Der Narr in Christo Emanuel Quint

Ein einem der vorigen Post habe ich schon erwähnt, dass ich derzeit „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ von Gerhard Hauptmann lese, und zwar in der „Volksausgabe“ von 1910, die irgendwieirgendwann mal in meinen Besitz gekommen ist.

Der Roman – Hauptmanns erster – ist damals viel gelesen worden, heute aber ziemlich vergessen, was sicherlich auch an der Sprache liegt. Der Künstler Heinrich Ehmsen, der auch ziemlich vergessen ist – hat den Roman illustriert, hier ein Beispiel:

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Der Held, eben der „Narr in Christo“, ist ein – heute würde man vielleicht sagen – „Erleuchteter“. Ein völlig ungebildeter Mann, der irgendwann eine Kette von Erlebnissen gehabt hat, die dazu führen, dass er sich als völlig losgelöst von den alltäglichen Ups and Downs und völlig durchdrungen von der Energie einer heiteren Gelassenheit erlebt. Da er in seinem Leben nichts als die Bibel gelesen hat, drückt er das mit biblischen Worten aus, mit einer ziemlichen wilden Mischung von Bruchstücken vornehmlich aus dem Neuen Testament. So nennt er sich „Menschensohn“ und versichert „der Vater, der mich gesandt hat, wohnt in mir“ – kein Wunder, dass seine Umgebung ihn für einen falschen Prediger oder für geistesgestört hält. Aber – und hier erweist sich Hauptmann als guter Religionssoziologe – er trifft doch auf Menschen, die geradezu auf ihn gewartet zu haben scheinen, seine ersten Fans. Die wollen Wunder von ihm sehen, was er entrüstet ablehnt. Andere wollen, dass er eine Art sozialer Revolution anführt, was er ebenso entrüstet ablehnt, seine Fans aber nicht hören wollen. Hauptmann schildert hier sehr genau das Elend der unteren Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit und die vielfachen Erlösungssehnsüchte, die daraus erwachsen.

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Erzähltechnisch bedient sich Hauptmann dabei eines geradezu genialen Kniffs: Er bedient sich eines Erzählers, der den Standpunkt des aufgeklärten übernimmt, der den „Erleuchteten“ immer wieder als einen psychisch Gestörten bezeichnet. Andererseits aber lässt er den „geistesgestörten“ Helden so reden, dass der empfindsame Leser merkt, dass seine radikal innerliche Religiösität, seine Aussagen und Ansichten so falsch nicht sind …

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Wie gesagt, wegen des Stils und der fast durchgehend altertümlich-biblisch aufgeladenen Sprache keine einfache Lektüre, diese 530 Seiten. Aber ich fand es irgendwie fesselnd.

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2 Gedanken zu „Der Narr in Christo Emanuel Quint

    1. emhaeu Autor

      Ich finde es erstaunlich, wie so ein ehemals bekannter Künstler einfach so vergessen wird. In einem der nächsten Posts gehe ich auf einen anderen aus der gleichen Kategorie ein …

      Antwort

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