Und noch mehr Bücher …

Weil ich mit meinem Guatemala-Reisebericht nicht weiter komme, geht es erst mal weiter mit gelesenen Büchern:ich ich ichVon Robert Gernhardt, dessen Zeichnungen und Verse ich sehr schätze, wollte ich schon immer ein Buch lesen. Zu meinem Erstaunen gibt es eine ganze Menge und etwas ratlos habe ich mich für dieses entschieden, weil ich es antiquarisch günstig bekommen habe.

Eine seltsame Mischung: Erinnerungen an eigene Jugend, Satire auf das Gehabe der deutschen Toscana-Liebhaber, Gedanken über Kunst und den Künstler. Die satirischen Teile lesen sich locker, an den Jugenderinnerungen fand ich interessant, wie Gernhardt beschreibt, dass er nach Italien gereist ist, um zu malen, und dann mit lauter Italien-Klischee-Bildern zurück gekommen ist. Eine Sache, die sich bei hunterttausenden Knipsern und Fotografen millionenmal wiederholt. Sie reisen rund um die Welt, um vor Ort genau die Bilder zu machen, die die anderen schon längst gemacht haben. Was Gernhardt über Kunst&Künstler zu sagen hat, verrät eigentlich schon der Titel: „Ich ich ich“ – er nimmt die Egozentrik der Künstler aufs Korn. Dieses Motiv tauchte übrigens auch immer wieder in Marcel Reich-Ranickis Lebenserinnerungen auf, die ich im vorigen Beitrag vorgestellt habe. Und tatsächlich nimmt Gernhardt auch Bezug auf einen der ganz großen Egomanen unter den bildenden Künstlern, nämlich Paul Gauguin, mit dem sich Mario Vargas Llosas „Das Paradies ist anderswo“ auseinandersetzt, das ich auch gerade ausgelesen habe -Besprechung folgt.

Zur Entspannung dann ein Buch, das mir über den Weg gelaufen ist, wobei ich keine Ahnung hatte, dass es sich um einen großen Bestseller handelt, den alle, die ich darauf angesprochen habe, schon längst gelesen hatten:

buchcoverZu Recht ein Bestseller. Ein Roman, der vergnüglich und entspannend zu lesen ist, obwohl dabei die ganze, oft schreckliche Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgerollt wird. Aber, wie bei einem Schelmenroman üblich, aus einer humoristisch-leichten Perspektive, selbst dann, wenn es um die grausamen „rassenhygienischen“ Experimente in Schweden um 1920 oder um Stalins Gulag geht. Dass auf Amazon 291 Leser diesem Roman nur 1 oder 2 Sterne geben, lässt mich an der Urteils- oder Lesefähigkeit dieser Leute zweifeln. 1452 aber vergeben die vollen 5 Sterne – da schließe ich mich gerne der Mehrheit an!

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6 Gedanken zu „Und noch mehr Bücher …

  1. Karl-Heinz

    Ich lese selten Romane. Meist sind es mehr Sachbuecher – ich glaube, so bezeichnet man sie wohl in Deutsch.
    Im Moment lese ich gerade “ Things that Matter“ von Charles Krauthammer – war/ist in den USA der Bestseller numero uno.
    Bei dem Buch kann man auch mitten drin anfangen, denn es sind alles abgeschlossene Themen. Uebrigens eines der wenigen Buecher, wo ich heute noch ein besseres englischsprachges Woerterbuch brauche, weil mein persoenlicher Wortschatz nicht ausreicht und ich die Bedeutung der Woerter nachschlagen muss. Vielleicht kann ich dadurch meinen Wortschatz erweitern.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Es scheint mir bezeichnend für die Publizistik in Deutschland zu sein, dass von Krauthammer, der vom „Bush Derangement Syndrome“ gesprochen hat, also „the acute onset of paranoia in otherwise normal people in reaction to the policies, the presidency—nay—the very existence of George W. Bush“, nichts ins Deutsche übersetzt worden ist. In Deutschland leiden ja fast alle Publizisten unter dem „Bush Derangement Syndrome“ ….

      Antwort
  2. Susanne Haun

    Hallo, guten Morgen Martin,
    ich habe mir gerade „In Zungen reden“ gekauft.
    Auch ein vergnügliches Buch von Gernhard und passt zum Thema Künstlerviten…..
    LG Susanne

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Wenn es dir gefällt, werde ich „In Zungen reden“ auch mal probieren, die Beschreibung bei Amazon klingt ja gut! Schönen Abend trotz Berliner Kälte! Martin

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Du solltest vorher eine Vita von Vasari lesen … von Cimabue …. ist unterwegs zu dir…… dann wird Gernhardts Buch noch lustiger ..
        Die Deutsche Übersetzung der Vita ist am Ende ….

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