Truman Capote – Die Grasharfe

Ein schönes Beispiel dafür, wie Umschläge Bücher machen. Man sollte nicht meinen, dass sich jeweils der gleiche Text zwischen den Buchdeckeln verbirgt:
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Tatsächlich scheinen mir beide Cover in die Irre zu führen. Es handelt sich weder um eine Liebesgeschichte auf dem Bauernhof, noch um eine kindlich-naive Story, sondern um einen wunderschönen Südstaaten-Roman, eine anrührende Geschichte, die eigentlich viel zu ausgeklinkt ist, um um wahr zu sein: Eine Gruppe von Menschen, die von heute auf morgen in ein altes Baumhaus zieht, dazu eine alleinerziehende Mutter mit 15 Kindern, die ihr Geld mit evangelikalen Erweckungs-Veranstaltungen verdient.  Klingt märchenhaft, ist es aber nicht, sondern realistisch-poetisch. Poetisch, ja heiter im Ton –  und doch wird die Gesellschaft der Südstaaten um 1950 mit all ihren Schwierigkeiten und ihren Beengtheiten realistisch geschildert.

Müsste mal neu ins Deutsche übersetzt werden. Sicher ist es nicht leicht, den Ton zu treffen, den Capote anschlägt, aber dass „Halloween“ mit „Abend vor Allerheiligen“ übersetzt wird, könnte dann doch mal modernisiert werden.  Und der „China Tree“ (Melia azedarach), in dem sich das Baumhaus befindet, hat man bei diesem Namen nicht völlig andere Assoziationen als bei „Paternosterbaum“, wie wir in der Übersetzung lesen? Würde nicht „Chinesischer Holunder“ oder „Persischer Flieder“ viel besser passen? Ein schöner Text jedenfalls, kein Zweifel:

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4 Gedanken zu „Truman Capote – Die Grasharfe

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