Istanbul (4) – Hagia Sophia

IMG_0378Daran sollten sich deutsche Flughafen- und Bahnhofsbauer mal ein Vorbild nehmen: Nur sechs Jahren haben die Römer in den Zeiten allerspätester großrömischer Dekadenz gebraucht, um das Ding hochzuziehen. Die Glocken waren nicht nicht fertig, machte nichts, Eröffnungsgottesdienst, fertig war das Weltwunder.

Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Unser spätrömisches Architektenbüro unter Leitung zweier Griechen hatte sich nämlich etwas verrechnet bei dem Versuch, eine Kuppel zu konstruieren, die sich scheinbar gegen die Gesetze der Statik dem Himmel entgegen wölbt. Große Klappe und nichts dahinter: Die Gesetze der Statik schlugen schon bald zurück, die Kuppel stürzt ein, dann noch mal. Als Entschuldigung fiel den Architekten nichts besseres ein als das Wort „Erdbeben“. Na so was, wo es in der Gegend alle naslang bebt, da hättet ihr halt erdbebensicher bauen müssen!

Dann sollte es ein armenisches Architektenbüro richten. Mit Erfolg, denn was die Armenier gebaut haben, hat fast 400 Jahre lang gehalten, bis die Kuppel wieder einstürzte, wieder aufgebaut wurde. Die zierlichen Stützmauern werden jetzt durch richtig dicke fette Mauern ersetzt: Bauernstatik – dick hält gut.

cherubimInteressant diese Darstellung eines Engels mit sechs Flügeln, der weder allzu vermenschlicht noch allzu verkitscht ist.

IMG_0371Den türkischen Eroberern hat der riesige Bau gut gefallen, sah ja auch so ähnlich aus wie ihre Moscheen, nur größer. Engel und sonstige christliche Deko haben ihnen weniger gefallen, die Christen selbst mochten sie auch nicht leiden. Der ganze falschgläubige Plunder wurde auf dem Trödel verscherbelt, die Mosaiken zerstört oder mit einem Lehm-Kalkgemisch überschmiert. Die falschgläubigen Menschen selbst, die in der Kirche Zuflucht gesucht hatten, wurden, sofern weiblich, vergewaltigt und dann versklavt, sofern männlich, nur dann nicht umgebracht sondern versklavt, wenn sie Glück hatten.

Dann wurden ein paar riesige Tafeln mit Koransprüchen aufgehängt, Teppichboden eingezogen, Eröffnungsgottesdienst, fertig. Die Minarette kamen später.

IMG_0350Aber die Statik, die Statik ließ sich auch davon nicht beeindrucken, dass fortan die Böden geschont wurden: Schuhe aus oder draußen bleiben heißt ja die allgemein-moslemische Devise. Bald war das Weltwunder wieder baufällig. Da kam der Sultan auf die entscheidende Idee: Er ließ ein Schweitzer Architektenbüro ran. Seitdem steht das Ding so fest wie meine Vorurteile.

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6 Gedanken zu „Istanbul (4) – Hagia Sophia

  1. Frau Blau

    ach bester Martin, wie sehr ich deine Art zu schreiben immer wieder mag, über deinen letzten Satz lache ich immer noch … und so ganz nebenbei lerne ich ja bei dir auch immer wieder etwas, was ich ebenfalls sehr zu schätzen weiß!
    Der Engel gefällt mir sehr, bin ja nicht so DER Engelfan, aber manche haben dann eben doch was …
    wunderbare Fotos, danke dir – euch (?)
    genieß(t) das Wochenende
    herzlichst Ulli

    Antwort
  2. khecke

    Ah Martin, erfreue mich weiterhin Deines Reiseberichtes. Das der Dom bei der Hagia Sophia mal eingestuerzt war, hatte mir sogar mein Grossvater noch in Tschammendorf erzaehlt, aber nicht, dass er so oft eingestuerzt ist. Nun bin ich um einiges schlauer.
    Gruss aus dem verregneten Sonntag in Arkansas,
    Karl-Heinz

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Er war ja auch ein gebildeter Mann, Dein Großvater! Ein paar Folgen meines Reiseberichts kommen noch, dann geht es schon wieder auf die Reise, diesmal nach Spanien …
      Einen trotz Regen schönen Sonntag! Martin

      Antwort
  3. Susanne Haun

    Guten Morgen, Martin,
    mir hat die Hagia Sophia auch besonders gefallen. Gerade auch, weil sie abwechselnd christlich und moslimisch geweiht war.
    Der Engel ist mir sofort „in die Augen gesprungen“ – wunderschön und passt hervorragent auch zu Lilith 🙂
    Sind immer noch teilweise die Gemälde mit christilschen Heiligen mit Schildern mit den Namen der Phropheten überhangen?
    Grüße aus Berlin sendet dir Susanne

    Antwort

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