Die Quitte von der Streuobstwiese

quitte

Vor fast 20 Jahren hat der ökologisch engagierte Pastor unseres Dorfes auf dem großen Grünlandstreifen, der das Dorf in zwei Hälften trennt, eine Streuobstwiese anlegen lassen. Direkt hinter dem Kindergarten, der auch in den Grünstreifen hinein gebaut wurde. Sicherlich nicht verkehrt, obwohl mich schon ein wenig stört, dass damit ein weiterer Teil dieses Grünstreifens „umgenutzt“ worden ist: Ein Stück wurde für die neue Schule heraus geschnitten („Grundschule im Park“), ein Stück für einen weiteren Kindergarten (für unserer Kinder ist uns halt nichts zu schade), ein Stück für den Kirmes- und Festplatz (unsere Vereine sind das Rückgrat des Dorflebens), ein Stück als Parkplatz für die Schule und die Kindergärten, ein Stück für eine Reithalle nebst Außenreitanlagen (wer hat schon was gegen Pferde und unser Pferdetherapiezentrum ist ein wichtiger Gewerbebetrieb) ein asphaltierter Fußballplatz (für unsere Kinder – siehe oben) musste auch noch sein – so wurde der Dorfpark immer kleiner.

Die  Streuobstwiesen-Bäume sind inzwischen zu stattlicher Größe herangewachsen und tragen viele Früchte: Apfel, Pflaumen, Kirschen und Quitten. Fein, oder? Zum Schutz gegen Hunde (?), Kinder (?), Menschen (?) ist die Wiese eingezäunt. Keine Ahnung, wie man an das Streuobstwiesenobst heran kommen soll. Vielleicht einen Antrag beim Kirchenvorstand stellen? So weit ich sehe, erntet niemand all das Obst, es liegt rum und fault, was natürlich bestimmte Lebewesen freut. Jetzt im Spätherbst lag alles voll von schönen dicken Quitten. Zwei Kisten voll hat jemand aufgehoben und an den Wegrand gestellt. Da standen sie. Niemand hat sich Quitten mitgenommen. Niemand oder fast niemand; ich habe eine in die Einkaufstasche gesteckt und im Garten dekorativ hingelegt. Ich mag keine Quitten.

 

 

 

 

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5 Gedanken zu „Die Quitte von der Streuobstwiese

  1. puzzleblume

    Der Streuobstwiesen-Gründungswille scheint sehr verbreitet, aber auch reichlich planlos umgesetzt zu werden. Hier bei uns gibt es ein solches Projekt, dass erst mit Bürgerspenden aufgebracht wurde, dann mit Regionalzeitungsfotograf vorort groß herausgestellt gepflanzt, aber, nachdem die Lokalpolitiker die Spaten weggelegt hatten, schon in den ersten Wochen zu bewässern vergessen wurde.
    Richtige Quitten hätte ich gern im Garten, die Bäume gehören für mich zu den schönsten Obstbäumen. Meine Marmelade koche ich aber aus Zierquitten, das geht auch.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Aus Zierquitten! …? Wenn ich das gewusst hätte, im alten Garten hatten wir Zierquitten, die immer sehr gut getragen haben. — Quittenbäume sind schön, die Maulwürfe mögen die Wurzeln auch nicht, wachsen aber erstens selten in die Richtung, die der Gärtner sich so vorstellt, und zweitens haben die oft Probleme mit der Rinde – die dünne Rinde blättert ob/schält sich. Erinnere mich, dass mein Vater da immer recht vergeblich gegen gekämpft hat, was andererseits den Baum nicht daran hinderte, zu wachsen und Quitten zu tragen …

      Antwort
      1. puzzleblume

        Ja, Zierquitten kann man auch nehmen, die machen halt etwas mehr Mühe, weil sie kleiner sind und trotzdem hart, aber wenn man nicht zu lange wartet, bis sie noch härter werden, und sie mit einem Sägemesser zerschneidet, geht das doch ganz gut und sie ergeben eine Marmelade mit schön zitronigem Aroma. Ich bin nicht so der Gelee-Typ, ich mag es gern mit Stückchen, weniger Zucker (3:1) und dann passt das auch mal genial zu Fleisch oder Käse. Mein Zierquittenstrauch ist erst ein paar Jahre alt und trägt schon genug für ein paar Gläser. In letzter Zeit bekommt man hier auch ab Hof „richtige“ Quitten zu kaufen, weil wieder mehr Bäume gepflanzt wurden, aber ich habe noch keine kleinbleibenden Halbstamm- oder Strauchvarianten im Angebot gesehen und mir geht der Platz für grosswerdende Bäume aus.
        Wegen der – für andere Obstbäume unnormal geltend – sich ablösenden Rinde scheint man sich keine Sorgen machen zu müssen, das gehört wohl, je nach Sorte mehr oder weniger, als normal dazu.

  2. emhaeu Autor

    Ach, Quittenmarmelade, die weckt bei mir eher zwiespältige Erinnerungen: Im Elternhausgarten stand ein Quittenbaum, der viele, zu viele Quitten trug. Und da jede Quitte verarbeitet werden musste, kochte meine Mutter eine Menge Quittengelee und erklärte dieses Gelee zu einer besonders schmackhaften Kreation. Ich glaube, außer ihr selber mochte niemand Quittengelee besonders gerne. Bis wir umgezogen sind nach hier hatten wir im Garten auch einen Quittenbaum und das gleiche Problem. Alle finden Quitten schön und niemand will sie haben. Wir haben es statt mit Gelee mit Quittenmarmelade probiert, aber auch die blieb so lange stehen, bis alle anderen Marmeladen gegessen waren. — Und gerade traf ich beim Hundespaziergang eine Nachbarin – ob ich nicht ein paar Quitten haben möchte ….
    Also: Wenn du nächstes Jahr selbst Quitten verarbeiten möchtest, dann wende Dich vertrauensvoll an mich …
    Einen schönen Gruß
    Martin

    Antwort

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