Die Fahne

Eines der zahlreichen Kinderbilder, die ich digitalisiere: Meine drei älteren Schwestern im leeren Planschbecken in dem Garten des damaligen Hauses meiner Eltern. Unbeschwerte Kindheit.

Aber wir schreiben das Jahr 1940 – der Vater ist im Krieg (er wird 7 Jahre lang nur ein sporadischer Gast sein) und würden die Kinder nicht in das Planschbecken, sondern zum Nachbarn gucken, dann würden sie sehen, wie dort eine große Hakenkreuzfahne weht.

kinderhaken

Advertisements

5 Gedanken zu „Die Fahne

  1. Manfred Voita

    Da ich, wie wohl die meisten, zuerst auf das Foto geguckt habe, sah ich nur die Idylle. Drei kleine Mädchen… und dann erst dein Text, der plötzlich alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Allerdings dürften deine Schwestern von den Problemen ihrer Zeit wenig mitbekommen haben, 1940 jedenfalls noch nicht.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Den Krieg hat man sicher mitbekommen, nicht nur der Vater war ja plötzlich weg; dann kamen die „Ostarbeiter“ auf den Hof, Zwangsarbeiter aus der Ukraine. Auch das wurde sicherlich bemerkt, aber natürlich können Kinder so etwas nicht einordnen.

      Antwort
  2. puzzleblume

    Nach den Erzählungen in meiner Familie glaube ich auch, dass die häufige und längere Abwesenheit der männlichen Familienmitglieder von Kindern mehr bemerkt wurde als alles andere. Erklärt wurde nichts und dann fragten sie auch nicht, ein Erziehungsprinzip, das lange nachwirkt.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Das Seltsame ist, dass meine älteren Schwestern die Abwesenheit des Vaters so mehr oder weniger achselzuckend abtun. Kann ich mir nicht so recht erklären – vielleicht durften tatsächlich nicht zu viele Fragen gestellt werden. Auf den vielen Bildern aus der Kriegszeit, die ich habe, ist der Vater nur ein Mal zu sehen – in Uniform, und zwar vor Kriegsbeginn, als er zu einer Übung einrücken musste.

      Antwort
      1. puzzleblume

        Das könnte ich mir vorstellen, dass sie ein Tabu gespürt haben. Von meinem Großvater habe ich erst in den späten 90er Jahren, als mein Vater sich vor seinem Tode sehr mit der Vergangenheit beschäftigt hatte, mehrere Fotos in Uniform, bzw, eigentlich harmlos aussehende Bilder von unterwegs irgendwo aus Frankreich und Tschechien zum ersten Mal gesehen, die nie im Familienalbum waren, auch eines von meiner Grossmutter bei Schanzarbeiten irgendwo in Ostpreussen – es sollte wohl tatsächlich nicht gefragt werden. Nur auf einem Bild, entstanden als allerletztes Familienfoto überhaupt, anlässlich der Konfirmation meines Vaters, ist halbverdeckt Uniform zu erkenne, und eine Ausgehuniformmütze. Mein Bruder und ich haben danach auch nie näher gefragt, denn wir wussten ja, dass die Antwort Schmerz verursachte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s