Bernhard Schlink: Liebesfluchten

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Schon wieder ein Buch gelesen. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich mir neuerdings viel Zeit zum Lesen nehme. Die Zeit ist mir sozusagen in den Schoss gefallen, da ich nach einer Leistenbruch-OP viel im Bett liegen musste, nicht immer bestens gelaunt. Möglich, dass sich dieser Zustand auch auf meine Lektüre ausgewirkt hat.

Aber die „Liebesfluchten“ sind nun wirklich ein Buch, mit dem ich mich schwer getan habe. Jetzt bin ich froh, es hinter mich gebracht zu haben.

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Warum? Wo doch das deutsche Feuilleton voll des Lobes war? Und mehr als die Hälfte der Amazon-User 5 Sterne verteilt hat? Klar, die Geschichten, die Schlink in diesem Band versammelt hat, sind stilistisch makellos, die Erzähltechnik virtuos. Obendrein sind sie psychologisch fein durchkonstruiert und spannend. Woran also hapert es?

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Es handelt sich um typische Spät-Gruppe-47-Stories. Engagiert, ausgefeilt, unendlich vernünftig. Ich sehe schon vor meinem inneren Auge all die Tafelbilder, Unterrichtsentwürfe, Arbeitsblätter, Klassen- und Seminararbeiten, in denen die „Liebesfluchten“ nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen werden: Hier die jüdische New Yorkerin, da der junge Deutsche. Thema: Aufarbeitung der Nazizeit. Was sonst. Hier der Wessi, den es in einen Ostberliner Freundeskreis verschlägt. Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit. Klar. Mann trifft auf den Liebhaber seiner verstorbenen Frau. Aufarbeitung von Entfremdung und verdrängten Sehnsüchten. Auch nicht so überraschend. Ein anderer Mann verlässt nach vielen Jahren Ehe seine Frau urplötzlich. Nochmal verdrängte Sehnsüchte.

Mag das lesen und analysieren, wer will. Ich hatte keine Freude daran. Aber so ist das Leben? Laufe ich, wenn ich mich dem nicht aussetzen will, vor den real existierenden zwischenmenschlichen Schrecklichkeiten oder den Abgründen in mir davon?

Ne Leute, die Welt ist schlimm genug. Weiß ich. Aber ich sehe nicht ein, weshalb ich mich damit quälen soll, Geschichten zu lesen, in denen es nichts anderes gibt als Lüge, Selbsttäuschung, Versagen und Verzweiflung, unendlich kalte und hoffnungslose Geschichten, die nur das alte unfromme Lied von der Welt als ausweglosem Jammertal variieren.

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7 Gedanken zu „Bernhard Schlink: Liebesfluchten

  1. Susanne Haun

    Ich habe die Frau an der Tankstelle einmal illustriert, ich fand die Geschichte irgendwie faszinierend. Die Zeichnungen findest du auf meinem Blog…..
    Grüße von Susanne

    Antwort
      1. emhaeu Autor

        … die Geschichte mit der Tankstelle ist ja auch besonders bildkräftig, ein Traumbild, das Wirklichkeit wird – eine feine Vorlage für Deine Zeichnungen! LG Martin

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