Festmenü

Eine Bekannte erzählt mir stolz, sie habe heute morgen im Fitness-Studio „500 Kalorien vernichtet“

Roberto Bompiani (1821 - 1908): Das Gelage - hängt im Getty-Museum

Roberto Bompiani (1821 – 1908): Das Gelage – hängt im Getty-Museum

Als einprägsames Beispiel für spätrömische Dekadenz erzählte uns unser Lateinlehrer, die Römer hätten bei großen Gelagen sich mit einer Pfauenfeder gekitzelt, um sich zu übergeben, damit sie danach noch mehr essen können („sie erbrechen, um zu essen, und essen, um zu erbrechen“  Seneca, Trostschrift an seine Mutter Helvia 10,3).

Vielleicht kann mir jemand erklären, wo – abgesehen von der Methode – der Unterschied liegt.

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7 Gedanken zu „Festmenü

  1. Pit

    Lieber Martin,
    genusssüchtig wie ich nun einmal bin ziehe ich den doppelten Genuss vor: erst fressen und mich dann eben nicht abstrampeln. 😉 Und erbrechen?! Igitt! 😉
    Aber ernsthaft: in gewisser Hinsicht hast Du recht: leider ist auch die Weihnachtszeit viel zu der dem Fraß und der Völlerei gewidmet.
    Liebe Grüße,
    Pit

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  2. Wolfgang

    Der Unterschied liegt wohl auch darin, dass das Kitzeln weniger anstrengend ist als die Körperarbeit im Fitnessstudio oder sonstigen körperlichen Aktivitäten. Aber die Gaumenkitzelei führten auch bei uns die Ritter fort. Festgeschnallt im Stuhl, zum Fenster geschoben und ab ging es in den Burggraben. Prost und Mahlzeit. 🙂

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    1. emhaeu Autor

      Das von den Rittern wusste ich noch nicht. Aber man sieht daran mal wieder, dass die Germanen nicht so zivilisiert waren wir die Römer – denn die Römer mit Geld hatten für dem Zweck des Erbrechens einen eigenen Raum, das Vomitorium. Das Dumme an der Geschichte von den zivilisiert sich erbrechenden Römern ist nur, dass sie mit einiger Sicherheit frei erfunden ist. Archäologen haben noch in keinem römischen Haus so ein Vomitorium finden können …

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  3. khecke

    Haetten die Roemer schon das Internet gehabt, dann haetten sie wahrscheinlich eine andere Unterhaltung gehabt und haetten nicht so viel gefressen.
    Gruss Karl-Heinz

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    1. emhaeu Autor

      Das glaube ich nicht, denn allzu viel Bewegung hat man auch vor dem Fernseher oder dem Internet nicht; der Appetit auf leckere Sachen dürfte sich aber in den letzten 2000 Jahren nicht verändert haben.

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  4. puzzleblume

    Den Unterschied zwischen Anorexie und Bulimie habe ich zwar auch nicht sofort verstanden, aber hier handelt es sich nur um eine der beiden Arten gestörten Essverhaltens: Seneca beschreibt wohlstandbegründetes bulimisches Verhalten mit einem rhetorischen Stilmittel, einer Emphase oder einem Tropus, vielleicht?

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    1. emhaeu Autor

      An Essstörungen im medizinischen Sinne habe ich gar nicht gedacht, eher an das wohlstandbegründete Verhalten. Seneca ist übrigens nicht der einzige antike Autor, der die Sitte des Erbrechens beschreibt, aber der einzige, der sie kritisiert. Für die Allgemeinheit gehörte das dazu wie das Rülpsen …

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