Werner Sombart: Spätkapitalismus, Planwirtschaft, Nationalsozialimus

SombartIst irgendwie in meinen Bücherschrank geraten, dieses kleine Heft, das einen Vortrag enthält, den Werner Sombart 1932 gehalten hat. Jetzt habe ich es verkauft und vorher gelesen. Nicht uninteressant, das ganze:

(1) Weil man heute, über 80 Jahre später, es leicht hat, amüsiert zu lesen, wie sehr der gelehrte Wirtschaftswissenschaftler mit fast allen seinen Prognosen über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ziemlich bis völlig daneben gelegen hat. Kann jedem eine Warnung sein, der heutzutage darauf vertraut, die Experten wüssten irgendetwas über die zukünftige wirtschaftliche oder politische Entwicklung.

(2)  Sombart war und zeigt sich auch in diesem Buch als Kapitalismus-Kritiker, ein Linker, der sich zwar von Marx verabschiedet hatte, aber nicht von seinen linken Vorstellungen. Konzerne, Freihandel, Banken stehen ganz oben auf seiner Kritikliste. Der wirtschaftsliberale Staat ist ihm ein Gräuel, die Wurzel allen Übels sozusagen. Seine Heilmittel sind die linken Evergreens: Mehr Macht dem Staat, Planwirtschaft bis in alle Details. Dazu eine, heute würde man sagen, typisch „grüne“ Komponente. Er kritisiert hart landwirtschaftliche Großbetriebe und befürwortet ausdrücklich eine „ganz entschiedene“ Siedlungspolitik, also die Rückkehr zu einem „gesunden“ Klein- und Kleinstbauerntum, zur Selbstversorgung. Sein Ziel ist der Umbau, genauer: der Rückbau des Industrielandes Deutschland in ein Agrarland, in dem folglich auch die Mehrheit der Bewohner in der Landwirtschaft tätig sind. Ausgenommen wahrscheinlich – diese polemische Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen – Wirtschaftsprofessoren, denen es sicherlich nicht zuzumuten ist, sich sieben Tage in der Woche um ihre drei Schweine und fünf Ziegen zu kümmern.

Freihandel, heute würde man von Globalisierung sprechen, hält er auch für ein Grundübel. Er plädiert für autarke Staaten, Importe und Exporte sollen auf das nötigste beschränkt werden. An der Stelle dämmert es einem schon, wem Werner Sombart wenig später folgen wird: Denn seine Diagnose und seine Therapie gleichen der der Nationalsozialisten. Diese erwähnt er in seinem Vortrag von 1932 zwar nicht, dafür aber lobt er Mussolinis „dopolavoro“-Bewegung – das Vorbild der nationalsozialistischen „Kraft-Durch-Freude“-Organisation. Es würde zu weit führen, hier auszuführen, wie Sombart dann bald die Nationalsozialisten ausdrücklich begrüßt und unterstützt hat. Ausgewiesener Antisemit – zwar nicht aus rassistischen, sondern aus soziologisch-politischen Gründen (er hielt das Judentum für den Kern des Kapitalismus) – war er sowieso.

So wundert es nicht, dass dieser Vortrag des „Linken“ Werner Sombart über das baldige Ende des Spätkapitalismus (der Begriff stammt von Sombart) noch 1937 zwei mal neu aufgelegt wird.

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2 Gedanken zu „Werner Sombart: Spätkapitalismus, Planwirtschaft, Nationalsozialimus

  1. Karl-Heinz

    Ah, das hoert sich beinahe so an, als ob Obama das Buechlein von Werner Sombart studiert haette. Obama hat auch wirklich keine Ahnung, wenn es zur Wirtschaft kommt und wir unter seinen Fehlentscheidungen leiden.
    LG Karl-Heinz

    Antwort

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