Da staunt der ungebildete Billigesser

Ich bin, zugegeben, so etwas wie ein Billigesser. Was es nicht beim Aldi gibt, brauche ich nicht, könnte man sagen. Das war schon die Devise meiner Eltern: Meine Mutter bestand nicht ohne Stolz darauf, eine schlechte Köchin zu sein, was eine recht zutreffende Selbsteinschätzung war. Und meinem Vater kam es nur auf zweierlei an: Er musste satt werden und es durfte nichts kosten. Deshalb aßen wir meist selbst gezogenes Gemüse, dazu gab es allzu oft die alten Legehennen aus dem eigenen Hühnerstall.

So ist meine Vorbildung in Sachen Fleisch nicht groß. Mit Hühnerfleisch, wie gesagt, habe ich viel Erfahrung. Mit dem Schwein kenne ich mich auch leidlich aus, aber Rinder? Wenn es überhaupt mal Rind gab in meinem Elternhaus, dann, so erinnere ich mich, war das Rinderbraten, eine eher zähe Angelegenheit, die ich widerstrebend, aber brav aufgegessen habe. Mein erstes Steak habe ich Ende der 70er Jahre in Florenz gegessen, es war groß, teuer und auch reichlich zäh. Danach beschränkte ich mich eher auf Hamburger und Frikadellen – ist ja auch sinnvoll, denn irgendwer muss doch all die alten Milchkühe aufessen.

2007 sind wir vier Wochen lang in Argentinien rumgereist. Da werde ich mal ein gutes Steak essen, hatte ich mir vorgenommen. Ist nichts draus geworden. Irgendwie sind wir immer in chinesischen oder italienischen Restaurants gelandet. Der Argentinier als solches, glaube ich inzwischen, mag gar keine Steaks.

Angus_bull_1856

Am Wochenende nun gab es bei uns so ein Freiluft-Fleischessen. Eine archaische Angelegenheit, die ich ansonsten verschmähe, da sie mit viel Rauch und Geruch nach angebranntem Fleisch verbunden ist, weshalb wir in unserem Haushalt auch nie einen Grill besessen haben.

Aber jetzt haben wir so eine Feuerschale, auf die man einen Rost legen kann. Und darauf Fleischstücke. Hätte man die nicht viel einfacher in den Backofen legen können? Aber gut, was tut man nicht alles, wenn die Kinder und die Gäste es wollen.

Alle Gäste brachten ein Paket mit Fleisch mit. Das übliche halt, ich habe mich nicht darum gekümmert und schon mal einen Teller Reis mit Ketchup gegessen, weil mir die Fleischrösterei zu lange dauerte.

Dann bekam ich einen Teller mit ein paar Scheiben Fleisch gereicht. Rindfleisch, hieß es. Ziemlich rot, das ganze. Also: Augen zu und durch. ——–

Ums kurz zu machen: Die kleinen Scheiben von Kuh oder Bulle schmeckten wirklich außergewöhnlich gut. Etwas völlig anderes als alle Stücke, die ich bisher von den Rindern gegessen habe. Einen Nachschlag gab es nicht, in Blitzesschnelle war alles weg, nur noch Rippchen und Würstchen warteten auf dem Rost auf Esser.

Am nächsten Tag habe ich die Kinder gefragt, was ich da gegessen hätte. Black Angus aus dem Feinkostladen, das Kilo für 50 €. Hat mir zu denken gegeben. Es gibt wohl doch Leckereien, die es beim Aldi nicht gibt.

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7 Gedanken zu „Da staunt der ungebildete Billigesser

  1. Pit

    Hallo Martin,
    ganz schön geschlemmt, mit (Black) Angus, hast Du ja! 😉 Das ist aber wirklich ein Klasse Fleisch. Muss aber gar nicht unbedingt sein, wenn ich hier an die im Freiland gezogenen texanischen Rinder denke. Die ergeben auch ganz prima Steaks. Vieles kommt aber auf die Zubereitung an. Wenn man sie zäh werden lässt oder falsch würzt, dann ist das Nichts.
    Ich denke, Du musst wirklich mal rüberkommen, aber dann den Vorsatz, Steaks zu essen, auch ausführen. Plus ein gutes texanischen Barbeque [Brisket, Ribs, Chicken, Sausage]: da läuft mir schon beim Schreiben wieder das Wasser im Munde zusammen. Schau mal hier [http://tinyurl.com/pqfgzfb] rein.
    Weiterhin viel Freude mit der Feuerschale, und liebe Grüße,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Lieber Pit, das klingt ja verführerisch, …., aber dieses Jahr bleiben wir mal auf dem heimischen Teppich …. ! Einen schönen Tag wünscht dir Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        dann genießt mal die Steaks am heimischen Herd – bzw. Grill. Und wir genießen Brisket und andere Köstlichkeiten bei Cooper’s in Llano. Übrigens: auch hier im Lande der Steaks muss man aufpassen. Längst nicht jedes Restaurant macht sie gut.
        Liebe Grüße,
        Pit

  2. khecke

    Martin,
    in meinen jungen Jahren in Schlesien habe ich gegessen, was mir vorgesetzt wurde und nach dem Krieg war ich froh, wenn ich ueberhaupt etwas zu fressen bekam, was mich rank und schlank hielt, obwohl es in den 50iger Jahren, dann doch so war, dass man nicht mehr hungern musste.
    Am 29. Juni 1957 war spaet nachmittags ich in Chicago bei meiner Auswanderung vom meinem Sponsor in Empfang genommen worden und abends gab es Huehnchen bei seiner Familie (mit Frau und 2 Soehnen) zu essen und ich wurde darauf hingewiesen, dass man es nicht wie in Deutschland macht und mehr Essen hoeflich angeboten wird, sondern man isst solange noch Essen vorhanden ist – und da war ein kleiner Berg von Huehnchenteilen vorhanden.
    Den naechsten Morgen (es war am Wochenende) brachte mich mein Sponsor zu meiner Tante Hanni (juengste Schwester meiner Mutter), die schon 1938 mit ihrem Mann von Breslau nach Chicago gefluechtet war, da mein Onkel ein juedischer Arzt war. Mein Onkel war schon 1952 gestorben und meine Tante Hanni hatte sich einen neuen Boyfriend (Otto) geangelt, der auch Arzt war und sicherlich gut verdiente, schon an seinen Autos zu urteilen. Jedenfalls haben sie mir eines von Chicago gezeigt und anschliessend haben sie mich zum Essen eingeladen. Natuerlich in einem besseren Restaurant – die beiden gingen viel auswaerts essen. Jedenfalls klaerten sie mich ueber das Essen von Steaks auf, denn es gibt die unterschiedlichten Steaks, wobei das Filet Mignon wohl das Beste ist und man es so zubereitet, dass das Fleisch innen rosa sein soll, also nicht mehr blutig. Es wird im Restaurant nicht immer angegeben, ob das Fleisch von einem Black Angus stammt – von dennen wir hier auf den koppeln genug rumlaufen haben.
    Was ich damit sagen wollte, dass ich damals erst in Amerika aus finanziellen Gruenden den Unterschied im Essen gelernt habe. Heute kann man sich natuerlich auch solche Essen in Deutschland erlauben.
    Uebrigens einen Grill haben wir auch, aber ich bin keine grosser Griller und habe auch schon paar Steaks anbrennen lassen.
    Alles Gute,
    Karl-Heinz

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Lieber Karl-Heinz, mir scheint, dass man in Schlesien generell nicht so viel Wert auf das Essen gelegt hat. Meine Tante Lene (Hillmann) z.B.: Sie war immerhin ausgebildete Hauswirtschaftsmeisterin war und hat auf ihrem eigenen Gut bei Neumarkt, in Pfaffendorf, immer einige Lehrlinge ausgebildet. Nach der Vertreibung hat sie dem Grafen Hoensbroich auf seinem burgähnlichen Schloss bei Jülich den Haushalt geführt, dann hat sie sich zur Ruhe gesetzt und eine kleine Wohnung in meinem Elternhaus bezogen. Tante Lene hat immer viel gekocht und gebacken, aber doch immer recht einfach, ohne all den Firlefanz, der heute so modern geworden ist.
      Wünsche Dir einen schönen Tag!
      Martin

      Antwort
  3. Pit

    Hallo Martin,
    hier [http://tinyurl.com/nh96zj2] noch etwas, um Dir den Mund waesserig zu machen. 😉
    Habt einen feinen Sonntag,
    Pit

    Antwort

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