1000 Tonnen Kohlendioxid (Tagebau 11)

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Im Kerpener Rathaus hängt eine Tafel, die Auskunft über die städtische Photovoltaikanlage gibt. Weil ich eine Weile warten muss, schaue ich mir das Ding an. Ein sonniger Wintertag, der Ertrag ist nicht schlecht. Aber was ist mit den CO2-Emissionen? Fällt eigentlich niemand auf, dass die Angabe nichts aussagt?  Die Frage ist doch, im Vergleich zu welcher Methode der Stromproduktion mit dieser Solar-Anlage CO2 gespart worden ist – im Vergleich zu einem Gaskraftwerk? Einem Braunkohlekraftwerk? Einer Faulgasanlage (neuerdings spricht man von Bio-Gas, hört sich besser an) oder einem Kernkraftwerk oder einem Mix, aber wenn ja, welch ein Mix? Und dann: In welchem Zeitraum? Tag, Monat aktuelles Jahr, seit der Inbetriebnahme – und wenn ja, wann war die Inbetreibnahme, eine Angabe, ohne die auch die Anzeige des „Solaren Gesamtertrags“ recht sinnlos ist.

Da ist RWE bei seiner Solaranlage, an der ich immer mit dem Hund vorbei gehe, schon genauer: IMG_0482

„1000 to Kohlendioxid im Vergleich zu fossilen Quellen“, pro Jahr vermutlich. 1000 Tonnen im Vergleich zu einem – wiederum fehlt die genaue Angabe – Mix aus Kohle- , Gas und Ölkraftwerken.

1000 Tonnen – ist das viel? Schaue ich nach links, braust der unablässige Fahrzeugstrom auf der A4 vorbei —

Wie viele Fahrzeuge pro Tag mögen das sein? Zum Glück gibt es die Bundesanstalt für Straßenwesen, die überall in Deutschland automatische Messstellen aufgestellt hat, die rund um die Uhr die Autos zählen. Alleine zwischen Köln und Aachen stehen an der A4 drei solcher Zählstellen, von denen ich bisher noch nichts wusste. Ob die getarnt sind? Es handelt sich jedenfalls nach diesen Zählungen um etwa 100.000 Fahrzeuge täglich pro Richtung, also insgesamt 200.000 Fahrzeuge täglich. Pro gefahrenen Kilometer stoßen diese Fahrzeuge im Schnitt 200 gr CO2 aus, auf der Strecke von Köln nach Aachen (80 km) also 16 kg. Macht bei 200.000 Fahrzeugen täglich 3200 Tonnen CO2. Täglich! Täglich also mehr als das Dreifache von dem, was die 17.000 m2 zu meiner Rechten im Jahr einsparen.

Schaue ich nach oben, sehe ich ein Passagierflugzeug. Wieviel CO2 mag das Flugzeug in die Luft pusten? Frankfurt – New York und zurück? Schwer rauszubekommen, die verschiedenen Webseiten, die eine Art „Ablass-Handel“ für Leute, die im Fluge klima-sündigen, anbieten, kommen auf erstaunlich unterschiedliche Werte. Ich will jetzt nicht verraten, bei welchem Ablass-Händler das Sündigen am billigsten ist, statt dessen glaube ich einfach mal der Lufthansa: Etwa 4 Tonnen CO2 pro Passagier im Airbus 380. Ein voller Airbus? Nehmen wir das mal an, dann wären das bei 580 Passagieren 2320 Tonnen CO2 – ein Atlantikflug belastet die Atmosphäre also mehr, als die 17.000 m2 große Solaranlage neben mir die Atmosphäre im Jahr (!) entlastet.

Rechenaufgabe: Wie viel Quadratmeter Photovoltaik-Anlagen müssten in Deutschland gebaut werden, um auch nur die CO2 Belastung auszugleichen, die durch die Flugzeuge entsteht, die von Flughäfen in Deutschland starten? 2010 sind übrigens 4,1 Millionen Flugzeuge von Deutschland aus gestartet, Passagierflüge, dazu noch 1,5 Millionen Frachtmaschinen und die vom statistischen Bundesamt schamvoll verschwiegenen Militärmaschinen. — Da dürfte die Fläche Deutschlands nicht reichen.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich mir der Gedanke auf, dass all die schönen Photovoltaik-Anlagen nur eine Public-Relation-Kampagne sind: Schaut her, wir tun was für’s Klima!

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Ein Gedanke zu „1000 Tonnen Kohlendioxid (Tagebau 11)

  1. Susanne Haun

    Das mag sein, Martin! Vielleicht ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber stetiger Tropfen hölt den Stein.
    Es mag ein wenig von beidem sein, Public-Relation und der Versuch, etwas gegen das CO2 zu unternehmen.

    Antwort

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