Der Offizierston, Penny McLean und ein Schlafzimmergeheimnis

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Ich rutschte gerade auf Knien über die neu verlegten Terrassenplatten, in der Hand einen Spülschwamm, um damit die Platten von noch feuchten Mörtelresten zu befreien, da betrat meine Mitarbeiterin, die in Personalunion auch Chef-Desegnerin ist, ein eben gesäubertes Terrassenstück: „Stop!“, rief ich, „nicht mit schmutzigen Schuhen auf die Platten!“ Den Ton meiner Äußerung, der bekanntlich die Musik macht, kann ich hier leider nicht reproduzieren, das Feedback aber war eindeutig: „Immer dieser Offizierston …“ Offizierston, dachte ich, ja wenn ich den drauf gehabt hätte, wäre mir mein Lehrer-Leben leichter gefallen.

Später – der Einklang war durch einige besser gezuckerte Sätze wieder hergestellt – fiel mir eine Episode ein, die sich um 1990 zugetragen haben muss. Damals war ist anlässlich eines Vortrages im Kölner Senats-Hotel der Location Manager von Penny McLean. – Weniger hochtrabend könnte man sagen: Ich habe mich vor Ort um dies und das gekümmert.

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Penny McLean kannte ich nicht. Ich hatte zwar schon Stapel ihrer esoterischen Bücher verkauft, aber keines gelesen. Von ihrer Vor-Karriere als Schlagersängerin hatte ich nie etwas gehört, selbst ihr Welthit „Lady Bump“ war spurlos an mir vorüber gegangen. Frau McLean redete über zwei Stunden am Stück, ohne Manuskript, der ganze Saal hörte gebannt zu, ich auch. Die Frau hat Charisma, das steht fest. Nachher saßen wir noch etwas zusammen,um den Erfolg zu feiern. Ich weiß nicht mehr, wie sie darauf kam, aber irgendwann sagte sie: „Du warst im vorigen Leben Offizier. Bei der Luftwaffe, 1944 abgeschossen.“ Gut, dass der Absturz im vorigen Leben war, dachte ich, sagte aber nichts, weil mir nichts einfiel.

Offizier? Wie mag sie nur darauf gekommen sein? Ich war 15 Monate lang Soldat, ein schlechter Soldat, mehr trottelig als aufsässig, und deshalb als letzter zum Gefreiten befördert. Das Ansinnen des Kompangnie-Chefs, ich sollte doch einen Offizierslehrgang besuchen, hatte ich ohne zu zögern zurückgewiesen. Offizier? Nein, vielleicht in der Fantasie einer Esoterikerin, aber nicht in diesem Leben. Und überhaupt: Jagdflieger! Wo ich doch Höhenangst habe! Oder sollte meine Höhenangst im Hier und Jetzt eine Spätfolge des Absturzes im vorigen Leben sein?

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Ach, die gute alte Eso-Zeit, dachte ich, nachdem die Platten sauber waren und ich ins Schlafzimmer hinaufging, um mich umzuziehen. Da fiel mein Blick auf die schwarze Holzkiste, die mir seit langem als Nachttisch dient. Der Names meines Vaters steht drauf und seine Heimatanschrift. Ein hübsches nostalgisches Ding – und dabei enorm praktisch.

Muss ja nicht jeder wissen, dass es sich bei meinem Nachttisch um die Offizierskiste meines Vaters handelt.

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8 Gedanken zu „Der Offizierston, Penny McLean und ein Schlafzimmergeheimnis

    1. emhaeu Autor

      Hallo Pit!
      Wenn alles fein fertig ist und schön sauber, dann mach ich nochmal ein Bild. Vorher aber wird Einweihung gefeiert! LG Martin

      Antwort
  1. khecke

    Ich stimme mit Pit ueberein, dass die Terasse scheinbar gut geworden ist, soweit man es von dem Bild beurteilen kann.
    Die Penny McLean sagt mir auch nichts. Vielleicht sollte ich mal bei Google nachsehen.
    Schoen die Erinnerungskiste von Deinem Vater mit der Anschrift aus Niedermois, den Ort, den ich zumindest bischen kenne.
    Gruss aus dem reichlich warmen Nordwest Arkansas, wo es heute noch regnen soll,
    Karl-Heinz

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      In der Kiste sind tatsächlich auch Erinnerungen drin, denn dort lagere ich all die alten Fotoalben und anderes. Sozusagen mein „Familienarchiv“.
      Hier ist es auch sehr trocken, ungewöhnlich trocken, wir müssen viel gießen im Garten; aber heute soll noch Regen kommen … LG Martin

      Antwort
    1. emhaeu Autor

      Danke – ist ja so eine Art Puzzle, nur dass die echten Puzzle-Teile entschieden leichter sind als diese flachen Steinbrocken.

      Antwort
  2. Dina

    Heiße Platten 😉 , herrlich, lieber Martin, ich habe gerade laut gelacht. Neulich sprachen wir über Penny McLean, habe keine Ahnung mehr warum, aber die Geschichte vom deinem vorherigen Offiziersleben bekam ich zu hören. 🙂 “Lady Bump” und andere Songs waren auch spurlos an KB vorüber gegangen, aber Youtube ist ja stets zu Diensten … 😉
    Sehr vergnüglich, die Platten sehen toll aus und die Kiste ist große Klasse!
    Sei lieb gegrüßt von der nassen Küste Norfolks, die Regentonnen füllen sich wieder. 🙂

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Stimmt, ihr Lieben, das hatte ich ganz vergessen, dass KB auch damals dabei war und auch eine wichtige Funktion hatte. Einen feinen Gruß von Martin, der ziemlich faul geworden ist, was das Schreiben von Kommentaren angeht …

      Antwort

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