Stefan Zweig: Schachnovelle

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Wieder eine Bildungslücke geschlossen, bei herrlichem Wetter in einem Zug die eher düstere Novelle eines Autors gelesen, der Zeit seines Lebens unter Depressionen litt.
So schrecklich düster ist „Die Schachnovelle“ allerdings nicht, sieht man einmal von den Schilderungen der Isolationshaft ab. Jedenfalls nicht so düster, dass man vermuten könnte, dass sich Stefan Zweig kurz nach der Fertigstellung dieser Novelle zusammen mit seiner Frau mit Gift umgebracht hat.

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Eine fesselnde Geschichte, fantastisch geschrieben, beste Wiener Schule sozusagen. Vielleicht ein wenig zu stark konstruiert, ein wenig zu holzschnitthaft der Gegensatz der beiden Schachspieler, ein wenig zu weit weggerückt die Fahrt auf dem Schiff. Aber egal, ich will nicht meckern.
Was mir zu denken gegeben hat: Zweig stammte aus sehr reichem Hause, hatte nie Geldprobleme, war einer der erfolgreichsten Autoren seiner Zeit, einer der wenigen, der auch im Exil sehr hohe Einnahmen aus Buchverkäufen hatte. Dass die „Schachnovelle“ sich weit über eine Million Mal verkaufen würde, hat er nicht mehr erlebt. Selbstmord in Brasilien. Warum nur hat er nicht dort, fern ab von Europa, sein Leben genießen können?

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Das Exemplar übrigens, das ich gelesen habe – es stammt aus dem kommunalen Bücherschrank – ist von einer Schülerin gründlich bearbeitet worden. Schullektüre, Randbemerkungen, die der Lehrer diktiert hat. Jetzt unterstreichen alle den dritten Abschnitt auf der Seite. Textarbeit nennt man das im Pädagogen-Jargon. War nicht leicht für mich als Ex-Lehrer, das Buch trotzdem zu lesen, sozusagen eine therapeutische Komponente.

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10 Gedanken zu „Stefan Zweig: Schachnovelle

  1. Simone Spicale

    Das Lila ist cool, ich bin diesbezüglich leider nie über Bleistifte rausgewachsen. Schade eigentlich!

    Vielen Dank für diese schöne, nur dem ersten Anschein nach frühlingsleichte Besprechung. Die Schachnovelle war mein erstes Buch von Stefan Zweig, ich war damals 13. Und ich habe sie genau so in Erinnerung. Und es war genau diese Taschenbuch-Ausgabe!

    Für halbwegs gesunde Menschen ist die vernichtende Depression unvorstellbar. Mir gefällt der Kontrast: Das tieftraurige Lebensthema und das ruhige schöne Bild mit der Blumenwiese.

    Grüße aus Erftstadt!

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Als gebürtiger Erftstädter, der 22 Jahre in der Liblarer Bahnhofstrasse verbracht hat, grüße ich aus Kerpen zurück, wo gerade die gleichen Wolken über den blauen Himmel segeln ….

      Antwort
      1. Simone Spicale

        22 Jahre Bahnhofstrasse! Ich kann immerhin zwölf Jahre Kapellenbusch dagegen halten… 😉

        In einem Paralleluniversum könnten wir quasi Nachbarn sein. Und so trifft man sich im Word Wide Web, das ist schön!!!

      2. emhaeu Autor

        Kapellenbusch – in den 50er Jahren, meiner Kindheit, war da noch wirklich ein Busch und auch eine Kapelle. Der Busch war ein schon damals etwas verwilderter Teil des Schlossparks (der nur einmal jährlich für Normalmenschen geöffnet wurde). Im dem öffentlichen Teil, den wir den „wilden Park“ nannten, haben wir gespielt. Da floss ein Bach durch, „Kaffeebach“ genannt, denn er war braun wie Kaffee – wohl mit irgendwelchen Braunkohlenabwässern angereichert. Und natürlich das Kapellchen: Damals schon eine Ruine, die Gruft der Grafen, ich habe mich nicht reingetraut, man erzählte, im Keller stünden noch die Särge rum … Dann wurden überall Häuser gebaut, der alte Baumbestand sollte erhalten bleiben, aber nach und nach haben die Besitzer fast alle Bäume gefällt. !974 bin ich weggezogen aus „Oberliblar“, 1994 hat meine Mutter das Haus verkauft, —- alles schon verdammt lang her.
        Einen schönen Gruß! Martin

  2. Susanne Haun

    Ich musste sie im Deutschunterricht lesen, die Schachnovelle und ich gestehe, ich habe keine, aber auch wirklich gar keine Erinnerung daran, außer den reinen Tatbestand des „Müssens“. Aber ich habe sie noch irgendwo in meinen Regalen zu stehen, denn ein Buch, was das Gefühl des Müssens hervorruft, kann ich nicht einfach hergeben.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ja, das ist schade, viele Werke werden einem durch dieses „Muss“ verleidet.
      Lohnt sich aber, über diesen Schatten zu springen, die Schule ist ja aus (;–))

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Ich habe gerade nach dem Buch gesucht und es nicht gefunden …. aber bestimmt habe ich es bald entdeckt.
        Einen schönen Montag dir, Grüße von Susanne

      2. emhaeu Autor

        Danke, wünsche auch einen schönen Wochenanfang bei hoffentlich ebenso strahlendem Wetter wie hier! Martin

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