Unser Gärtner … (Kalifornien 4)

Palm Desert und Palm Springs liegen mitten in der Wüste, es regnet vielleicht an einem oder zwei Tagen im Jahr, in manchem Jahr auch gar nicht. Eine riesige künstliche Oase, in der immerhin um die 400.000 Menschen leben. Es sind nur niedrige Einfamilienhäuser erlaubt und die meisten haben nur ein für amerikanische Verhältnisse winziges Grundstück. Zugespitzt gesagt: Der Garten ist bei vielen so groß wie die Grundfläche der obligatorischen Doppel- oder Dreifachgarage.

Der Ausdruck Garten scheint dem Mitteleuropäer sowieso nicht so recht angemessen, denn oft handelt es sich um eine mit Kies ausgelegte Fläche, auf der ein paar Sträucher wachsen, die Abends von einer vollautomatischen Bewässerungsanlage ihre tägliche Portion Wasser bekommen. Aber so klein und wenig bewachsen diese Gärten sind, man hat einen Gärtner, der die „Anlage“ pflegt. Welcher Gärtner zu empfehlen ist und was „unser Gärtner“ schon wieder falsch gemacht hat, scheint ein unerschöpfliches Diskussionsthema zu sein.

Bei den Gärtnern handelt es sich mehrheitlich um Mexikaner oder US-Amerikaner mexikanischer Abstammung. Sie kommen mit einem Truck nebst Anhänger angefahren. Auf dem Anhänger befindet sich eine große Menge Werkzeug, vom Spaten bis zum Benzin-Laubsauger ist alles vorhanden, was der Baumarkt so anbietet. Und die Geräte werden sofort eingesetzt: Auf der Stelle entsteht ein Riesenlärm, weil die Sträucher mit Benzin-Heckenscheren frisiert, hier und da ein Ästchen mit der elektrischen Teleskop-Astschere herausgeschnitten wird. Alles, was abgeschnitten worden ist, wird dann fachmännisch entsorgt: Die größeren Stücke aufgesammelt und auf die Ladefläche des Trucks geworfen, für die kleineren kommt der schon erwähnte Laubsauger zum Einsatz, mit dem das Kies-Bett solange abgesaugt wird, bis nun auch bestimmt kein vertrocknetes Blättchen mehr den „Gartenboden“ verunziert. Am Ende wird der betonierte Gartenweg abgesaugt, Hausbesitzer und Hausbesitzerein inspizieren die Qualität der Arbeit, ein Scheck oder ein paar Geldscheine wechseln den Besitzer und schon fährt das Gefährt zum nächsten Einsatzort.

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8 Gedanken zu „Unser Gärtner … (Kalifornien 4)

  1. Pit

    Hallo Martin,
    ja, so langsam lernen es die Kalifornier [und auch Leute in anderen Gegenden], dass man Wasser sparen muss, und richten ihre Gärten entsprechend ein. „Xeriscaping“ nennt man das hier: mit so wenig Wasser wie möglich auskommen. Aber trotzdem wird noch enorm viel verschwendet, wenn ich z.B. sehe, wieviel Pools es in diesen trockenen Gegenden immer noch gibt, oder wenn, wie z.B. im Death Valley, Golfplätze mitten in Wüsten unterhalten werden.
    Die Gartenarbeiter, die mit ihren Pick-Up Trucks mit allen Gerätschaften drauf vorbeigefahren kommen, gibt es hier auch. Mal sehen, wann wir so alt werden, dass wir die auch brauchen. Auch hier sind es übrigens vorwiegend Hispanics. Solche Kleinunternehmer gibt es hier für Alles und Jedes. Man muss aber sehr aufpassen, an wen man da gerät. Die Qualität der Leistungen ist nämlich sehr unterschiedlich. Ich habe hier mal die Beschreibung gehört, „a truck, a ladder and a dog“ sei Alles, was man zu dem Geschäft braucht.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit

    Antwort
  2. khecke

    Palm Springs kenne ich deshalb bischen, weil mein Onkel mit seiner Frau fuer den Ruhestand von Omaha, Nebraska nach Palm Springs, Califonia gezogen sind. Die hatten auch nur sehr wenig Land, um das Haus herum und Wasser ist da logischeweise knapp. Nicht so wie bei uns, wo wir genug Wasser haben, ausserdem regnet es auf unsere 37 Hektar Land und wir brauchen keine mexikanischen Landscaper. Wir haben unsere eigenen Geaetschaften.
    Eine Verwandte von Ruth wohnt in Hemet. Einem oestlichen Vorort von Los Angeles und von da ist es auch nicht weit nach Palm Springs zu fahren.
    Es scheinen viele gutbetuchte Leute in Palm Springs zu wohnen, wenn man sich deren Haeuser ansieht. Billig ist es da bestimmt nicht zu leben.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich habe ja keine Ahnung, wie teuer es sonst in den USA ist. Aber die Lebensmittelpreise waren überall, auch in den Supermärkten wie Trader Joe’s viel höher als bei uns, mindestens doppelt so hoch. Die Häuserpreise andererseits schienen mir gar nicht so hoch; nach der Krise 2007 sind die Preise kräftig gefallen und haben sich noch kaum erholt. In der Siedlung, wo unsere Tante lebt, stehen außerdem viele Häuser zum Verkauf, da ist das Angebot größer als die Nachfrage, so dass man für unter 300.000 USD so ein Haus mit großer Garage, 3 Schlafzimmernund drei Bädern, aber eben mit winzigem Garten bekommt. Für mich wäre das nichts: Im Sommer zu heiß und außerdem brauche ich mehr Platz um mich herum und üppiges Gründ finde ich auch sehr gut, nicht nur diese Wüstenpflanzen. —
      Was dort übrigens für unsere Verhältnisse auch sehr teuer ist, das sind Altersheime. Wir haben mit der Tante einige angesehen, schöne Heime, aber die Preise sind schon enorm …
      Einen schönen Gruß´! Hier hat es heute ein wenig geschneit …
      Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        also das mit den Lebensmittelpreisen kann ich so nicht bestätigen. Bei unseren Einkäufen im Supermarkt finde ich immer, dass die Preise hier für einen typischen Einkaufskorb [typisch für uns] nicht unbedingt (viel) höher sind als in Deutschland. Bei den Hauspreisen kommt’s wohl drauf an, wo. Hier in Fredericksburg z.B. sind sie so niedrig nicht, weil es eine bevorzugte Zuzugsgegend ist. Was die Grundstöcksgrößen angeht: da hast Du Recht. Wenn’s ein „großes“ Grundstück ist, ist’s ein „Handtuch“, sage ich immer. Und manche Häuser werden auch nur mit einem „Taschentuch“ drumherum verkauft. Deswegen waren wir ja auch so froh, Unseres hier gefunden zu haben: (relativ) großes Haus mit einem schon fast riesigen Grundstück, jedenfalls in Anbetracht der Tatsache, dass es noch innerhalb der Stadtgrenzen liegt.
        Und Altenheimpreise: hoffentlich bleiben wir davon noch lange verschont.
        Hab‘ eine feine Woche,
        Pit

      2. emhaeu Autor

        Hallo Pit,
        ich hätte mal die Kassenzettel vom Albertson und Trader Joe’s aufheben sollen. Vor allem Milchprodukte waren erheblich teurer als hier, bei Käse ist die Auswahl klein und wenn man so was wie Camenbert haben will, dann gilt das offenbar als (teure) Spezialität. Nudeln sehr teuer, Weine sowieso, Obst und Gemüse teilweise preiswert, teilweise (Weintrauben) unverständlicherweise sehr teuer. Wir haben nämlich eine Tüte Weintrauben gekauft, nur kurz auf das Preisschild geguckt und nicht gemerkt, dass der Preis pro Pfund war und nicht pro Tüte. An der Kasse habe ich mich dann über die 8,70 $ gewundert … überhaupt sind die verschiedenen Preisauszeichnungen für uns gewöhnungsbedürftig, die Sonderpreise, wenn man zwei nimmt und all solche Sachen … im Februar werden wir noch mal zur Tante müssen, falls der Anwalt bis dahin seine Arbeit getan hat (es geht um Vormundschaftsrecht etc.) …. LG Martin

      3. Pit

        Hallo Martin,
        also bei mir ist es natürlich nur ein Gefühl, so aus dem Bauch heraus, kein stichhaltiger Vergleich, wenn ich meine, ein typischer Einkaufskorb hier im Supermarkt sei nicht teurer als in Deutschland. Ich müsste dann auch einmal per Kassenzettel vergleichen. Aber vielleicht ist das ja auch je nach Bundesstaat bzw. Supermarktkette verschieden.
        Dass die Preisauszeichnungen sehr gewöhnungsbedürftig sind, da stimme ich Dir zu. Und auch die Masseinheiten, besonders die zum Vergleichen der Nährwerte: absolut nichts Einheitliches. Ohne Taschenrechner geht da nichts.
        Wenn Ihr im Februar noch mal rüber müsst, überlegt doch mal, ob ein Abstecher nach oder Umweg über Texas drin ist. Ihr seid hier jederzeit willkommen. Würde uns echt freuen.
        Hab’s fein,
        Pit

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