Schön kaputt

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Fotoaustellung in Köln-Ehrenfeld. Ein toller Platz für Ausstellungen, meinte einer der drei jungen beteiligten Fotografen. Ach, dachte ich ohne es zu sagen, abgerissene Tapeten, kaputte Fußböden, Möbel vom Sperrmüll: Seid ihr immer noch auf dem Trip? Muss die heutige Generation immer noch gegen die als spießig empfundene Ordnung daheim auflehnen und deswegen das Kaputte schick finden?

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Ein paar Tage besuche ich eine entfernte Verwandte, eine junge Mutter mit zwei Söhnen; der Schreibtisch, ein Erbstück aus Familienbesitz, passt nicht mehr zur Einrichtung, ich kann ihn haben. Wir gehen durchs Wohnzimmer in die Küche, wo das gute Stück schon bereit steht. Weder im Wohnzimmer noch in der Küche liegt irgendetwas herum, keine Zeitung, keine ungespülte Kaffeetasse, nicht einmal Speiseöl oder Gewürze. Alles weiß und leer. —- Die beiden Söhne, dachte ich mir, werden später auch nach Köln-Ehrenfeld ziehen und Möbel vom Sperrmüll auf kaputten Fußböden superschick finden …

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13 Gedanken zu „Schön kaputt

    1. emhaeu Autor

      Eine widerwillige heimliche Sympathisantin – ja, doch als Gegenentwurf zum Überstylten ziehe ich das Normale vor. Und was, höre ich schon die Gegenfragen, was bitteschön ist das Normale im Wohnungswesen?

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      1. puzzleblume

        Das „Ideal-Normale“ wäre, nehme ich an, worüber niemandem etwas zu lästern einfiele, das „Real-Normale“ hingegen das, was jeder kennt und als räumliche, finanziell und psychisch beengte Alltäglichkeit empfindet.

      2. emhaeu Autor

        Das locker selbstverständliche ideal-normale, das mein iPod einfach nicht groß schreiben will, wie es sich gehören täte

  1. hansekiki

    Erinnert mich an meine Wenigkeit kurz nach dem Auzug aus dem Elternhaus. Man wollte Verwegenheitspunkte sammeln, so war das damals halt. 😀
    Hat sich anscheinend nicht geändert. Gönn es ihnen. 😉 irgendwann kommt auch bei denen die maßgeschneiderte Einbauküche. 😉
    LG kiki

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Nur wenige kommen an der maßgeschneiderten Einbauküche vorbei – wir selbst haben es immerhin bis zum Alter von 52 geschafft – vorher waren da maßgeschneiderte Eigenbau-Küchen der eher verwegenen und unpraktischen Art … Lg Martin

      Antwort
  2. Susanne Haun

    Meine Mama hatte das ganze Haus voller Stehrümchen, was bei mir dazu geführt hat, dass ich jegliche Art von Nippes nicht mag, aber die Gänseknochen, vertrocketen Blumen und Puppenköpfe, Tiergerippe stehen dafür in meinen Stilllebenregalen 🙂
    Liebe Grüße von Susanne

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      „Stehrümchen“ ist ja ein feines Wort, kannte ich noch nicht. – Meine Mutter hatte eine Aversion gegen Nippes aller Art, sagte sie jedenfalls, was bei ihr herum stand, waren nur Ausnahmen, sagte sie, von meiner Oma handgemaltes Porzellan beispielsweise. Und bei dem, was sonst noch herum stand und geschmacklich noch verwegener war, da meinte meine Mutter immer: „Ein Kitscheckchen braucht jeder“
      Einen schönen Gruß nach Berlin!
      Martin

      Antwort
  3. juergen61

    Da gebe ich KIKI recht, sieht doch gar nicht so schlecht aus da oben…und in 5 Jahren treffen wir sie alle bei Ikea wieder 🙂
    Und ich gebe zu, Kirscheckchen habe ich auch…nur heisst das bei mir dann natürlich: qualitätsvolle Sammlung verwegener Altertümer schwerste erobert auf diversen Flohmärkten…ansonsten sind meine Wände aber leer und neutralgrau gestrichen…das bringt der Beruf so mit sich…
    Beste Grüsse, Jürgen

    Antwort

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