Besinnliches zur besinnlichen Weihnachtszeit

Besinnliche Weihnachtsmärkte, besinnliche Konzerte, besinnliches Treffen bei Kaffee und Kuchen. In der Vorweihnachtszeit gibt es nichts, was nicht besinnlich wäre.

Keine Angst: Ich will nicht behaupten, das alles sei nicht besinnlich. Und ich bin der letzte, der etwas dagegen hat, wenn Menschen sich besinnen. Aber kann mir jemand sagen, wieso gerade die Vorweihnachtszeit als die hohe Zeit der Besinnlichkeit gilt? Ich weiß es wirklich nicht.

An der Religion jedenfalls liegt es nicht. Die liturgischen Texte in den christlichen Gottesdiensten in diesen Wochen beschäftigen sich zuerst mit der Vergänglichkeit (des Menschen, der Erde, des Kosmos) und dann mit der Vorfreude auf das Freudenfest Weihnachten. Die Farbe Rot findet man in dieser Zeit in den Kirchen übrigens genau so wenig wie einen besonderen Lichterglanz – die liturgischen Farben sind violett und weiß, nicht rot.

Woher kommt die Besinnlichkeit? Johann Sebastian Bach fand offenbar Weihnachten so wenig besinnlich wie die Mittelamerikaner, die am Heiligabend so laut herumböllern und krachen, dass man die Kirchenglocken nicht mehr hört. Bach schienen Pauken und Trompeten die angemessenen Instrumente zu sein:

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8 Gedanken zu „Besinnliches zur besinnlichen Weihnachtszeit

    1. emhaeu Autor

      … sozusagen viel tiefer verwurzelt als die Religion – kann gut sein – vielleicht will sich deswegen, wenn man im Dezember in Argentinien ist, auch so gar nichts vom „Weihnachtsgefühl“ einstellen.

      Antwort
  1. Dina

    Klasse. Bach hören wir gerne. Ende August laufen die ersten Schokoladen-Nikoläuse bei Aldi und Lidl ein. Kurze Zeit später stapeln sich die Bach-CDs in Buchhandlungen und Musikläden. Bach ist Weihnachtsmusik, nicht nur in Deutschland, auch in Norwegen sind die Bach Chöre im Dezember und Januar ausgebucht, warum eigentlich? Warum hören wir lieber Bach als Mozart und Beethoven gerade in der Weihnachtszeit?

    Lieber Martin, dir und Roswitha wünschen wir ein frohes Fest im neuen Zuhause und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Hanne und Klausbernd

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Die großen Oratorien von Bach höre ich gar nicht so gerne, nur Kalviermusik oder Lautenmusik von Bach, gespielt von Julian Bream – das ist im Moment mein Favorit – das ganze Jahr über.

      Schöne Weihnachten und sonstige Zeit Euch beiden!
      Martin

      Antwort
  2. mickzwo

    Es ist m.E. relativ einfach zu erklären, und hat mit dem Christentum erstmal nichts zu tun. Ich glaube auch, dass es an der Dunkelheit der Jahrezeit liegt. Menschen haben zu allen Zeiten die Kraft des Lichts gesprührt und verehrt. Sogar in Ägypten – das ja auch noch zur nödlichen Erd-Halbkugel gehört. Das Christentum hat sich dieses zu Nutze gemacht.
    Die Besinnlichkeit auf den Weihnachtsmärkten hat immer auch etwas unterschwellig Krawalliges. Man will ja Feiern und Platzen vor Freude – Freude darüber, dass die Dunkelheit bald ihr Ende hat. Der 21. Dezember ist wohl die längste Nacht des Jahres. Der Bach, das war ein Mensch des Barocks, da war das alles unmittelbarer – die heidnischen Bräuche waren langst nicht überall besiegt und man wollte die Errungensachften der Musik einfach austesten. Das finde ich wunderbar.

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  3. puzzleblume

    In Bayern schlagen einem die Medien den Begriff „die stade Zeit“ (stad = still) um die Ohren. Dabei wirkt gerade diese Vorweihnachtszeit getriebener und angespannter als der Rest des Jahres.
    Nur in der Natur ist es still und besinnlich, wirken die braungrünen Felder und Bäume unter grauem Himmel sowie die frühe und lange Dunkelheit nur auf die Menschen, die sich der Stadt und dem Deko-Lichtertum weit genug entziehen können.
    Ansonsten würde ich in der Vorweihnachtszeit eher vom Konsumrausch bis zur Besinnungslosigkeit sprechen.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich hab noch nichts gekauft, bin also noch bei Besinnung 😉
      Danke für den hinweis auf die Natur. Heute mit Hund gegen Wind und Regen war allerdings auch nicht die rechte Zeit zur Naturbesinnlichkeitsbetrachtung …

      Antwort

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