Lotte und Paula oder das Hasenfutter

HasenNachbarn haben zwei Hasen, genauer Häsinnen, genannt Lotte und Paula. Als sie in Urlaub waren, haben wir die Hasen gefüttert.

Kein Problem, denn wir bekamen auch eine Kiste mit Futter und einen Hasen-Speiseplan:

9:00 Uhr

– Frisches Wasser

-frisches Kleintier-Wiesenheu

– ein Salat aus Möhren, Apfel, Paprika, Gurke; alles schälen und in kleine Stücke schneiden

– einige Blätter Blattsalat

18:00 Uhr

– 2 Schälchen Rosenlöcher Hoppel Mobbel Trockenfutter

Für Nicht-Insider: Ja, das gibt es wirklich, das Hoppel Mobbel – Futter der Firma Rosenlöcher. Wer es nicht glaubt, kann sich auf der Website des Unternehmens informieren: http://www.rosenloecher.de/

Dass Hasen und Kaninchen als Kinderspielzeug und zwecks Vergrößerung der Kleinfamilie gehalten werden, weiß nun jeder. Auch als Objekt für Erwachsene, die, was das Lieben und Geliebt-Werden angeht, irgendwo in der Kindheit hängengeblieben sind, eignen sich Tiere zwischen Hase und Katze bekanntlich hervorragend.

Ein völlig verkitschtes Bild von diesen Tieren wird den Kindern sozusagen schon offiziell im Kindergarten vermittelt. Das Ausmal-Bild oben stammt von der Website http://www.schule-und-familie.de … Da nimmt es nicht Wunder, wenn ein Hasenfutter „Hoppel Mobbel“ heißt. Das ist offenbar nicht nur kindgerecht, sondern auch erwachsenengerecht.

Was aber selten bedacht wird, ist der Umgang mit Lebensmitteln. Dabei scheint mir das „Hoppel Mobbel“-Futter noch harmlos: Weizen, Pellets, Hafer, Mais, Maiskroketten, Johannisbrot, Maisflocken, Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Karottenwürfel, Weizenflocken sind drin, ein Zusatz von Vitamin C darf nicht fehlen. Hier hat die Futtermittelindustrie wenigstens die Möglichkeit, billig eingekaufte und nicht unbedingt hochwertige Getreidesorten nutzbringend zu verwerten.

Problematischer erscheint mir der Hasen-„Salat“. Früher gab man den Kaninchen, die im Käfig saßen, um irgendwann zur Ernährung der Familie beizutragen, Küchenabfälle zu fressen, z. B. die Möhrenschalen. Heute wird die Möhre für die Hasen geschält, die Schalen kommen in den Müll und der Hase irgendwann ebenso, denn geschlachtet und gegessen werden solche Tiere wie selbstverständlich nicht. Was mir bei Vegetariern einleuchtet, bei Leuten, die keinen Tag ohne Fleisch und Wurst verbringen, allerdings nicht.

Dass die Heimtiere Lebensmittel bekommen, die für den menschlichen Konsum bestimmt sind, scheint irgendwie normal zu sein: Salatherzen aus holländischen Treibhäusern, Gurken aus südspanischem Treibhausanbau, Paprika aus Israel oder auch aus Spanien, Äpfel aus deutschem Anbau, die monatelang in Kühlhäusern unter Spezialatmosphäre frisch gehalten werden, Bio-Möhren aus Israel. Alles für die süßen Häslein, die bei diesem Futter natürlich begeistert sind und wenigstens beim Fressen vergessen, dass es nicht so besonders der Hasenart entspricht, ihr Leben in einem kleinen Gehege zu verbringen und ab und zu von den Kindern gestreichelt zu werden.

 

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