Unser Brot

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„Hier wächst unser Brot!“ pflegte der Vater meines Schwagers seinen 5 Söhnen zu sagen, wenn sie an einem Getreidefeld vorbei kamen. Klingt pathetisch, hat mir nie gefallen.

Wer in einem der beiden Erzählungsbände liest, die dieser Mann, der Albert Hantsch hieß, geschrieben hat, kann sich diese Ehrfurcht vor den Früchten des Feldes leicht erklären. In seinem kleinen Erzählband, der den für Nicht-Insider unverständlichen Titel „Vom Hummel zur Heuscheuer“ trägt, beschreibt er, mit welcher Mühe seine Eltern einen kleinen, steilen Bergacker mit Kartoffeln bebaut haben, Kartoffeln, die dann den ganzen Winter über als Nahrungsgrundlage der Familie gedient haben. Das war kurz nach 1900 in dem direkt an der tschechischen Grenze gelegenen Ort Tscherbeney, wo auch damals noch in der kleinen Wohnstube der große Webstuhl stand und von früh bis spät gewebt wurde, Zustände herrschten, wie sie Gerhart Hauptmann in seinem Drama „Die Weber“ geschildert hat.

 

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13 Gedanken zu „Unser Brot

  1. puzzleblume

    Manches der über persönliche Not so schweigsamen Generation, die andererseits so bis zum Überdruss moralisieren konnte, wird einem paradoxerweise erst aus der Distanz möglich.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Danke & einen schönen Sonntag bei Euch, wo es hoffentlich nicht so warm ist wie in Palm Desert derzeit, wo Roswithas Tante über täglich 120 Grad klagt …. LG Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        so heiß wird es bei uns glücklicherweise nicht. Normalerweise so zwischen 95 und 100 Grad Fahrenheit. Über 100 kann es zwar auch schon mal gehen, aber bei Weitem nicht so häufig wie früher in Karnes City. Hier in Texas Hill Country liegen wir ja höher und auch weiter vom Meer [Golfküste] weg. Das macht sich schon bemerkbar. Ganz besonders auch in der geringeren Luftfeuchtigkeit.
        Mach’s gut,
        Pit

  2. Manfred Voita

    Die unmittelbare Beziehung zu dem, was da produziert wird, hatte einen Wert, der uns abhanden gekommen ist. Ich weiß nicht mal, was da wächst und was man damit macht. Und statt an „unser Brot“ denke ich an Glyphosat und Nitrat.

    Antwort
  3. Ulli

    Ich finde es überhaupt nicht pathetisch, einfach nur realistisch- aber vielleicht liegt ja der Pathos darin, wenn es jedesmal gesagt wird. Ansonsten ist ja die Frage, wer heute zum beispiel noch weiss, dass du uns Gerste zeigst … Kinder müssen auf Kinderbauernhöfe, um zu lernen, dass Milch nicht aus der Tüte kommt, etc. Ja, gross ist der Wandel.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Upps, mein Vater, der sein Leben lang Landwirt wart, hat zum Glück nicht mitbekommen, dass ich nicht wusste, dass das auf dem Bild Gerste ist … kann ich mir einfach nicht merken …
      Schöne Zeit!
      Martin

      Antwort

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