen Artikel postest, dieser aber nicht in meinem „Reader“ erscheint, wen ich mich bei WordPress einlogge. Also habe ich es auf diesem Wege [„unfollow“ und dann wieder „follow“] einmal probiert, weil das bei einem anderen Blog schon mal erfolgreich war. Mal sehen, ob’s hier auch klappt.
    Lieber Grüße aus dem südlichen und sonnigen Texas,
    Pit

    Antwort

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