Besucherzahlen (4)

Ein neues Museum, „The Board“ in Los Angeles. 
54e4bcb4560f0bf2218e42f3_broad-museum-lobby-los-angeles

The Broad Collection: Interior Gallery. Diller Scofidio+Renfro.

The Broad Collection: Interior Gallery. Diller Scofidio+Renfro.

Als ich diese Bilder gesehen habe, ging mir eine Bemerkung von Siri Hustvedt durch den Kopf, auf die mich Susanne Haun aufmerksam gemacht hat. Kunstmuseen, schreibt Hustvedt in ihrem neuen Roman „Die gleißende Welt“, gleichen heutzutage immer mehr Disney-Palästen.

Das hat seine Logik. Wie nämlich will man sonst in einer Stadt, in der es schon verschiedene Museen gibt, die zwar berühmt sind und gerühmt werden, die aber unter chronischem Besuchermangel leiden, Leute in ein Museum locken? Da muss man schon was Spektakuläres bieten, war wohl der Gedanke der Erbauer.  Nicht spektakuläre Werke wohlgemerkt, sondern eine spektakuläre Hülle. Auf den obigen Fotos sind keine Kunstwerke zu sehen – macht nichts, im Grunde sind sie überflüssig.

Liegt im Trend. Immer mehr Museen werden gebaut, immer außergewöhnlicher muss die Architektur sein. Das war früher anders: Da hingen die außergewöhnlichsten Kunstwerke in einem kaum erhellten Kirchenschiff oder tapezieren wie in den Uffizien in Florenz die Wände.

Das Kunstwerk alleine, so scheint es, tut es nicht mehr. Im Gegenteil – verglichen mit Reproduktionen, erst recht mit der Präsentation auf dem Bildschirm, die ja wie ein farbenprächtiges Dia wirkt, wirken die echten Werke oft blass, irgendwie verstaubt und tot. Was sie ja auch sind, im Original.

Advertisements

3 Gedanken zu „Besucherzahlen (4)

  1. puzzleblume

    Die Rolltreppe, die durch das Innere eines Schädels führt, finde ich großartig und durchaus inspirierend für eine Museumsbesuch, bei dem man als Besucher „Gedankengängen“ zu folgen gekommen ist. Auch sehe ich es positiv, wenn Räume eine ungewöhnliche Stimmung schaffen, genau wie es ein Opernhaus tut.

    Antwort
  2. Susanne Haun

    Gut geschrieben, Martin!
    Solche Räume sind von Künstlern schwer zu bespielen, sind sie doch schon selber ein Kunstwerk. Treten die Künstler dann nicht in Konkurrenz mit der Architektur?
    Ich bin ein Fan des White Cube. 🙂 und glücklich, einen Raum mit vier weißen Wänden zum Hängen zu haben.
    LG Susanne

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s