Fenster und Vergänglichkeit

IMG_1382Wenn die Sonne scheint, putzt man die Fenster lieber nicht. Alte Hausmenschen-Weiheit. Ich habe es trotzdem gemacht, leider. Denn die Sonnenstrahlen haben es an den Tag gebracht: Die bestens innen und außen gesäuberten Scheiben waren immer noch nicht ganz klar. Zwischen den Isolierscheiben hat sich ein seltsamer Belag gebildet.

Womit wir, trotz des Wetters, das uns vorgaukeln will, der Sommer würde ewig dauern, beim Thema Vergänglichkeit wären. Pünktlich zum Anbruch des Novembers, des Vergänglichkeitsmonats, der mich schon deshalb, weil ich in diesem Monat immer ein Jahr älter werde, an die Zeit erinnert. Und jetzt noch die Fensterscheiben.  Die neuen Fenster, schon sind sie hin. Neu? Na ja, sie werden im Februar ihren 32. Geburtstag feiern, die Fenster. Oh je, schon 32 Jahre ist das her. Jetzt sind die auch schon alt. 30 Jahre, belehrt mich die alleswissende Wikipedia, ist ein hohes Alter für eine Isolierglasscheibe. „O quam cito transit gloria mundi!“ („O wie schnell vergeht die Herrlichkeit der Welt!“) hat Thomas von Kempen im 15. Jahrhundert geschrieben. Und dabei haben Fenster damals noch viele Jahrzehnte gehalten.

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21 Gedanken zu „Fenster und Vergänglichkeit

  1. nurmalich

    Es ist wohl so, dass die Fenster damals lange gehalten haben. Länger als heute. Aber gehalten haben sie damals dann doch die Kälte nicht fern.
    Dafür „halten“ die Menschen heute im Durchschnitt längfer als damals. Wer weiß, ob du wenn du damals gelebt hättest, den Geburtstag erlebt hättest auf den du dich nun nächsten Monat freuen kannst. Oder freust dich etwa nicht?
    🙂

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Da ist natürlich was dran: Ich habe schon ziemlich lange „gehalten“. Meine beiden Großväter und fast alle Ur- und Urur usw. -Väter väterlicherseits haben die 50 nicht überschritten. Insofern ist der Geburtstag dann auch so eine Art Erntedankfest.

      Antwort
  2. Frau Blau

    mein Monitor, noch keine 5 Jahre alt, ist auch schon wieder hin … es wird einfach nichts mehr gebaut, damit es ein Leben lang hält, denn sonst würde die Wirtschaft wohl nicht mehr funktionieren?

    herzliche Abendgrüße
    Ulli
    (nun hinke ich hinterher, aber auch ich habe nix vergessen 😉 )

    Antwort
  3. Karl-Heinz

    Alles ist eben vergaenglich.
    Aber erinnere mich nicht, den ich sollte unsere Fenster auch unbedingt mal wieder putzen, den wenn die Sonne drauf scheint, sieht man, dass es unbedingt mal notwendig wird. Allerdings sind diese Fenster noch nicht ganz so alt wie deine.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      dann werden sie bestimmt noch eine Weile halten. In dem wärmeren Klima bei euch werden die Fenster bestimmt auch nicht so sehr belastet. Schönes Wochenende! Martin

      Antwort
  4. Susanne Haun

    Guten Morgen, Martin!
    Schön, dass du über die Vergänglichkeit schreibst!
    30 Jahre sind gemessen an z.B. einer Gotische Kathedralen auch nicht lang ….
    Ob in Notre Dame noch die original Fenster in der Rosette sind?
    Ich wünsche dir einen schönen Tag,
    Susanne

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Liebe Susanne, das mit den Original-Fenstern weiß ich nicht, aber ich habe mal irgendwo gelesen, dass höchstens 80% der Steine der Kölner romanischen Kirchen noch aus dem Mittelalter stammen. „Wie viele Denkmale gibt es, die über die Jahre fast ihre gesamte originale Bausubstanz verloren haben! Die romanischen Kirchen in Köln beispielsweise wurden fast gänzlich neu aufgebaut“ hat die Landeskonservatorin von Nordrheinwestfalen voriges Jahr gesagt – da ist vieles Illusion …

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Da hast du recht. Und der Besucher ist immer ganz erfürchtig in so alten Gebäuden zu stehen!
        Ich jedenfalls, ich stelle mir vor, wer schon alles über diese Steine gelaufen ist… etc….
        Aber wenn ich mir das Beispiel der Dresdner Frauenkirche vor Augen hole, dann dürfte mir klar sein, dass vieles rekunstruiert wird….

  5. hansekiki

    Solange die Wärmedämmung noch funktioniert, ist es doch egal. Jetzt kommt ja die kalte Jahreszeit, wo du dies ausgiebig testen kannst. Ein schlechter Zeitpunkt…. Halten wird das Glas wahrscheinlich ewig, nur die Funktion ist irgendwann dahin. 😦
    LG kiki

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      huuuuh, bei dem Gedanken zieht es mir schon, ich sitze nämlich an diesem trüben Tag direkt neben einem dieser Fenster am Computer …. einen schönen Feiertag! Martin

      Antwort
  6. juergenkuester

    Vergänglichkeit hin oder her: Hauptsache man behält den Durchblick, denn was kommt, das kommt und bis dahin werden freudig die Fenster geputzt.
    Auf die nächsten Jahre,
    Gruß Juergen

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Oder: solange man noch Fenster putzen kann, ist noch alles in Ordnung … – …. unsere Gegenüber-Nachbarin ist 31 Jahre älter als ich und putzt noch fleißig die Fenster …. daran, die Fenster auch freudig zu putzen, muss ich noch arbeiten!
      Gruß aus Novemberland! Martin

      Antwort
  7. Lakritze

    Wahrscheinlich wäre die Lösung: Buntglas. So Kirchenfenster halten locker mal tausend Jahre, wenn man sie läßt. Man müßte sich nur das Motiv gut übrelegen …

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      … und schön bunt ist das Licht dann drinnen auch – andererseits neigen Kirchen im Winter dazu, saukalt zu sein. Ich war mal zu einem Advents-Gottesdienst im Kölner Dom, da haben mir die Zähne geklappert….

      Antwort

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