Liegende Polizisten

tumulo„Von Flores nach Cobán ist es nicht weit, aber ihr werdet eine Weile brauchen!“ „Warum? Strasse schlecht?“ „Nein, gute Strasse, aber viele Tumulos“. Tumulos – das Wörterbuch hilft wieder einmal nicht weiter. Grabhügel, Hügelgrab steht da.

Dabei hat der Tumulo eine wichtige Bedeutung auf Zentralamerikas Strassen: Er ersetzt Ortsschilder und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Da man sich in Guatemala – wie ich im vorigen Beitrag geschrieben habe – nicht so unbedingt an Vorschriften hält, geht man nach dem Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen. Das heißt praktisch: Wer nicht langsam fährt, wird ordentlich durchgerüttelt oder riskiert ernsthafte Schäden an seinem Auto. Denn die Stolperschwellen sind großzügig bemessen. Sie sind so hoch, dass ein tiefer gelegter Golf-GTI nicht darüber käme, ohne aufzusetzen. Ich haben niemanden gesehen, der nicht ganz langsam und vorsichtig über den Tumulo fährt.

tumulo3

Eigentlich eine sinnvolle Einrichtung, diese Dinger, die man in Nicaragua „liegende Polizisten“ nennt. In der Regel befindet sich am Orteingang ein Tumulo, in der Ortsmitte, wo Schule und Kirche sind, ein weiterer, am Ortsausgang dann noch einer. Es gibt aber auch Orte, die bringen es auf sieben oder acht Tumulos. Einheimische wissen, wo die Tumulos sich befinden, und bremsen rechtzeitig. Für Ortsunkundige gibt es ein Hinweisschild – wenn man Glück hat. Dreimal musste ich eine Vollbremsung machen, weil ich so ein Ding erst im letzten Moment gesehen habe, einmal kam das Bremsen zu spät und alle Insassen flogen an die Decke, worauf ich versprechen musste, mich besser zu konzentrieren.

tumulo2

Advertisements

15 Gedanken zu „Liegende Polizisten

  1. haushundhirschblog

    Herrjeh!
    Aber das Hinweisschild ist klasse! Vermutlich werden sie dauernd geklaut … 😉
    Gute Fahrt weiterhin, wünschen wir Dir und Deinen Mitfahrern und Mitfahrerinnen!
    Liebe Grüße, dm und mb

    Antwort
  2. lemniskatie

    ich kenne diese Bremshügel aus den Niederlanden, da heissen sie Drembels. Jedoch sind sie sichtbarer und werden immer vorangekündigt. Hier bei uns findet man sie zumeist auf den Strassen die durch reine Wohnsiedlungen führen. Ich finde sie auch sinnvoll.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Die Holländer haben die erfunden, glaube ich. Aber die Mittelamerikanischen sind erheblich heftiger als die in den Niederlanden …..

      Antwort
  3. Pit

    Dass die Insassen bei solch einem Ding [ich habe dafür immer die englische ?? Bezeichnung „sleeping policeman“] bis an die Decke flogen, habe ich einmal am Ortsausgang von Bonn (nach Alfter) bei einem POLIZEIWAGEN [VW Bully, vollbesetzt] gesehen. War – von hinten – lustig anzusehen. 😉
    Liebe Grüße aus dem südlichen Texas, wo diese Dinger auch Gang und Gäbe sind,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      „Sleeping Policeman“ – das hatte ich noch nicht gehört. Vielleicht ist das in Zentralamerika also nur eine Übersetzung ….. LG Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        wo ich diesen Ausdruck genau aufgegabelt habe, weiß ich nicht. Ich kann also gar nicht mit Sicherheit sagen, ob sie wirklich in England so heißen.
        Liebe Grüße aus dem südlichen Texas, wo diese Dinger auch häufig zu finden sind [in allen Varianten übrigens, von welchen, die man ohne Weiteres mit 30 Km/H „nehmen“ kann, bis zu solchen, bei denen Schrittgeschwindigkeit noch (fast) zu viel ist],
        Pit

  4. Sommerluchs

    Ich habe 7 Jahre in Guatemalas östlichem Nachbarland Belize gelebt, da waren die Verhältnisse ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch. Belize war vor seiner Selbständigkeit 1981 British Honduras.
    Sleeping policemen waren auch da gang und gebe, angekündigt und unangekündigt, und auch meine Beifahrer kamen, besonders im ersten halben Jahr mit der Decke in Kontakt. Schlimmer waren die Schäden unter dem Auto am Atomaticgetriebe und der Verschleiss an Stossdämpfern. Die bumps, wie sie auch genannt wurden, waren auch nicht gleich hoch, manche waren nur 20 cm, andere waren einen halben Meter hoch. Das hing davon ab, wieviel Teer die Arbeiter auf ihrem Pickup hatten und wieviel bumps sie zu machen hatten. Normale PKW waren keine Option, Ford Explorer oder Jeep Grand Cherokee waren sichere Fortbewegungsmittel.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Danke für die Ergänzung! Wenn man nicht da war, stellt man die sich viel zu harmlos vor. Wir waren auch in Belize, zum 2. Mal, von der Nordgrenze bis runter nach Placencia. Die Guatemalteken sagen, in Belize wäre es besser, aber ich bin mir da nicht so sicher. Einen schönen Gruß Martin

      Antwort
  5. Frau Blau

    die gibt es ja mittlerweile hier auch und von mir aus kann es ruhig mehr davon geben, besonders in Dörfern, an Schulen, Kindergärten und …
    der Begriff liegende Polizisten amüsiert mich 🙂

    liebe Grüße
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Klar, aber da sind die erstens höher und zweitens auf den Hauptverkehrsachsen, sozusagen den Autobahnen. Da muss man sich erst dran gewöhnen, wenn man so in Gedanken durch die Gegend fährt, dass plötzlich ein solches Hindernis auftaucht, …..
      LG Martin

      Antwort
  6. Dina

    Bei dem Wort „liegende“ denke ich sofort an das geniale Wortspiel
    „Lying on the Couch“ von Irvin Yalom. Liegen/Lügen lässt sich leider nicht übersetzen. Schade, eigentlich

    Liebe Grüße aus dem leicht verschneiten Cley
    Hanne

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s