TV dinner by the pool

„TV dinner by the pool / I’m so glad I finished school“ sang Frank Zappa auf dem Album „Absolutely Free“. Das war 1967, ich hatte noch gut zwei Jahre bis zum Schulende und fand das alles absolut toll: Irgendwie hat der gute Zappa da die kalifornische Oberschicht auf die Schüppe genommen, die ihr feines Dinner am Pool einnimmt und dabei fernsieht.

Es hat 49 Jahre gedauert, bis ich durch einen Zufall herausbekommen habe, dass von einem feinen Dinner keine Rede war – ein TV-Dinner ist nichts als ein Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe, dass man direkt aus der Plastikschale isst. Na so was.

Buecherzappa

Foto: Roswitha Mecke

Zappa, das war irgendwie wild, antibürgerlich,  Kritik an den USA, das gefiel der APO und ihrem Umfeld und man hängte das bekannte Poster in die WG. Ein Missverständnis, wie mir scheint. Zappa war nie links, den Kommunismus hat er mit scharfen Worten kritisiert, sich selbst als praktischen Konservativen bezeichnet. Seine Kritik an den USA war immer Kritik an bestimmten politischen Entwicklungen, die er als Fehlentwicklungen begriff. Zappa war nicht gegen Reagan, weil Reagan ein konservativer Amerikaner, ein „Rechter“ war, sondern weil er der Meinung war, Leute wie Reagan würden die ursprünglichen, freiheitlichen Ideale der USA verraten. Zappa hat sich auch politisch engagiert, und zwar bei den Libertären, für Leute wie Rand Paul; der hat bekanntlich politische Ansichten, die dem aufrechten deutschen Linken ein Greuel waren und sind: Verkleinerung des Staates auf das absolut Notwendige, radikale Steuersenkungen, Beendigung aller staatlichen Umverteilung, freies Unternehmertum, keinerlei staatliche Bevormundung, weder bei Drogen (die er Zeit seines Lebens für sich selbst streng ablehnte) noch bei Pornografie oder sonstigem, das Recht des freien Bürgers, sich selbst mit Waffen zu verteidigen, keine Einmischung des Staates in das Spiel des Marktes.  Nicht jeder, der wild gegen den Komformitätsdruck polemisiert, gegen die langweiligen Plastic People, die ein Fertiggericht vor dem Fernseher löffeln,  ist von sozialistischer Staatsgläubigkeit geleitet.

Die Musik ist auch 49 Jahre später noch super.

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2 Gedanken zu „TV dinner by the pool

  1. puzzleblume

    Der Ansicht, dass man den Menschen zutrauen muss, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, möchte man sich intellektuell zu gern anschliessen, wäre es denn auch realistisch. Wenn es mit der Eigenverantwortung schon im Emotionalen nicht funktioniert, dann im wirtschaftlichen Zusammenleben noch schlechter. Auch kann damit niemand Karriere machen, schon gar nicht im durch und durch polemisch motivert spendengetragenen U.S.amerikanischen Wahlsystem, und darum bleibt es bei der nur im Geiste konstruierbaren Vorstellung von solchen sozialen Gebilden.
    Das „TV-Dinner“ fasst es im Wesen seiner „trash“-Komponenten ja auch die Illusion schon bündig zusammen, auch die von Frank Zappa.

    Antwort
  2. emhaeu Autor

    Es scheint ja so zu sein, leider, dass Wege, die schnell&einfach ins Paradies führen wollen, nicht so recht zum Ziel führen. Im Emotionssumpf behauptet der Navi dann immer noch, er wüsste, wo es langgeht, aber was hilft das, wenn man im Matsch fest steckt.

    Antwort

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