Und dahinten beginnt der Tagebau (8)

IMG_0474Autobahn, Kohlebahn und, nicht sichtbar, die Bahnstrecke mit Hochgeschwindigkeitstrasse: Direkt an unserem Dorf braust ganz schön was vorbei. Direkt neben der dreifachen Verkehrsachse eine Solaranlage. Dahinter wird irgendwann einmal der Tagebau sein.

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Ganz schön groß, die Solaranlage: 16.000 Quadratmeter, um diese Panels auf Einfamilien-Hausdächer zu verteilen, bräuchte man 600 Hausdächer. Mindestens.

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Gebaut hat die Anlage RWE, die Hälfte des Geldes, verrät das Schild, haben Bürger gegeben, die andere Hälfte wahrscheinlich RWE selbst.  Warum tun die das? Um hier, am Rande des Tagebaus, ihr Image zu verbessern, um deutlich zu machen: Sehr her, wir gehören doch auch zu den Guten? Das hat sicherlich auch eine Rolle gespielt, tatsächlich aber können die Leute ganz einfach gut rechnen.

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Ich habe mir mal die Mühe gemacht, nachzurechnen, ob die Angaben stimmen: „2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr“ – das ist durchaus realistisch, wenn man sich ansieht, welchen Jahresertrag andere Photovoltaik-Anlagen hier in der Gegend haben. Vergessen hat man nur den Hinweis, dass es sich dabei um einen durchschnittlichen Ertrag handelt, denn in schlechten Sonnenjahren können es auch mal 20% weniger sein, in guten mehr. 2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr reichen für über 500 Haushalte, also für ein Drittel unseres Dorfes, wenn man mal Läden, Gewerbebetriebe, Behörden, Straßenbeleuchtung etc. unter den Tisch fallen lässt.

Und doch führen die Angaben in die Irre. RWE übernimmt die Taktik der Hersteller von solchen Anlagen: Man geht von Jahres-Durchschnittswerten aus. Das ist nicht gelogen. Aber tatsächlich versorgt die riesige Anlage keinen einzigen Haushalt mit Strom. Nicht einen. Dem Normal-Sterblichen mag das nicht weiter auffallen, aber die Techniker bei RWE (ich kenne einen) sind Leute, die sich auskennen mit solchen Sachen. Korrekt, meinte mein RWE-Bekannter, müsste etwa folgendes auf dem Schild stehen: Diese Anlage produziert nach dem Zufallsprinzip Strom, Gleichstrom, der mit erheblichen Verlusten in Wechselstrom umgewandelt wird, um dann ins Netz eingespeist zu werden. Dort wird dieser Strom mal gebraucht, mal nicht gebraucht. Eigentlich wird er nie gebraucht, weil die anderen Anlagen schon laufen. Das ist kein Problem, denn meist liefert die Anlage ja gar keinen Strom, im Winter oft tagelang nichts. Im Sommer bestenfalls 60% der Tagesstunden.

Das ist, um mal ein Bild zu gebrauchen, so:

Auf einem Bahnhof steht ein Schild: „Hier werden Jährlich 10.000 Passagiere befördert.“ Toll, denkt sich der Reisende. Nach einem Fahrplan sucht er aber vergebens. „Meist kommt mittags ein Zug, können auch mal zwei sein“, meint der Stationsvorsteher, „im Winter kommen selten Züge, aber im Sommer, da geht es richtig ab, da fährt einer nach dem anderen.“ Und als der Reisende fragt, wie er denn zu seinem Ziel kommen solle, erhält er die Auskunft: „Kein Problem, da stehen doch Tag und Nacht eine Menge Taxis mit laufenden Motoren, die bringen Sie sofort überall hin.“

Und trotzdem rechnet sich die Investition für RWE? Aber sicher!

(wird fortgesetzt)

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6 Gedanken zu „Und dahinten beginnt der Tagebau (8)

      1. docugraphy

        Ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Die Salzberge in Osthessen fand ich allerdings schon immer recht ästhetisch, egal von welchem Punkt aus betrachtet. Das ist natürlich beim Tagebau nicht ganz so…

      2. emhaeu Autor

        Ich würde es ja mal probieren, aber man darf ja nicht mehr so nah ran an den Tagebau, dass man überhaupt fotografieren könne. Hätte ich früher machen sollen, in den 90er Jahren gab es weder Zaun noch Sicherheitsdienst. Sonst hätte ich bestimmt superästhetische Tagebau-Sonnenuntergangs-Bilder gemacht (;-)

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