Bilora Bella 3c

Im vorletzen Blogbeitrag habe ich geschrieben, dass ich jetzt seit 55 Jahren fotografiere. Habe ich noch was drüber nachgesonnen und geforscht. Auf diesem Bild sitze ich in die Lektüre der Griechischen Sagen (die mich, soweit ich mich erinnere, nicht nachhaltig beeindruckt haben) vertieft vor dem Tisch mit den Geschenken, die ich zur Erstkommunion bekommen habe.

IMG_1126

Das war am Sonntag nach Ostern 1960 – also vor 55 Jahren. Und auf dem Tisch liegt, unscharf, aber erkennbar, eine Kamera:

IMG_1126kamra

Das war meine erste Kamera, eine Bilora Bella 3C, die mir mein Patenonkel aus Berlin geschenkt hat, den ich ansonsten kaum mal gesehen habe. Ob mir der wohlhabende Onkel auch einen oder zwei Rollfilme dazu geschenkt hat, weiß ich nicht mehr, aber genau so sah sie aus: Blau, dazu eine graue Plastik-Bereitschaftstasche:

bilora bella 3cDie Kamera habe ich noch lange gehabt, aber viel fotografiert habe ich damit nicht. Vielleicht mal im Skiurlaub, mal im Sommer in Holland. Bis die richtige Fotobegeisterung anfing und ich die erste richtige Kamera hatte, dauerte es noch ein paar Jährchen.

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8 Gedanken zu „Bilora Bella 3c

  1. puzzleblume

    Schönes 50er-Ambiente, mit Sansiverien und Alpenveilchen auf dem Fensterbrett, Freesien in der Vase und Hohlsaumdecken auf dem Tisch. Duftete es nach Möbelpolitur und Bohnerwachs? Mir zumindest kommt es bei dem Anblick so ins Gedächtnis. Gullivers Reisen und die griechischen Sagen passten eigentlich gut zusammen, weil man gedanklich mit den Grenzen zwischen groß und klein spielen konnte, was thematisch gut zur wechselnden Sichtweise eines Fotografen paßt.
    Fotografieren war einfach so unglaublich teuer und jedes Stück Rollfilm wurde für etwas Besonderes aufgespart und nur Bildchen in kleinen Formaten abgezogen. Wenn man so eine schwere Kamera in Händen halten durfte, konnte man die Bedeutung direkt fühlen. Schön finde ich sie auch, mit der Bastoptik.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Bohnerwachs, da hast da was richtiges in der Nase gehabt. Bevor der erste Teppichboden kam (dunkelgrün), hatten wir im ganzen Haus einen sogenannten Steinholzboden. Habe gerade mal nachgelesen, dass dieses Material auch bei Bauhaus-Architekten beliebt war und bis heute beleibt sein könnte, weil es sehr gute Eigenschaften hat. Aber egal: Dieser Boden musste jedenfalls gebohnert werden, was mir ab und zu Spaß gemacht hat, mit dem schweren Bohner hin- und her und dann hat der Boden (im Wohn- und im Esszimmer war er rot) so schön geglänzt. – Erstaunlich, wie viel 50er-Jahre Stil sich eingenistet hat, obwohl meine Eltern diesen Stil nicht leiden konnten und gegensteuern wollten, z. B. mit der Schrankserie WKS1 von WK-Möbel (links unscharf auf dem Bild), Möbel aus hellem Holz, von denen ich einen Vitrinenschrank immer noch habe – allerdings rot gestrichen …. aber der Zeitgeist ist wohl zu mächtig und setzt sich am Ende durch …

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  2. juergenkuester

    Lieber Martin!
    Erstaunlich: vor ein paar Tagen bin ich im Günter Grass Haus in Lübeck schon einmal auf das Thema „erste Kamera“ gestoßen, als ich die Box -Kamera von Grass in den Händen hielt, die ja Grundlage eines Buches von ihm wurde.
    Mir wurde als Vierzehnjähriger die Agfa – Kamera meines Vaters, die für ihn ein Heiligtum war, mitgegeben als meine Konfirmatenfreizeit in Koblenz anstand. Ich besaß also nur ein Leihmodell und habe sie wie ein rohes Ei behandelt – weiß ich noch genau – bis heute. Die Kamera habe ich nach dem Tod meines Vaters bekommen und liegt in meinem Arbeitszimmer.
    Danke für Deinen nostalgischen Impuls.
    LG Juergen

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    1. emhaeu Autor

      Lieber Jürgen, so etwas lässt einen so ganz wohl nie los. Du musstest etwas länger warten, hast dafür aber vermutlich sofort eine bessere Kamera gehabt. Ich werde mal berichten, wie ich zu meiner ersten SPiegelreflex gekommen bin – auch so etwas wie ein Leihmodell!
      Einen schönen Gruß aus dem Computerzimmer, wo es allmählich auch heiß wird … Martin

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  3. Pega Mund

    … und einen poetischen Namen hat diese Kamera: Bilora Bella – das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen. Eine Freundin von mir, inzwischen 93 Jahre alt, fotografierte bis vor kurzem noch mit einer Contaflex (aus den frühen 40-er Jahren, glaub ich) und sie hatte stets den Belichtungsmesser dabei. Auf die digitale (Foto-)Welt konnte/wollte sie sich nicht einlassen … liebe Grüße, danke für den Blick zurück!

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ja, schön nicht, und erstaunlich weiblich, das Himmelblau. Die Contaflex war vermutlich aus den 50erJahren – ein grundsolides Ding, eine der ersten Spiegelreflexkameras überhaupt. Damals technisch führend, die japanischen kamen erst später … LG Martin

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  4. khecke

    Die „guten alten Zeiten“, wo sogar das Fotografieren in schwarz/weiss nicht gerade billig war und man versuchte nur dann Aufnahmen zu machen, die sich wirklich lohnten. Ich habe die wenigen schwar/weiss Bilder von damals alle so gut wie moeglich in meine Computer gescannt, genauso wie die spaeteren Farbbilder, ehe sie ihre Farbe noch mehr verlieren. Einige Farbfotos konnte ich mit hilfe eines Programmes die Farben aufbessern, obwohl das nicht besonders gut geht.
    Martin, wenn Du Ostern 1960 zur Erstkommunion gegangen bist, da lebte ich schon in Amerika und war verheiratet.
    LG Karl-Heinz

    Antwort

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