Thomas Bernhard: Immanuel Kant

Kant en Alta Mar 1In irgendeinem Blog (sorry, ich habe vergessen, wo) war letztens ein längerer Beitrag über schwer verdauliche Literatur, über anspruchsvolle Werke, die dem Leser einiges abverlangen. Thomas Bernhard ist sicherlich auch keine Nebenbei-Lektüre und Theaterstücke schon mal sowieso nicht, denn die sind ja nicht zum Lesen da.

Bernhards „Immanuel Kant“ ist eine Komödie. Na ja, so richtig lustig ist das Stück nicht und ob es gut ausgeht, ist, sagen wir mal, sehr fraglich. Und trotzdem habe ich diese Komödie eines normalerweise als duster-pessimistisch geltenden Autors mit großem Vergnügen gelesen. Nichts schweres, ein Stück, das man sich auf vielen Bühnen vorstellen kann. Kant, der große Philosoph, auf einer Schiffsreise Reise in die USA, begleitet von seinem Papagei, seiner Frau und einem Diener.

Schon nach diesem Satz ist klar, dass Bernhard hier nicht einfach den historischen Kant auf die Bühne gestellt hat: Der war ja bekanntlich nie verheiratet, hat Königsberg nie verlassen und von einem Papageien wissen die Kant-Biografen auch nichts. Es wird auch schnell klar, dass das Stück gar nicht um 1800 spielt, sondern um 1930.

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Bernhards Kant ist ziemlich vertrottelt, hat nur noch Bruchstücke seiner Philosophie auf Lager, kann kaum noch sehen; im Mittelpunkt seines Denkens steht sein Papagei. Das kann man natürlich als Abgesang auf die Kantsche Philosophie lesen, als Verspottung der Aufklärung. Aber so einfach ist die Sache nicht, denn man kann das Stück auch als eine böse Komödie über einen Irren lesen, der sich für Kant ausgibt und auf den die aufgeblasenen, aber dummen Mitpassagiere reinfallen.

Warum „Immanuel Kant“ bislang erst von 2 Theatern aufgeführt worden ist, verstehe ich nicht. Hat wohl einen schlechten Ruf, denn meine Thomas-Bernhard-Bücher haben sich alle schnell verkauft – bis auf diese Komödie und die Erzählung „Die Billigesser“. Die werde ich auch noch einmal lesen.

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6 Gedanken zu „Thomas Bernhard: Immanuel Kant

    1. emhaeu Autor

      …. weil ich vor der Lektüre mir im Internet Bilder von der Inszenierung in Zürich angeschaut habe, hatte ich dann beim Lesen immer diese Bilder vor Augen ….

      Antwort
  1. Susanne Haun

    Ich habe es auf meine Liste mit Büchern gesetzt, die ich unbedingt lesen möchte. Zu Weihnachten habe ich von Micha einen Tolino bekommen und bin ganz enttäuscht, die meisten Bücher, die ich lesen möchte gibt es gar nicht als ebook.
    Einen schönen Abend von Susanne

    Antwort

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