Gringos perdidos

see

„Gringo perdido“ – das ist ins Englische leichter zu übersetzen als ins Deutsche: „Lost white man“ trifft die Sache ziemlich genau. In El Remate am Lago Petén Itza gibt es einige Nordamerikaner und Europäer, die dort hängengeblieben sind und sich eine Existenz aufgebaut haben. Ein schönes Fleckchen, dieses El Remate, das außerdem an der Strasse liegt, die zu den weltberühmten Maya-Pyramiden von Tikal führt.

tienda

Dass in El Remate die Infrastruktur, was das Shopping angeht, eher einfach ist, dürfte den Gringos, die ja schließlich gekommen sind, um der Welt des Konsums zu entfliehen, gerade recht sein. Und dann das eine oder andere Schwein direkt neben der Hauptstraße, also einfache, naturverbundene Strukturen – da lacht das Herz des Aussteigers.

schwein

Allerdings muss der Gringo, wenn er an dem See, der rings ums Jahr lächelt und zum Bade ladet, dauerhaft bleiben will, irgendwie Geld heranschaffen. Was liegt näher, als an den anderen Gringos zu verdienen? Ein idealer Ort, um Touristen anzulocken, die nach Kultur und Pyramiden-Kletterei Lust auf Entspannung haben. Also betreiben die Gringos perdidos kleine Campingplätze, die sich alle rühmen, ökologische Campingplätze zu sein, und nicht mehr sind als eine Wiese mit einem einfachen Waschhaus. Einige haben es zum Hotelier gebracht, wenn auch manche Hotels deutlich zeigen, dass Startkapital recht bescheiden war.

Bruno-Hotel

 

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Ein Paar aus Kalifornien hat im Laufe der Jahre eine Urwald-Logde aufgebaut, die fast schon so groß ist wie ein ganzes Dorf, die 80 km weiter südlich liegende Finca Ixobel – ein sehr schöner Ort. Wer direkt am See, aber doch mit echtem Urwald-Feeling mitten im Regenwald wohnen möchte, kann das durchaus komfortabel in der Posada del Cerro, eine sehenswerte Anlage mit mehreren Gebäuden, die als rustikal zu bezeichnen eine Untertreibung wäre; entworfen und geleitet von einem deutschen Aussteiger und seiner brasilianischen Frau.

Nicht alle Gringos Perdidos allerdings haben Erfolg in der Aussteiger-Unternehmer-Branche, wie beispielsweise der Gringo, der davon lebt, „richtiges“ Brot zu backen und mit dem Fahrrad seinen Kunden zu bringen. Es sind nicht viele Kunden. Der Guatemalteke als solcher isst kaum Brot und so ein hartes, dunkles Zeugs, das Deutsche und einige amerikanische Öko-Freaks für gesund halten, schon mal gar nicht.

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17 Gedanken zu „Gringos perdidos

  1. sonjasperspektive

    Ich lese deine Guate Erlebnisse soooooo gerne! Sie zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht.
    Buenas noches – gringo 😉
    saludos – sonja
    (ich mag das wort soooooooooooooooooo nicht – doch es existiert nun mal – du weisst woher es kommt? 😉 )

    Antwort
      1. sonjasperspektive

        Gringo = green go!
        Ich weiss nun nicht ob das Wort von Mexiko nach Guate weitergewandert ist, ich kann es mir vorstellen. Jedenfalls – so hat man mir erklärt – entspringt es aus der Zeit, wo Mexiko von den US Stäätler invadiert wurde. Man wollte sie einfach wieder nach Hause schicken. Also : green (Uniform) go!
        Und gar kein schmeichelndes Wort so genannt zu werden 😉

        Lieben Gruss – sonja

      2. sonjasperspektive

        Wikipedia sagt: Gringo unter anderem auf die grünen Soldatenröcke (englisch: „green coat“) der amerikanischen Soldaten im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg.
        Also nicht green go, sodern green coat 😉 – sodala 😉

      3. emhaeu Autor

        Das „go“ (away) schwingt immer noch deutlich mit … Danke für die Erläuterung, war mir neu! Gruß Martin

    1. emhaeu Autor

      Da leben? Schwierig, obwohl man seine Garderobe extrem reduzieren kann auf T-Shirts. Unsere Tochter lebt ja aus beruflichen Gründen für drei Jahre da, na ja, ich glaube, auf die Dauer ist das auch für sie nichts.
      Einen schönen Gruß Martin

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Mein Schwager und Schwägerin haben für 3 Jahre in Brasilien gelebt. Für meinen Schwager war das o.k., er hat an der Uni unterrichtet aber meine Schwägerin hatte keine Arbeitserlaubnis und ohne Arbeit wird auf Dauer das schönste Paradies langweilig.
        Ich glaube auch einfach, die kulturellen Unterschiede sind so groß, dass man sich irgendwann einfach nur nach Hause sehnt. Bei mir wäre es jedenfalls so.
        Einen schönen Abend wünscht Susanne

  2. Frau Blau

    lieber Martin,
    mir gefällt sehr, wie du eure Reise Stück für Stück verarbeitest und uns vorstellst, mir gefällt die Ruhe dahinter, die ich meine zu verspüren und davon widerum kann ich nur lernen mit meinem schnell und viel …
    ausserdem gefällt mir in diesem neuen Artikel besonders das erste Bild, ohne dabei die anderen schmälern zu wollen, aber das ist so richtig nach meinem gusto 🙂
    Aussteiger, die sich woanders eine Existenz aufbauen, findet man ja an vielen Orten und erst einmal habe ich auch nichts dagegen, aber dann taucht auch die Frage auf, ob sie den Einheimischen nicht etwas wegnehmen, denen, die immer wieder mit den Weißen konfrontiert sind und ihrem Drang erobern zu wollen. Es ist nur eine Frage, keine Abwertung! Sicherlich haben auch viele Einheimische gar nicht die Kohle etwas aufzubauen … da ist es wieder das zweischneidige Schwert! (wo sich das überall drüber hängt … tzzz)

    herzlichst
    Ulli

    Antwort
  3. Frau Blau

    och nee … mein ganzer langer Kommentar ist futsch, was ist da nur los????
    da war ich so gut im Fluss und nu? ich versuchs nochmal …

    also … räusper … tief Luft hol …
    das erste ist, dass das oberste Bild rundum nach meinem Geschmack ist, ohne die anderen deswegen herabwürdigen zu wollen- das nächste sind die: Lost white men … Aussteiger, Auswanderer, die das Leben in ihren Ländern nicht aushalten wollen und/oder können, die in der Ferne (vielleicht) etwas finden, das ihnen mehr entspricht.
    So weit so gut, es bleibt bei mir immer wieder ein kleiner Geschmack von erneuter Eroberung zurück- sicherlich werden die Menschen in Guatemala nicht die Kohle haben, um solche Feriendomizile aufbauen zu können, andererseits wird wieder etwas in ihr Land getragen, was erst einmal dort, ohne die Gringos, anders aussehen würde und vielleicht dem einen oder anderen die Chance nimmt etwas eigenes zu entwickeln – drei Fragezeichen???
    Ach … ich weiß es nicht … wie so oft … seufz

    Jaha, wieder so ein zweischneidiges Schwert- wo die aber auch immer rumhängen 😉

    herzliche Grüße
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Du hast wieder genau den Punkt getroffen, um den ich mich etwas herumgedrückt habe. Ich will es mal auf den Punkt bringen: Die Aussteiger schaffen wirtschaftlich sinnvolle Unternehmen, sind die Chefs und schaffen sinnvolle und begehrte Arbeitsplätze. Zimmermädchen, Putzhilfen und Gärtner sind dann die Einheimischen.
      Ein zweischneidiges Schwert, wie Du schon sagtest! Einen feinen Gruß, Martin

      Antwort
      1. Frau Blau

        ja, so hab ich mir das vorgestellt und eigentlich möchte ich da aufheulen und uneigentlich ist es so … feddisch ab, die Fahnenstang! Der Kolionalistengeist ist noch lange nicht tot – grmpf …

        freut mich, dass ich die Lücke entdeckt habe. Aber sag mal, wieso drückst du dich davor. Man kann doch beide Seiten darstellen … aber andererseits, wenn ich es mir recht überlge, habe ich dann ja nix mehr zum aufspüren 🙂

        die Närrin geht grad mit mir durch, wenigstens ein ganz kleines bißchen, heute war so ein wunderbarer Sonnentag und überhaupt, floss er so richtig schöööön und jetzt gehe ich meine Kemenate fertig putzen, der Liebste kommt heute heim, juchee

        liebe Grüße
        Ulli

  4. kbvollmarblog

    Lieber Martin,
    das erste Bild finde ich super!
    Also in Latein-Amerika zu leben, stelle ich mir wie die Hölle vor. Da ist in den Städten ständig Action, es ist laut, rundum nichts für mich, der die Ruhe und eine gewisse Sicherheit liebt. Das ist nicht nur Verbiederung, sondern vor vielen Jahren bereiste ich als junger Mann Mexiko, Guiatemala, Belize und diese Gegend für ein halbes Jahr. Am Schluss war ich heilfroh, bei den Mennoniten in Belize untergekommen zu sein. Da spielte sich allerdings das Leben gemütlich und höchst kultiviert im Goethe-Deutsch ab.
    Ganz liebe Grüße euch allen
    Klausbernd

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ständig laut und Action: In Guatemala ist gerade irgendein Feiertag, der gerade mehrtätig ausgeiebig gefeiert wird, mit Böllerschüssen, Open-Air-Beschallung und dergleichen bis tief in die Nacht. Nichts für unsereins, aber es gibt auch Menschen, die jubeln – letztere sind dort bei weitem in der Mehrzahl.
      Schönen Gruß ans Meer! Martin

      Antwort

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