Ackerrandstreifenprogramm

IMG_0240

Der Landwirt, der das Feld neben unserem Haus bewirtschaftet, nimmt ab diesem Jahr am „Ackerrandstreifenprogramm“ teil. Ein 3 Meter breiter Streifen ist, wie man sieht, mit allerlei Feldblumen bestellt.

Ist schön anzusehen, sicherlich auch fein für die Bienchen und Käferlein, während die Karnickel sich lieber im Getreide tummeln.

Nur denk ich mir manchmal: Was muss das für ein reiches und vor allem sattes Land sein, dessen Bürger dem Staat Geld geben, damit der Staat dem Bauern Geld gibt, damit der Bauer kein Getreide anbaut, sondern etwas, was aus der Sicht dessen, der Lebensmittel produziert, Unkraut ist.

IMG_0244

Damit verbunden ist übrigens eine gewaltige Bürokratie; denn was man wie säen und bewirtschaften muss, damit man die Förderung bekommt, ist in langen Papieren festgelegt. Und natürlich auch die Ausnahmen: Wenn nämlich sich durch den Nichteinsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln (auch mechanische Unkrautbekämpfung ist verboten) sogenannte Problemunkräuter wie das Klettenlaubkraut ausbreiten, dann dürfen nach Kontrolle und Begutachtung durch die zuständige Behörde doch Maßnahmen gegen das falsche Kraut ergriffen werden.

Etwas kommt mir komisch vor: Man sieht auf dem unteren Bild, dass neben dem offiziellen Ackerrandstreifen sich noch ein Randstreifen befindet, dann kommt ein Fußweg, dann der Lärmschutzwall, der bis zur Bahnlinie nochmals einen über 100 Meter breiten naturbelassenen „Ackerrandstreifen“ bildet, am Horizont sich nochmals erheblich verbreiternd und in das ökologisch angelegte „Kirchenwäldchen“ übergehend, das seinerseits in eine sogenannte Kompensationsfläche für den Autobahnbau übergeht. Naturbelassene Randflächen, mag man sich gedacht haben, kann es nie genug geben.

 

Advertisements

11 Gedanken zu „Ackerrandstreifenprogramm

  1. Pit

    Hallo Martin,
    ich stimme Dir zu: wir regulieren und verwalten uns noch zu Tode. Nur die Buerokratie wird ueberleben. 😉 Trotzdem: der Randstreifen sieht schoen aus.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit
    P.S. zur Buerokratie: da denke ich immer an Reinhard Mey und den „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“ oder an einen Mainzelmaennchen-Cartoon, wo sie am einem langen Tischsitzen, und der Reihe nach ein Formular abstempeln, bis der lezte es dann in den Papierkorb wirft.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Hallo Pit!
      Die Vorbilder der Mainzelmännchen sitzen wahrscheinlich immer noch in Mainz in der Senderzentrale und stempeln immer noch … meine Illusion, im sonnigen Kalifornien ginge es anders zu, ist zerstoben, seit dem ich dort wegen der Tante einen Einblick in das Gerichtswesen bekommen habe.
      Schönen Sonntag!
      Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        die Vorbilder der Mainzelmännchen sitzen in unserer Staatsbürokratie. Was die hiesige amerikanische Bürokratie angeht, da kann ich Dir nur Recht geben. Nach meinen Erfahrungen mit Visum- und Green-Card-Anträgen habe ich immer gesagt, die Amerikaner haben die Bürokratie bei Preussens gelernt und dann noch ganz wesentlich verfeinert. 😉
        Es geht aber, zumindest auf lokaler Ebene, auch anders: die Stadt hat bei uns im vergangenen Jahr ein Stück Randstein an der Straße angelegt, mit dem Erfolg, dass jetzt bei starken Regenfällen das Wasser über unsere erste Einfahrt auf unser Grundstück und möglicherweise ins Haus zu schwappen drohte. Ich habe also beim Straßenbauamt angerufen. Ich konnte zwar nur eine Nachricht auf Band sprechen, aber innerhalb einer Viertelstunde kam der Rückruf, innerhalb einer weiteren halben Stunde war der zuständige Mann hier, um die Probleme in Augenschein zu nehmen, und innerhalb von weiteren zwei Wochen waren die Arbeiter hier und haben den Graben, durch den das Wasser läuft, veriteft und dann asphaltiert. Das Ganze übrigens kostenlos, da der Teil der Einfahrt auf Stadtgebiet und nicht auf unserem Besitz/Grundstück liegt. Nichts da mit „Anliegerkosten‘!
        Hab‘ ein feines Wochenende,
        Pit

  2. Ulli

    D bürokratisiert eben gerne … trotzdem mag ich diese Ackerrandstreifen … tja, wat dem Eenen sin Uhl is … du weisst schon!
    liebe Grüsse und hab ein schönes Wochenende
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Die echten Ackerrandstreifen sehen in der tat nicht so gut aus wie die angesäten. Im Garten bei uns tauchen übrigens beide gelegenlich auf: Die Waldohreule und die Nachtigall – so haben wir die freie Wahl (;-))

      Antwort
      1. Ulli

        ihr seid zu beneiden, hier tauchen nur noch Schwalben in Pfützen … kleiner Scherz und wenn ich jetzt mal meine mailliste abgearbeitet habe, seid ihr auch endlich dran … ach Martin …
        herzliche Grüsse
        Ulli

  3. puzzleblume

    Eine teure Heuchelei ist das, wenn solche Streifen extra ausgesät werden, meist mit Blütenpflanzen, die eher nicht in die Landschaft gehören (Malven, Phacelia, Sonneblumen…) und mit der Erntezeit vernichtet, ausgerechnet dann, wenn durch eben diese Ernte das Nahrungsangebot für die Tierwelt in natürlichen Streifen wichtig wäre. Aber so lässt sich klammheimlich der Wildwuchs weiter einschränken und der unbedarfte Betrachter freut sich über Blümchen, wo Brennesseln, Gräser, Leimkraut und alle möglichen Doldenblütler hingehören, von denen die einheimischen Schmetterlingsraupen sich ernähren könnten, während die typischen Buntstreifenmischungen diesbezüglich wertlos sind.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich bin gespannt, was bei der Ernte mit dem Streifen passiert … dass, wie ich im nächsten Post geschrieben habe, der Landwirt inzwischen die echten Randstreifen abgemäht hat, gibt Dir aber schon mal recht. Ich habe den echten Randstreifen auch fotografiert, Foto lagert aber noch in den Tiefen der digitalen Welt.

      Antwort
  4. hansekiki

    Einerseits gefallen mir Blümchen am Feldrand, andererseits ist ja anscheinend hier auch wieder alles unter Kontrolle. Nur so darf es sein. Traurig, weil mit Natur hat das nicht viel zu tun. In vielen Gebieten im Osten scheint man das lockerer zu sehen, und dort wirkt es dann auch natürlich.
    LG kiki

    Antwort
  5. emhaeu Autor

    Habe ich auch in einem Blog aus der Gegend von Demmin gesehen. Aber selbstverständlich war das da auch nicht, da ist ziemlich gekämpft worden um die natürliche Natur …

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s