Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte

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Da sind die Rezensenten mal wieder begeistert: Wie poetisch, wie bildungsgesättigt, wie virtuos! Nun, die Story lässt sich auf ein paar Sätze reduzieren: Latein-und-Griechisch-Lehrer vögelt mit Biologie-Kollegin. Der Mann dieser Kollegin, ein Sportlehrer und Hobby-Poet, vögelt mit einer superintelligenten Schülerin, dem Schwarm aller Schüler und Lehrer. Dann verprügelt der Sportlehrer den Latein-und-Griechisch-Lehrer mitten auf dem Schulhof, haut mit der Superschülerin im Auto ab, baut einen Unfall, das Mädchen stirbt.

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An all das erinnert sich der Latein-und-Griechisch-Lehrer in Lissabon und auf einer Schiffspassage nach Amazonien, die er mit ein paar anderen Zombies unternimmt. Dass der Erzähler ein Zombie ist, wird schon vorher angedeutet, so richtig erfährt der Leser es aber erst am Schluss.

Die Figuren kommen so klischeemäßig daher wie in einem schlechten Film:  Die Schülerin ist nicht nur perfekt in den alten Sprachen, in Poesie, Musik und Mathematik, sie ist auch wunderschön. Der Altsprachler ist überaus gebildet, lebt mit einer Katze und tausenden von Büchern, natürlich ohne Partner, und ist potthäßlich.

Die Biologie-Kollegin ist superscharf, also kann sie nur rote Haare und grüne Augen haben. Von Poesie und Metaphysik versteht sie nichts, sie ist ja auch Biologie-Lehrerin.

Dem Sportlehrer ist die eigene scharfe Frau nicht scharf genug, weshalb er sich die schärfste Schülerin herauspickt. Ja, so sind sie, die Sportler. Poesiemäßig kriegt er nichts auf die Reihe, na ja, hätte uns bei einem Sportler auch sehr gewundert.

Aufgeblasen wird diese stilistisch recht elaborierte Erzählung durch jede Menge Bildung: Horaz, Ovid, Plato, Homer, Sternbilder, abgelegene Details griechischer Mythologie … kurz, der ganze antike Kram, der mir in Zeiten, wo die Zahl der Menschen, die Platos Phaidon im Original lesen, gegen Null geht, verkommt wie schriftstellerisches Imponiergehabe.

Man sollte sich von dem bildungsbesoffenen Schmarrn nicht blenden lassen. Was bleibt ist eine düstere Geschichte, durchweg in jenem melancholisch-depressiven Ton erzählt, den man in Deutschland für ein Zeichen großer Literatur zu halten scheint.

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4 Gedanken zu „Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte

  1. hereshecome

    Nun: gefällt mir die Rezension oder das Buch? Ich habe mich noch nicht entschieden (weil ich das Buch nicht gelesen habe – und wahrscheinlich auch nicht werde wohl eher die Rezension).

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Schwierige Frage – aber es gibt Leute, denen es gefällt. Jedenfalls stehen bei Amazon etwas 10 positive Rezensionen. Vielleicht hatte ich ja auch nur keine Lust, im Bett liegen zu müssen und zu lesen ….

      Antwort

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