Jäger, Sammler, Gemüsebauern (1)


Seit 2014 bin ich nur noch Sammler. Die Viehzucht habe ich schon 1986 aufgegeben, als das letzte Huhn in den Kochtopf gewandert ist und von da aus in die Mülltonne, weil es nicht geschmeckt hat.

Den Umzug ins neue Haus habe ich damit verbunden, den Gemüsebau aufzugeben. Keine Kartoffeln, keine Bohnen, kein Mangold. Statt dessen die – menschheitsgeschichtlich gesehen – Regression zum Sammler. Nicht zum Jäger und Sammler, denn mit dem Jagen ist es auch nicht mehr weit her.

Die Kaninchen im Garten hat der Hund verjagt. Eine Jagdwaffe besitze ich nicht. Der spärliche Rest der Jagdleidenschaft, der noch mein Vater gefrönt hat, ist das Fallenstellen. Igitt, sagt der Jäger, der den offenen Schuss dem hinterhältigen Fallenstellen allemal vorzieht. Igitt.

Aber ich bin halt falsch sozialisiert worden. Hatte mein Vater schon in seiner Jugend ein Luftgewehr, mit dem er Spatzen und sonstige Vögel erlegte, so wurde ich mit Pfeil und Bogen abgespeist. Mit einem Bogen, der zum Schießen völlig ungeeignet war.

ich-indianer

Das einzige, was mir mein Vater jagdmäßig hinterlassen hat, ist ein seltsames Messer, sein Jagdmesser, wenn ich mich recht erinnere.

IMG_0715

Das Bild mit dem röhrenden Hirsch, das er trotz heftigen Protestes meiner Mutter in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer hängen hatte, hat meine Schwester geerbt.

Und die uralte Kunst des Fallenstellens übe ich auch nur auf völlig degeneriertem Niveau aus. Ich fange Mäuse, was gar nicht so einfach ist. Aber ich habe eine spezielle Methode entwickelt, zu deren Kern die Verwendung von Schokolade als Köder gehört. So bin ich durchaus erfolgreich, eine Maus nach der anderen wandert in die Bio-Tonne.

(Fortsetzung folgt)

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13 Gedanken zu „Jäger, Sammler, Gemüsebauern (1)

  1. puzzleblume

    Ihr habt eine lebhafte Mäusepopulation unter eurem Dach?

    Die Häuptlingshaube sieht auch aus wie selbstgebastelt, und der Bogen auch: von einem Kälberstrick als Sehne war wohl leider nicht viel zu erwarten. Hatte der Pfeil eine leere Patronenhülse als Spitze? Ich glaube, so etwas hatten wir auch daheim.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Nicht unter dem Dach, sondern im Keller. Die kommen von draußen, es handelt sich zum größten Teil wohl um Feldmäuse, die auf dem Grundstück am Feldrand wohnen. Vielleicht war hier dieses Jahr auch ein „Mäusejahr“ — ?? — Eine leere Patronenhülse? Glaube ich nicht, die Spitzen habe ich mit dem Taschenmesser geschnitzt – machen die Indianer doch auch so!

      Antwort
      1. puzzleblume

        Das vergangene Jahr war laut Bongos Mäusesprung-Häufigkeit im Gegensatz zu 2013 ein normales bis gutes Mäusejahr. Verschiedene Mäusearten versuchen den Winter im Warmen zu verbringen, auch die niedlichen Brandmäuse mit dem Aalstrich auf dem Rücken versuchen dann ihr Glück an Kellerfenstern, das Phänomen hatten wir sogar in dem von Mauern umgebenen Garten in Neusiedl. Insektengitter hilft. Gibt es auch von der Rolle. Nicht das Gardinenzeug, Edelstahl ud Fiberglas von der Rolle gibt es auch.

        Ich glaube, die Patronenhülsen waren eine eigentlich verbotene Idee meins Bruders und seiner Freunde. Das Gewicht war besser. Habs auch probiert.

  2. Ulli

    jetzt bin ich natürlich neugierig geworden was du denn sammelst: Bucheckern für den Muckefuck oder Kräuter für den Tee oder Geschichten dir und uns zur Erbauung? geduldig werde ich auf die Antwort oder die Fortsetzung warten …
    dein Kinderbild ist klasse, wer hat denn bei euch fotografiert, auch dein Vater?

    liebe Grüsse
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Bucheckern, da liegst du schon mal gar nicht so falsch – aber mehr wird noch nicht verraten. – Fotografiert? Ich glaube, mein Vater hat nie ein Bild gemacht, weil er immer verwackelt hat. Fotografiert hat immer meine Mutter. Einen schönen Gruß in den Süden! MArtin

      Antwort
      1. Ulli

        deine Mutter hatte einen tollen Blick … danke für die Aufklärung 🙂 auf alles andere warte ich janz jeduldisch, nä?!

  3. Pit

    Hallo Martin,
    so einen untauglichen Bogen hatte ich auch einmal. Wenn man sie Sehne zu sehr anzog, brach der Bogen.
    Das mit der Schokolade zum Mäuseködern muss ich auch mal – in unserem alten Haus in Karnes City – probieren. Da haben wir nämlich durchaus damit zu tun. Besonders, seit wir nicht mehr da wohnen und die Katzen mit nach hier genommen haben. Bisher haben wir „sticky mousetraps“ aufgestellt. Da kleben die Mäuse drauf fest, wenn sie drüber laufen. Aber ein Köder darauf hilft, habe ich festgestellt.
    Liebe Grüße, und weiter viel Spass beim Sammeln und viel Erfolg auf der Mäusejagd,
    Pit

    Antwort
      1. Pit

        Danke für den Tipp. Vielleicht sollten wir ja auch einfach unsere Katzen wieder zurückschicken. Die können ja schließlich ihren Lebensunterhalt auch selber verdienen! 😉

  4. juergenkuester

    Hallo Martin!
    Du tust mir richtig leid: falsch sozialisiert zum Sammler. Ich habe herzhaft gelacht. Dieser Artikel ist Dir echt gut gelungen, köstlich. Und das Photo ist ein echter Kracher – fehlt eigentlich nur noch die kurze Lederhose. Mach bloß weiter so. Und für den röhrenden Hirsch lässt sich doch sicherlich Ersatz beschaffen. Ich halte die Augen offen.
    LG Juergen

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      … eine kurze Lederhose hatte ich auch, ich glaube, um 1957 hatte jeder Junge so ein modisches Ding – es gibt aber leider kein Bild von mir mit dieser Hose ….
      Einen schönen Gruß!
      Martin

      Antwort
  5. wholelottarosie

    Lach*…auch wir krochen damals in den Hühnerställen herum, um schöne, möglichst lange Federn aufzusammeln, die dann zu einem höchst spektakulären Indiander-Kopfputz umfunktioniert werden sollten. Leider mussten wir Squaws dabei immer zurückstecken – denn wir durften nur eine einzige Feder hinten an unserem Sirnband tragen. Glücklicherweise bekam ich dann zum Geburtstag einen Perlenbastelkasten – daraus fädelte ich mir ein chices Stirnband, aus dem aber leider die Feder immer wieder herausfiel…..smile*.
    LG von Rosie

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Obwohl wir damals an die 100 Hühner hatten, sind das keine Hühnerfedern – wir hatten immer nur weiße Hühner. Die Federn hat mein Vater irgendwo aufgetrieben, sie sind von einem Fasan oder so was – war ich mächtig stolz drauf! LG Martin

      Antwort

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