Vargas Llosa – Das grüne Haus

Zwei Romane von Vargas Llosa habe ich in letzter Zeit gelesen, Tante Julia und der Kunstschreiber und Das Paradies ist anderswo. Beide haben mich beeindruckt. Warum es also nicht mit einem dritten versuchen, zumal er mir in einer Wühlkiste kostenlos über den Weg lief.

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Der Umschlag, so scheint mir, ist dem Graphiker bei Suhrkamp gut gelungen, setzt das Geschehen im Urwald Brasiliens aber in ein zu heiter-buntes Licht. Denn der Roman ist erstens düster, zweitens eklig und drittens schwer verständlich. Das erste Kapitel hätte ich, wenn ich nicht die Zusammenfassung in der Wikipedia gelesen hätte, immer noch nicht verstanden.

Und als ich so im Zug und auf dem Bahnhof las, dachte ich bei der Rückfahrt auf Seite 48: Warum tust du dir das eigentlich an? Einen ebenso schwer verständlichen wie schwer verdaulichen Text zu lesen, dessen Autor es offenbar darauf angelegt, den Leser zu verwirren und in die Irre zu führen? Warum hat der junge Vargas Llosa das gemacht? Weil er Anschluss gesucht hat an die europäische Moderne und diese Moderne mit verdrehtem Schreibstil und für den Leser unverständlichen Perspektivenwechseln gleich gesetzt hat? Später jedenfalls hat Vargas Llosa auf dergleichen verzichtet … … … und als ich am Bahnhof angelangt war, war ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich auf „Das grüne Haus“ verzichten kann, und habe das Buch, das wegen diverser Schönheitsmakel nicht verkäuflich war, in den Bahnhofspapierkorb entsorgt.

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7 Gedanken zu „Vargas Llosa – Das grüne Haus

  1. puzzleblume

    Gestern las ich eine Diskussion über das Lesen anerkannt guter Literatur und den, wenn überhaupt, verschämten Konsum von Trivialem. Die Kommentare waren an repräsentativer Kompliziertheit kaum zu überbieten, manche musste ich zweimal lesen. – Ich denke, für einen ehrgeizigen Schriftsteller ist die Versuchung gross, sich in solchem Stil einzureihen, um mit seinem Roman nicht als „trivial“ eingeordnet zu werden.
    Sich als Leser zu entscheiden, sich mit einem Buch nicht weiter zu beschäftigen , hat viel mit dem Märchen von „des Kaiser neuen Kleidern“ gemeinsam. Ich mag deine Lösung.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Was mich schon länger interessiert, ist, dass es doch einige Autoren gibt, die mit wilder, moderner Literatur angefangen haben und die dann irgendwann zurück zu einem eher traditionellen Schreibstil bewegt haben. Martin Walser gehört beispielsweise dazu und natürlich der Grass Günter, auch Peter Handke hat schon nach kurzer Zeit die experimentielle Phase abgeschlossen. Weniger bekannt ist, dass Alfred Döblin nach dem furios-modernen „Berlin Alexanderplatz“ immer traditioneller geschrieben hat. Die offizielle Lesart erzählt dann was von nachlassender Gestaltungskraft oder so. Ob dahinter nicht doch auch eine Einsicht steckt?

      Antwort
  2. Susanne Haun

    Tante Julia mochte ich sehr. Das grüne Haus habe ich nie gelesen. Da habe ich wohl deinem Bericht zur Folge Glück gehabt.
    Letztes Semester habe ich ein Schreibseminar besucht. Dort waren die Kommilitonen auch der Meinung, man dürfe seine Hausarbeiten nicht zu einfach schreiben. Ganz entgegen meiner Meinung, ich denke beim Schreiben wie beim Zeichnen, dass so minimalistisch und einfach wie nötig vorgegangen werden sollte. Wir stellten im Schreibseminar Teile unserer Hausarbeiten vor. Ich wurde direkt auf die Einfachheit meines Schreibens angesprochen. Ob ich nicht einen etwas komplizierteren Satzbau in meine Arbeit einbauen wollte. Ich sagte nein, ich möchte den Fokus auf den Inhalt legen und diesen klar und deutlich darstellen. Der Dozent des Schreibseminars fand meine Positition gut.
    Ich habe damit bisher auch großen Erfolg gehabt, meine letzten drei Hausarbeiten bekamen die Noten 1,0 (Kunstgeschichte: Das Musterbuch im Mittelalter) / 1,3 (Philosophie: Descartes Wellentheorie) und 1,3 (Geschichte: Die Reliefs des Titusbogens als Beweis für den Jüdischen Krieg) . Ich bin sehr zufrieden damit (Logisch 🙂 ) und freue mich sehr, dass ich beim Zeichnen wie beim Schreiben einen Stil gefunden habe!
    Welch‘ eine Erleichterung!
    Deine Ausführungen hier bestätigen mich weiterhin, dass ich auf den richtigen Weg bin. Ich habe das Schreibseminar besucht, weil ich sehr unsicher war, was von mir beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten erwartet wird. Ich musste innerlich grinsen, als ich las, wie du „abgenervt ?“ das Buch in den Papierkorb warfst! Sehr konsequent! Warum sich mit Ballast belasten.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Lieber Susanne, boooh, so gute Noten! Da kannst Du stolz sein und brauchst mit Sicherheit nichts an Deinem Schreibstil zu ändern. .— Bei mir hat es eine Weile gedauert, anfangs im Studium wollte ich oft noch besonders „gut“, besonders „wissenschaftlich“ schreiben. Bei der Doktorarbeit habe ich dann vom Herausgeber der Schriftenreihe, in der die Arbeit erschienen ist, ein Lob für den guten (geraden, einfachen) Stil bekommen. Die Arbeiten davor habe ich allem weggeworfen, wäre heute mal interessant, zu lesen, wie ich da geschrieben habe …
      Einen schönen Abend! Martin

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Lieber Martin, dass ist wirklich schade, dass du deine Hausarbeiten weggeworfen hast. Oder befreiend, ich weiss es nicht. Heute lassen sich die Hausarbeiten einfacher bewahren, du kannst sie als pdf auf der Festplatte sammeln, ohne dass du großen Platz dafür benötigst.
        Ich mag die Bezeichnung, die du für deine Doktorarbeit erhalten hast: „Gerader, einfacher Stil“ 🙂 , bekommt man da nicht Selbstbewusstsein mitgeliefert? Es ist schön, so ins Berufsleben zu starten.
        Grüße von Susanne

      2. emhaeu Autor

        Befreiung, liebe Susanne, für mich ist das Wegwerfen immer auch eine Befreiung. — Selbstbewusstsein für den dann folgenden Lehrerberuf hat mir das schon gegeben, allerdings waren da dann ganz andere Qualitäten gefragt als makellos formulierte Unterrichtsentwürfe. Da wurde mir dann in der Ausbildung vorgeworfen, ich würde mich zu sehr um feine Unterrrichtsentwüfe kümmern und zu wenig um die Kinder … Lg M.

      3. Susanne Haun

        Ich stelle es mir sehr schwer vor, Kinder zu unterrichten, Martin. Aber ich denke, gute Unterrichtsentwürfe sind schon einmal eine sehr gute Grundlage dafür. Ohne dem wird wohl der Unterricht nicht gut sein. So habe ich es von der Sicht des Schülers im Kopf.
        LG Susanne

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