Jeder Mensch ist ein Künstler, aber …

Jeder Mensch ist ein Künstler. Kann schon sein. Sicherlich ist es gut, wenn möglichst viele sich in irgendeiner Weise kreativ betätigen. Schwierig nur, dass so viele die Ergebnisse ihrer kreativen Bemühungen auch anderen zeigen wollen: In einem Blog wie diesem oder, vor allem, in Ausstellungen.  Nun gibt es weder genügend Ausstellungsräume noch genügend Ausstellungsbesucher für all die Ausstellungswilligen. Aber ich will auf etwas anderes hinaus.Kunstrahmen

In den letzten Wochen habe ich eine Reihe von Menschen in ihren Ateliers besucht und mir ihre Werke angesehen. Dabei hat sich mir langsam aber sicher eine Frage aufgedrängt: Mag ja sein, dass euch das kreative Werken Spaß macht oder einem inneren Schöpfungsdrang entspricht. Aber warum sollen andere Menschen sich das ansehen?

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Diese Frage hat wenig mit der künstlerischen Qualität zu tun oder mit der Frage nach der Innovationskraft der Arbeiten. Eher mit so etwas wie einem Anliegen. Ein Werk, das ich einem Publikum zeige, muss keine Botschaft haben oder gar eine politische Botschaft, aber doch irgendein Anliegen.

Eine harmonische Farbkomposition, die gut über ein entsprechendes Sofa passt. Prima, das ist ein Anliegen, das könnten wir ausstellen. Aber ein Selbstportrait mit Katze muss doch irgendetwas transportieren außer: Schaut mal, wie gut ich schon mit Farbe und Pinsel umgehen kann. All die gegenstandlosen Malereien: Hm, hm, ja, nicht schlecht – aber warum soll ich mir das ansehen?

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Muss man nicht von jemand, der die Aufmerksamkeit eines Publikums für sich beansprucht, verlangen, dass er sich die Frage stellt: Was hat der Rezipient meines Werkes davon?

 

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24 Gedanken zu „Jeder Mensch ist ein Künstler, aber …

  1. theomix

    Gut nachvollziehbar.
    Vielleicht ist das aber auch ein Trend heute: Man macht einfach mal drauflos, Irgendwen wird es schon interessieren. Bei Blogs geht das oft so. (Immanente Selbstkritik :mrgreen: )
    Warum nicht auch bei Bildern?

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Bei Blogs, klar, bei selbstverlegenden Autoren, – und wie viele Foren gibt es, wo man seine Bilder hochladen kann … ich will das niemandem madig machen, kann alles für den Produzierenden seinen Wert haben, einen therapeutischen vor allem, ich habe ja selbst 3 Jahre lang einfach so ins Blaue hinein gebloggt, ohne an Leser zu denken. Stimmt aber nicht ganz – tatsächlich wollte ich meiner in Mittelamerika lebenden Tochter kleine Einblicke in das Leben „daheim“ geben, hatte also doch wenigstens einen Leser im Blick ….

      Antwort
  2. Ulli

    Gute Fragen, lieber Martin!
    Ich war letztens für zwei Wochen bei fb in einer Künstlergemeinschaft, der Titel lautete: Künstler tauschen sich aus … erstens von wirklichem Austausch keine Spur und zweitens viele Katzenbilder ;), ich bin dann wieder da raus …
    du benennst ja auch schon den Unterschied: Kreativität und Kunst … wo genau die Linie verläuft kann und will ich nicht sagen, aber ich erkenne meine Grenzen ziemlich schnell …
    hab einen feinen Abend
    herzliche Grüsse Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Liebe Ulli, dann hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich bei unserer kleinen Künstlergemeinschaft hier im Ort und bei der Organisation der beiden Ausstellungen, die im Frühjahr anstehen. —- Ich wollte aber keinen Unterschied zwischen Kreativität und Kunst aufbauen. Was weiß ich, was Kunst ist und was große und ganz große Kunst ist. Was nicht heißen soll, dass ich mir ständig Urteile herausnehme, auch harte Urteile. Über dieses Thema werde ich noch mal einen eigenen Beitrag schreiben, der schon eine Weile in der (virtuellen) Schublade liegt. Ich plädiere nur dafür – ganz unabhängig von der Qualität der Werke – dass der, der sich mit einer Ausstellung an ein größeres Publikum wendet, sich doch überlegen soll, was das Publikum eigentlich davon hat, wenn es die Werke betrachtet, außer dem Glas Sekt bei der Eröffnung … oder den Orangensaft.
      Einen schönen Gruß! Martin

      Antwort
      1. Ulli

        auf deinen Artikel bin ich gespannt- du und ich sind ja wahrlich nicht die Ersten, die sich über Kunst und Nichtkunst und grosser Kunst machen- als ich vor ein paar Wochen den Artikel zu mir schrieb spürte ich auch, dass der Schuh noch manchmal sehr gross ist, den ich mir da übergezogen habe!
        Für mich sollen Bilder immer noch Geschichten erzählen, ob nun Wahre oder phantastische und genau hier kann man ja auch das Publikum abholen … oder eben nicht, wie bei deiner und meiner Erfahrung der jüngsten Zeit-
        letztlich aber bleibt das Ganze immer subjektiv und liegt im Auge der Betrachtenden.
        liebe Grüsse Ulli

  3. puzzleblume

    Interessante Frage.
    Ich gehe davon aus, dass Menschen Kunst konsumieren, um ihren eigenen Gedanken und Angelegenheiten dadurch einen Motor zu geben, genau wie sie ein Restaurant besuchen, um zu essen, unter allen erdenklichen ideellen, sozialen und finanziellen Aspekten.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Genau das meine ich: Der Konsument von Kunst erwartet für sich etwas, was Du Motor nennst. Lachen, Nachdenken, einen Schock, Harmonie, Unterhaltung, das Schöne, eine andere Welt – irgendwas muss für den Betrachter dabei rausspringen. Sonst geht er nur in die Ausstellung, weil die ausstellende Bekannte sonst beleidigt wäre …

      Antwort
  4. buchrevier

    In der „Literatur“ nicht anders. Alle wollen schreiben, keiner will mehr lesen. Jetzt gibt es auch noch die selbstverlegten E-Books. Unsere Kinder sind alle hochbegabt und die Alten wählen die Grünen und sind super kreativ!

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Bei der Literatur liegt natürlich das gleiche Problem vor. Da ich eine zeitlang mal die Rezensions-Abteilung einer Zeitschrift betreut habe, weiß ich, wie viele Menschen es gibt, die gerne schreiben und die davon träumen, dass mal was von ihnen gedruckt erscheint. Heute können sie Blogs füllen, wie ich das ja auch mache. Aber beim Schreiben ist es nicht anders: Literatur, sage ich, sollte immer den Rezipienten im Auge haben, den Leser, der ja eine Art Kunde ist. Texte, die nur die eigene Befindlichkeit spiegeln und/oder die Beherrschung der Kunst des Verfassens feinzisilierter Sätze, bleiben lieber in der Schublade. Ein Tagebuch, dass ich nur für mich schreibe, ist schließlich nichts Schlechtes. — Und Kreativität – na ja, sicherlich ist jeder Mensch kreativ, kann kreativ sein, kann es vielleicht sogar lernen, kreativer zu sein. Alles nichts Schlechtes. Aber Kreativität im engeren Sinne ist in Wirklichkeit doch verdammt dünn gesät ….

      Antwort
    1. emhaeu Autor

      Komisch, schon der Zweite, der meinen Text missverstanden hat. Es geht mir nicht um die Qualität der Kunst, deswegen doch das Beispiel mit dem Bild über dem Sofa. Mir geht es nur um die Frage, ob der jeweilige Künstler mit seiner Ausstellung mehr will, als zu zeigen, was er so alles kann. Die Frage ist, ob der Künstler, der ausstellen will, nicht auch an sein Publikum denken sollte.

      Antwort
  5. juergenkuester

    Hallo Martin!
    Jetzt gehts ans Eingemachte. Die Frage trifft bei mir genau ins Schwarze. Keine neue, aber eine wirklich gute Frage. Meine Antwort kommt, später, oder bei Gelegenheit. Jetzt geh ich erst einmal in mich.
    LG Juergen

    Antwort
  6. Susanne Haun

    Hallo Martin!
    Mir geht es da wie Jürgen. Ich gehe ersteinmal in mich und überlege mir eine Antwort.
    Übrigens …. diese preiswerten Leinwände, die du zeigst ….. ich bin absolut gegen dieses Material. Meistens sind diese Leinwände sehr dünn und haben mit unter auch noch eine Apperatur, die Farbe abstösst. Erstaunlich finde ich es, wenn Künstler diese Billig-Leinwände benutzen und dann für ihre kreativen Ergüsse einen 4stelligen Betrag als Verkaufspreis aufrufen. Bei solch einem Preis kann ich als Kunde doch wenigsten erwarten, dass die Leinwände entsprechend dick und die Farben lichtecht sind, damit das erstandene Werk auch bis an mein Lebensende mein Wohnzimmer schmückt oder in meiner Sammlung nicht zerbröselt……..
    LG Susanne

    Antwort
  7. biancascheich

    Hallo Martin, grundsätzlich mag ich solches runtermachen von Künstlern und Hobbymalern überhaupt nicht. Zum Glück gibt es diese Menschen die malen, kreativ sind und auch gerne ihre Bilder und Kunst zeigen, egal wie und was. Ob im Restaurant oder in einer Galerie oder wie ich und einige mehr hier noch zusätzlich über Blog und andere soziale Netzwerke. Es gibt immer noch viele Menschen die Kunst lieben, achten und kaufen. Ob von Hobbymalern oder Profi . Mir fehlen ehrlich gesagt die passenden Worte zu Deiner Meinung, ich frage mich warum Du dann überhaupt zu Kunstausstellungen gehst, wenn es Dich eigentlich gar nicht wirklich so interessiert und Du so denkst. Möchte nicht wissen wie Deine Wände aussehen. Was hätten wir für eine Welt ohne Künstler…

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Das ist, leider, ein komplettes Missverständnis. Ich gehe nicht nur zu Ausstellungen, ich organisiere selbst Ausstellungen, zwei in diesem Frühjahr, eine im September. Das ich es gut finde, wenn möglichst viele Menschen sich kreativ betätigen, habe ich doch am Anfang geschrieben! Mir geht es nicht darum, irgendeinen kreativ Tätigen, egal ob Hobby oder Beruf, irgendwie fertig zu machen. Ich stelle nur – gerade aufgrund meiner Erfahrung mit dem Machen von Ausstellungen, die Frage, ob die, die ausstellen wollen, immer auch genügend im Blick haben, dass der Betrachter irgendetwas mitnehmen will, wenn er sich auf das kreative Werk einlässt.

      Antwort
      1. biancascheich

        Na ja, aber… das eine ist das Kunstwerk was für sich selbst spricht, es muss nicht erklärt werden und sollte immer geheimnisvoll sein. Es sind Bilder und keine Worte. Max Beckmann sagte einmal : “ Maler schneide Dir Deine Zunge ab !“ Dass der Betrachter manchmal damit nichts anfangen kann, kommt leider vor. Jedoch kann jeder Künstler sein eigenes Thema bei einer Ausstellung kurz umschreiben, so kenne ich das, wenn ich Ausstellungen organisiere.

  8. khecke

    Schoen all diese Beitraege.
    Ah Kunst – ich nenne meinen deutschsprachigen Blog zumindest „Kuenstlerleben“ – was bin ich heute fuer ein Kuenstler? Ich streiche die Waende neu, wenn einer meiner Mieter auszieht und ehe der neue einzieht. 🙂
    In meinem Beruf in fueheren Jahren habe ich als Industrieller Designer gearbeitet und habe von Kaffeemaschienen bis Rasenmaeher alles moeglische entworfen und man konnte sich diese hoffentlich gutaussehenden und gutfunktionierenden Produkte dann in den Geschaeften ansehen und sie wurden auch gekauft und zwar sehr viele, denn die Mindestproduktion war 10000 Stueck.
    Auf der anderen Seite, die Computer Software die ich spaeter entworfen habe, war dagegen weniger sichtbar und hatten wohl weniger einen kuenstlerischen als eien praktischen Wert, denn sie hat Werkzeugmaschienen ihre „Kuenste“ vollbringen lassen.
    Kunst ist eben sehr vielseitig und ob es wirklich Kunst ist, liegt wohl eher in der Beurteilung des Einzelnen.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Es gibt eben viele Künste und der Industriedesigner weiß wenigstens immer genau, für wen er arbeitet, der ist automatisch kundenorientiert …. LG Martin

      Antwort
  9. Pingback: Martin erhält eine Antwort | BUCHALOVS BLOG ••••••••

  10. ©lz

    Bitte verzeihe: aber diese Frage kann ich mir bei jedem Bäcker / Jeder Bank / Jedem Kaffeeshop / und immer stellen. Meine Sicht muss nicht die Sicht des anderen sein. Lg_©lz

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Hm, verstehe ich nicht recht. Jeder Bäcker, Bankmensch, Kaffeeverkäufer macht doch normalerweise genau das, was ich auch vom ausstellenden Künstler fordere: Er denkt an die Kunden.

      Antwort

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