Von Mexiko City nach Flores, Guatemala – eine Busreise (1)

Mexiko City (Foto R. Mecke)

Mexiko City (Foto R. Mecke)

Knall, Rumms, Bums, Zisch. Weghören unmöglich: Zur Unterhaltung der Fahrgäste flimmert ein Spielfilm nach dem anderen über die Monitore. Seit Puebla kämpft Tom Cruise unerschrocken gegen die Bösen oder so. Ich versuche weg zu schauen. Knall, Knatter, Knatter. Gar nicht so einfach, das Wegschauen. Jetzt schaukelt unser ADO-Bus schon seit ein paar Stunden über die wenig befahrene Autobahn 150, aber seitdem die schneebedeckten Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl südlich von Mexiko City aus dem Blickfeld sind, ist die vorbeiziehende Landschaft nicht sehr aufregend.

(Foto Wikipedia)

(Foto Wikipedia)

Ländlich, grün, dünn besiedelt. Ortschaften und Städte tauchen nur selten auf, der Bus hält nirgends, biegt nur einmal ab, um irgendwo noch ein paar Passagiere aufzunehmen. So kommen wir wenigstens ordentlich vorwärts, immer mit 90 km/h, denn schneller dürfen und können die Fahrer der ADO-Busse nicht fahren.Von Mexiko City nach Villahermosa in 11 Stunden. Wir hätten auch einen Inlandsflug nehmen können, aber, haben wir gedacht, da sieht man doch nichts. 11 Stunden Busfahrt für 690 mexikanische Pesos: ein moderner Bus mit Klimaanlage, hohe Sicherheitsstandards, ein guter Preis. Leider ist die Fahrt nicht allzu aufregend, nur das Unterhaltungsprogramm läuft ohne Unterlass. Vor Córdoba geht es in langen Kurven hinab in die Küstenebene, weite Blicke, da lohnt sich der Blick aus dem Fenster.

(Foto R. Mecke)

(Foto R. Mecke)

Die weite Ebene zwischen Córdoba und Coatzacoalcos gleicht einem einzigen Biospärenreservat, Doch auf der Dauer werden auch die endlosen sumpfigen Weiden, die Kühe und Wasservögel langweilig. Die Autobahn – sie heißt jetzt 145D – führt meist schnurstracks gerade aus, im Bordkino geht es um eine Frau, die mit den Toten reden kann.

Der Sonnenuntergang bildet noch mal ein Highlight, kurz hinter Minatitlan überqueren wir den breiten Rio Coatzacoalcos auf einer lang geschwungenen Brücke, in der Ferne kann man den Golf von Mexiko erahnen. Dann nur noch Autobahn, Scheinwerfer, Dunkelheit, Bordkino. Es fängt an zu regnen.

Einfahrt nach Villahermosa (Foto Wikipedia)

Einfahrt nach Villahermosa (Foto Wikipedia)

Wenigstens schön warm ist es, als wir gegen 19:00 Uhr mit unseren Rollenkoffern auf dem Busbahnhof von Villahermosa stehen. Kein schlechter Busbahnhof, in einer Extra-Spur fährt ein Taxi nach dem anderen vor. Wir brauchen auch ein Taxi für die 800 m bis zum Hotel. Das ist zwar nicht weit, aber erstens sind die Koffer schwer und unhandlich und zweitens ist das Zu-Fuß-Gehen hier nicht vorgesehen. Hier fährt jedermann mit dem Taxi. Und weil jedermann mit dem Taxi fahren will, steht am Taxistand eine lange Schlange. Kostet ja nicht viel, das Taxifahren. Im innerstädtischen Verkehr (Villahermosa hat immerhin fast 700.000 Einwohner) gilt ein Einheitspreis, ungefähr so viel wie eine Kurzstreckenfahrt mit der Kölner Straßenbahn. Ein Mann organisiert das ganze und setzt immer mehrere Parteien mit ähnlichem Ziel in ein Taxi. „Ähnliches Ziel“ ist freilich ein weiter Begriff – so lernen wir auch direkt die nicht sehr attraktive Altstadt von Villahermosa kennen, bevor der Taxifahrer nochmals am Busbahnhof vorbei zu unserem Hotel fährt, zum „La Venta“, das, wie sich bald herausstellt, nicht so gut ist, wie die Internetpräsenz es darstellt. Aber nach der langen Busfahrt verspeisen wir nur noch in unserem Hotelzimmer den Rest unseres Bus-Picknicks und schlafen bald ein.

Dierkt an dieser Strasse liegt das "La Venta" (Foto Wikipedia)

Direkt an dieser Strasse liegt das „La Venta“ (Foto Wikipedia)

Blick aus dem Hotelfenster - Handyfoto

Blick aus dem Hotelfenster – Handyfoto

Am nächsten Morgen – ich wusste gar nicht, dass ein Morgen im südlichen Mexiko so grau und düster sein kann – hätten wir eigentlich den Skulpturenpark direkt gegenüber vom Hotel besichtigen müssen. Aber wir haben keine Lust, die sechsspurige Schnellstrasse zu überqueren, um uns die weltberühmten Dickköpfe der Olmeken anzusehen.

olmekenkopf

Olmekenkopf (Foto Wikipedia)

Nach einem ausgiebigen Hotelfrühstück der mexikanischen Art mit Bohnenmus, Rührei und sehr leckeren frischen Früchten lassen wir uns zurück zum Busbahnhof fahren und steigen in den nächsten Bus nach Palenque.

Bei diesem Bus handelt es sich zu unserer Überraschung um einen Kleinbus, ein ordentlicher moderner Bus von ADO, ohne Bordkino aber mit Klimaanlage, der die Strecke in drei Stunden ohne Stopps zurückgelegt hat. Erst die autobahnähnliche 180, dann die schmalere, kurvigere und holperigere 199. Damit die Bewohner der Häuser, die rechts und links unmittelbar an der 180 stehen, auf der Tag und Nacht ein Auto, Bus oder LKW nach dem anderen vorbeidonnert, auf die andere Seite der jeweiligen Siedlung gelangen können, hat der Staat ab und zu Fußgängerbrücken gebaut. Abgesehen davon, dass allmählich immer mehr Häuser und (ärmliche) Strassenrandsiedlungen in Sicht kommen, bietet diese Fahrt die gleichen Highlights wie die vom Vortag: Weiden, Ebenen, Kühe. Nur mehr Hecken und Waldstücke gibt es hier, auch einzelne Palmen mitten auf den Kuhwiesen. In der Ferne tauchen die Chiapas-Berge auf.

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