Wo die Moderne schon wieder nostalgisch ist (Kalifornien 5)

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In Palm Springs stehen einige Gebäude, die zu den Ikonen der modernen Architektur gehören. Verwaltungsgebäude, eine Kirche, aber vor allem Einfamilienhäuser. Alle in den 50er und 60er Jahren entstanden. Wunderschöne Häuser darunter, nur aus Naturstein, Beton, Glas und Stahl.

Einen kleinen Eindruck hier:

http://global.ralphlauren.com/de-de/Magazine/Editorial/Sp12/Pages/desertmodernism.aspx????archive=1&category=Art%20and%20Design

Aber diese Häuser sind längst Geschichte. Sie werden den Touristen auf Sightseeing-Touren gezeigt, vor allem die Häuser, in denen Berühmtheiten wie Sinatra oder Elvis gewohnt haben; jedes Jahr veranstaltet zudem Palm Springs eine „Modernism Week“ mit Rundfahrten in offenen Doppeldecker-Bussen, T-Shirts und speziellen Baseball-Caps.

Die neue Architektur in Palm Desert ist anders. Mehr der Wüste angepasst, runde, bräunliche Formen, keine riesigen Glasfronten, keine Betonung des rechten Winkels.

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26 Gedanken zu „Wo die Moderne schon wieder nostalgisch ist (Kalifornien 5)

  1. puzzleblume

    Die Bilder passen so gut zusammen, als wäre das obere eine Aufnahme aus dem Inneren eines Schneckenhauses und das untere das Schneckenhaus, mit der Kamera am Boden fotografiert, so wirken sie organisch. So eine Schneckenwendelform wäre auch klimatisch günstig – hat das Haus diese Wendelform tatsächlich?

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Schneckenwendelform? Weiß nicht, aber im Gegensatz zu früher baut man heute dort schon viel organischer, auch aus Energie-Gründen. Leider habe ich keine speziellen Bilder von solchen Häusern gemacht. Hier kann man sich das Haus „Palm Desert City Chamber“ (was immer das ist) ansehen: http://www.panoramio.com/photo/26495120 —- hat schon was schneckenhausmäßiges, oder?

      Antwort
      1. emhaeu Autor

        Nun ja, eine gewissen Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen; aber in der heißen Wüste, wo an über 200 Tagen im Jahr die Klimaanlage läuft und man nie heizen muss, ist so eine Bunkerform eher der Umgebung angepasst als Häuser mit riesigen Glasfronten.

      2. Susanne Haun

        Ja, wahrscheinlich habe ich in meinem Kopf eine Verknüpfung vom Beton zum Bunker 🙂 ich sehe die Vorteile des Baus in der Wüste … auch wenn ich sie vielleicht nicht mag…

  2. Pit

    Hallo Martin,
    so ganz langsam lernt man es hierzulande, besonders Kalifornien und New Mexiko sind da die Vorreiter, das man sich der Natur auch anpassen kann, und sie nicht unbedingt vergewaltigen muss.
    LG,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Scheint mir auch so, …., und wenn dann die Klimaanlagen in den Supermärkten noch so eingestellt werden, dass man nicht wieder raus will, um sich aufzuwärmen, dann ist ein weiterer Schritt getan. Im Ernst: Warum es da so kalt sein muss, das will mir einfach nicht in den Kopp …
      LG Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        mit den Klimaanlagen hast Du Recht: vielfach friere ich in den großen Kaufhäusern, Supermärkten und Einkaufszentren. Es will auch mir absolut nicht in den Kopf, warum das so sein muss. Irgendwie gibt es hier eine Besessenheit, was Kälte angeht: die Massen von Eis in Getränken, das eiskalte Bier, die Bierkrüge aus dem Gefrierschrank usw.
        Hab‘ ein feines Wochenende,
        Pit

  3. Susanne Haun

    Da finde ich aber die Moderne, die im Link zu sehen ist ästhetischer, das Haus im Stil von Mies van der Rohe mit den eckigen Kanten.
    Was ist mit Frank Lloyd Wrights Wüstenbauten?

    oder seinem Falling Water?
    http://images.google.de/imgres?imgurl=http://server1.decorcamp.com/images/ideasgn.com/wp-content/uploads/2013/06/Fallingwater-by-Frank-Lloyd-Wright-013.jpg&imgrefurl=http://decorcamp.com/falling-water-frank-lloyd-wright/49/frank-lloyd-wrights-fallingwater/&h=743&w=1204&tbnid=e6wtkviix0No3M:&docid=bv8ES8ZZc-neBM&ei=v_FXVo7XIcOcygOE2ILgBg&tbm=isch&client=ubuntu&iact=rc&uact=3&page=1&start=0&ndsp=27&ved=0ahUKEwjOsqTk9q_JAhVDjnIKHQSsAGwQrQMIVDAR

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Das ist sicherlich ein sehr, sehr schönes Haus; aber es liegt eben im Norden in einer wasserreichen Umgebung, in der es im Winter auch ordentlich kalt wird. Ich finde es gut, wenn die Architektur sich an der Umgebung und den klimatischen Bedingungen orientiert.—
      Der gleiche vermögende Mann, der sich das Fallingwater -Haus hat bauen lassen, hat sich – wie der zufall so will – auch in Palm Springs ein Haus bauen lassen, wieder von einem damals führenden Architekten, nämlich R. Neutra. Auch das ein sehr schönes Haus
      https://www.google.com/search?q=Kaufmann+Desert+House&newwindow=1&safe=off&rlz=1C1GTPM_deDE496DE496&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwj0lujxkbHJAhVBpSwKHRviBfAQ_AUIBygB&biw=1680&bih=987
      aber eines, das Unmengen an Energie verbraucht. Im Sommer muss es sich mit all den Flachdächern enorm aufheizen, die auf den Bildern so schön grün aussehenden Außenanlagen müssen das ganze Jahr über mit Mengen an Wasser beregnet werden. Das wird heute in Süd-Kalifornien gar nicht mehr gerne gesehen, es gehört sich sozusagen nicht, weshalb ich öfters Schilder gesehen habe: „Hier wird mit recyceltem Wasser gesprengt“ …

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Auch wenn ich die Formen und das Glas sehr mag, ist mir klar, dass sie in der Umgebung falsch stehen. Und Wasser in Kalifornien sollte wahrlich nicht verschwendet werden.

  4. khecke

    Martin,
    vielleicht ist noch interessant, dass in den dreissiger Jahren viele Architekten von Bauhaus usw. Deutschland den Ruecken gekehrt haben und nach Amerika gegangen sind. Im Hausbau hat sich ueber die Jahre vieles in Amerika veraendert – wollte selber immer Architekt werden, aber elektromechanischer Design-Ingenieur war dann doch die bessere Entscheidung – zumindest in finanzieller Hinsicht.
    Einiges was man schon viel laenger in Amerika macht, findet erst heute in Deutschland den Einzug. Vor allem wenn es zu Waermedaemfung kommt. Hat auch damit zu tun, dass wir hier extremere Temperaturen als in Deutschland haben.

    Antwort
    1. Pit

      Lieber Karl-Heinz,
      nach meiner Erfahrung ist „Wärmedämmung“ hierzulande eher noch ein Fremdwort. Wärmedämmung kommt hier erst ganz langsam in Mode.
      Hab‘ ein feines Wochenende,
      Pit

      Antwort
    2. emhaeu Autor

      Hallo Karl-Heinz! Das mit der besseren Wärmedämmung glaub ich nun aber nicht, denn hier sind die entsprechenden Vorschriften in den letzten Jahren so verschärft worden, dass manche schon kritisch vom „Dämmwahn“ sprechen. Der Deutsche macht halt alles besonders gründlich ….
      LG Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        nach meinen Erfahrungen hier mit dem Bau unserer neuen Garage kann ich Dir nur zustimmen: ein Holzgerüst, außen wetterfeste Pressspanplatten plus eine etwas ansehnlichere Verkleidung [wir hatten uns für Natursteinverblendung unten und Zedernplanken oben entschieden, aber das ist schon „sehr hohe Qualität“], innen (dünnes) Isoliermaterial [ohne Rücksicht auf Kälte-/Wärmebrücken aufgenagelt] und dann Rigips oder eine sonstige dünne Verblendung – das ist Alles, was man hier in punkto Wärmedämmung tut. Ach ja, und eventuell Schaumstoffflocken über der Decke. Erst in den letzten Jahren ist es aufgekommen, das Dach von unten mit aufgesprühtem Schaumstoff zu isolieren. Ist aber längst noch kein Standard.
        Bilder von unserer Garage hier:
        http://tinyurl.com/o8z3gs4
        http://tinyurl.com/odlwhsu
        Was nichts mit der Isolation zu tun hat, aber die Bauweise hier charakterisiert: ich muss immer erst versuchen, herauszufinden, wo die Balken sind, bevor ich etwas an der Wand aufhänge, und je nachdem unterschiedliche Dübel verwenden. Im Rigips hält ohnehin kaum etwas. Da muss man auf das Gewicht achten. Und wenn man die soliden Balken nehmen will, dann sind sie meistens nicht da, wo man sie braucht.
        Ich erinnere mich noch nur zu deutlich an meinen ersten Besuch in den USA, 1972, bei meiner Schwägerin in Chicago. Da hatte jemand im (Wasch)keller gegen die Wand getreten und … war im Nachbarhaus! Die haben damals auch gesagt bekommen, wieviel Geschirr sie maximal in die Hängeschränke in der Küche packen durften, ehe der ganze Salat herunterkam. An dieser Bauweise hat sich bis heute noch nichts geändert. Ich habe schon bis zu 5-stöckige Gebauede gesehen, die so – nur Holzrahmen und Verkleidung – gebaut wurden.
        Ich kapiere das nicht: wenn man sieht, was nach einem Tornado z.B. übrig bleibt. Das sieht dann ja aus, als habe jemand eine Streichholzschachtel ausgeschüttet. Was stehen bleibt, sind Betongebäude, z.B. die Getreidesilos. Dann geht man her, und baut das Ganze genauso schluderig wieder auf. Und wieder und wieder. Auf die Idee, dass es auf die Dauer billiger ist, von Anfang an haltbar zu bauen, scheint hier noch niemand gekommen zu sein.
        Es ist übrigens auch ein Brandrisiko. Wenn diese Holzgerüste einmal brennen, dann gibt es normalerweise kein Halten mehr. Sieht man sogar bei den Villen der Superreichen in Kalifornien.
        Soweit meine – nicht besonders hohe – Meinung zum Thema „Hausbau in den USA“.
        Habt eine feine Woche,
        Pit

      2. emhaeu Autor

        … ok, ok, Tantes Haus ist aber durchaus massiv gebaut, die ganze Siedlung, das gibt es also auch … und Brandgefahr, um mal ein Gegenargument zu bringen, ist ein Thema, das bei der hier in Deutschland üblichen Wärmedämmung der Fassade von Außen mit Stypopor sträflich vernachlässigt wird. Wenn Styropor einmal brennt, dann ist kein Halten mehr und allerlei giftige Gase werden auch freigesetzt. Allzu stabil sind diese Fassaden auch nicht, das Styropor wird ja nur verputzt … da sind mir die vorgesetzten Ziegel schon lieber, aber das ist natürlich auch ordentlich teuer … schwierig, schwierig …. Lg Martin

      3. Pit

        Hallo Martin,
        baut man in Kalifornien etwa anders? Glaube ich nicht unbedingt. Jedenfalls nicht generell. Nach meinen Erfahrungen ist das Haus Deiner Tante [und die Siedlung] dann eher eine Ausnahme. Was die Feuergefährlichkeit der Styroporisolierung angeht: da hast Du natürlich recht. Aber das Zeugs spritzen sie ja – wenn man denn hier seinen Dachraum (so) isolieren möchte, auf das Holz = doppelt gefährlich.
        Liebe Grüße, und eine schöne Adventszeit,
        Pit

      4. emhaeu Autor

        …. da wäre Tante aber beleidigt, wenn jemand sagen würde, ihr Haus wäre nicht massiv. Ihr (verstorbener) Mann hat sich als Auswanderer ab 1954 ja einen Namen und auch Geld gemacht, indem er Elektroinstallationen mit deutscher Gründlichkeit gemacht hat.
        Wünsche dir eine schöne Zeit!
        Martin

      5. Pit

        Ich will ja nicht abstreiten, dass es hierzulande auch ordentlich gebaute Haeuser gibt. 😉 Soll ja tatsaechlich vorkommen. Ja, ja, die Elektroinstallation: das sieht hier normalerweise, sogar bei teuren Haeusern, eher wie in der Dritten Welt aus. 😉

  5. Manfred Voita

    Es ist sicher richtig, dass die Architektur sich den Bedingungen anpassen sollte, die von der Natur vorgegeben sind. Gerade im oft trüben Deutschland sind große Glasfassaden, die das Licht ins Haus holen, ein Gewinn. Abgesehen davon, fasziniert mich Bauhaus aber ohnehin.

    Antwort

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