Unsere Streuobstwiese (Asturische Lernprozesse 2)

DSC06205Auf eine Wiese, das stand für uns als frischgebackene Wiesenbesitzer fest, auf eine Wiese gehören ein paar Bäume. Streuobst und so.

Wir pflanzten also 6 Apfelbäume, 1 Feige, 1 Pfirsichbaum, 1 Pflaume und 1 Zierpflaume mit roten Blättern. Außerdem, Asturien liegt schließlich im Süden, 1 Zitronenbaum, 1 Palme und 1 Kaktus. Abgerundet wurde das Ganze durch eine Brombeerhecke und einen Weinstock.

Der Nachbar meinte, Äpfel würden wir hier nicht viele ernten, Pfirsiche und Zitronen schon mal gar nicht. Irgendwie, das war klar, passte ihm unsere Pflanzaktion nicht. Warum nur wollte er unsere Streuobstwiese madig machen? Nur bei den Brombeeren, da wurde er richtig böse. Er hätte seine liebe Mühe und Not mit dem Zeugs und wir würden noch mehr von diesem Stachelgestrüpp einschleppen! Mitten auf der Wiese! Er schüttelte den Kopf, wir kamen zu dem Schluss, dass er offenbar keine Brombeermarmelade mochte, was er auch sofort bestätigte. Marmelade esse er nicht. Nie.

Die Brombeeren schlugen gut an, die Bäume auch, sogar das Zitronenbäumchen. Nur die Palme wurde schon bald von Ziegen stark angeknabbert, erholte sich im folgenden Sommer aber dank eines Käfigs aus Maschendraht ganz gut.

Im zweiten Winter wurde die Palme wieder Opfer der Ziegen, die sich einen Weg gebahnt hatten, ein Schlag, von dem sie sich nie mehr erholen sollte. Das Zitronenbäumchen erfror fast vollständig. Ein halber Meter Schnee fiel. So viel Schnee an der vom Golfstrom verwöhnten Atlantikküste?

Nun ja, an der Küste hatte es ja auch nicht geschneit, in dem 10 km von der Küste und unserer Wiese entfernten Bergdorf, wo wir reife Zitronen und Bananen gesehen hatten, auch nicht. Das Dorf liegt auf 300 Meter Höhe, unsere Wiese auf 580 Meter – diese läppischen 280 Meter können doch nicht so viel ausmachen! Dachten wir. Können sie aber.

Im Frühjahr traf die Pflaumen- und Pfirsichblüte auf den eiskalten Bergwind. Die Ernte fiel aus, nur ein paar Äpfel waren dran, die, als wir im Herbst wieder kamen, die Vögel gefressen oder angepickt hatten. Die Feigen sehen schön aus, waren aber im Oktober noch nicht reif.

DSC06206

Im nächsten Jahr mussten wir Palme und Zitronenbäumchen aufgeben, für den Weinstock suchten wir ein wärmeres Plätzchen. Am besten gedieh die Brombeerhecke. Selbst die Ziegen mochten offenbar keine Brombeerblätter. Einmal haben wir sogar drei Gläser Marmelade gekocht. Irgendwann aber haben wir eingesehen, dass das üppige Wachstum der Brombeerhecke in keinem Verhältnis zum Ertrag an Früchten stand. Die Ranken überwucherten unseren Wohnwagen und bahnten sich durch Ritzen den Weg ins Wohnwageninnere. Nicht ohne Mühe entfernten wir das stachlige Zeugs nebst den zahlreichen Ablegern, was der Nachbar zufrieden zur Kenntnis nahm.

Inzwischen begriffen wir auch, weshalb Bäume auf der Wiese stören. Bei der Heuernte sind sie im Weg. Bald wurden es auch weniger. Ein Apfelbaum wollte nicht recht wachsen, zwei weitere trugen nur kleine, bittere Früchte und wuchsen nur ein paar Zentimeter im Jahr. An sich kein Problem. Aber Bäume auf einer Wiese, auf der auch Kühe weiden, müssen eine gewisse Höhe haben, denn alles, was Kuh erreichen kann, wird abgefressen.

Nach den mickernden Apfelbäumen kam der Pfirsichbaum dran, der zwar meist viele Früchte trug, aber nur kleine, bittere, die niemand mochte. Der Kaktus erreichte ungeahnte Ausmaße und vermehrte sich zahlreich. Musste entfernt werden, weil sich die Kühe an den Stacheln verletzen. Gerade habe ich die Zierpflaume gefällt. Was soll eine rotblättrige Zierpflaume im grünen Asturien?

Drei Apfelbäume und die Pflaume sind noch übrig, auch die Feige, weil die Blätter so dekorativ sind. Dieses Jahr im Frühjahr ist es mal wieder kalt gewesen, die Apfelernte entsprechend gering:

Die halbe Apfelernte 2014 - die andere Hälfte ist ins hohe Gras gekullert und ich habe die Äpfel nicht mehr gefunden

Die halbe Apfelernte 2014 – die andere Hälfte ist ins hohe Gras gekullert und ich habe die Äpfel nicht mehr gefunden


Eine Bergwiese, wir haben es eingesehen, ist kein Designobjekt für Städter, eine Bergwiese gehört den Kühen. Und deshalb gehört auf eine Bergwiese Gras, nichts als fettes Gras. Und wenn die Heuernte gut ausfällt und die Kühe satt auf der Wiese liegen und zufrieden wiederkäuen, ist auch der Nachbar zufrieden.
Ach, übrigens, der Nachbar: Im Frühjahr hat er doch tatsächlich 12 Apfelbäume auf eine seiner Wiesen gepflanzt und mit einem Elektrodraht gegen Ziegen und Rehe umgeben. Er baucht Äpfel, weil ihm der hausgemachte Cidre so gut schmeckt. Diese Wiese liegt 100 Höhenmeter tiefer. Da ist schon ein ganz anderes Klima, sagt er. Vamos a ver – wir werden sehen.

 

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6 Gedanken zu „Unsere Streuobstwiese (Asturische Lernprozesse 2)

  1. Pit

    Hallo Martin,
    ja, ein paar hundert Hoehenmeter koennen schon etwas ausmachen. Deswegen sind wir ja nach Fredericksburg gezogen, aus dem „Tiefland“ von Karnes City.
    Bei uns sind es nicht die Kuehe, sondern die Rehe, die Alles [na ja, fast Alles] anknabbern. Und mit der Behinderung des Maehens durch baeume: davon kann ich auch ein Lied singen. Aber wir wollen trotzdem retten was zu retten ist, und auch noch neue pflanzen.
    Ein schoenes Wochenende noch, und bis bald,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Rehe, lieber Pit, und Wildschweine übrigens auch, gibt es da oben einige, die habe ich ganz vergessen zu erwähnen. Weil wir längst nicht immer da sind, wissen wir ja gar nicht, wer gerade rumgeknabbert hat!

      Antwort
  2. puzzleblume

    Nachbarn, die immer im Vorhinein alles besser wissen, können einen aber auch zu Trotz veranlassen! Ich hätte es sicher auch dennoch probiert. Nur so kann man sich nachher auch mit dem Misserfolg zufrieden geben.

    Antwort

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