Hilfe, mein iPod weiß, wo ich bin!

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Ein Foto vom Rursee, für den, der weiß, wie duster es in der Eifel im Herbst sein kann, nichts besonderes, mit dem iPod aufgenommen vom Boot aus, mitten auf dem See.

Seltsam nur, dass in den zusammen mit der Aufnahme gespeicherten Daten auch der Ausnahmeort erfasst ist.

Ist doch klar, meinte der erste, den ich danach gefragt habe, das wird mit GPS gemacht. – Kann aber nicht sein, weil der iPod gar kein GPS-Modul hat.

Dann irgendwie mit Mobilfunk, der peilt halt die nächsten Mobilfunk-Antennen an. – Kann auch nicht sein, der iPod hat keinerlei Mobilfunk-Modul.

Aber man kann mit dem iPod doch ins Internet. – Ja, klar, aber nur, wenn man sich in ein WLAN einloggt. Leider ist mitten auf dem Rursee  garantiert kein WLAN, erst recht keines, das öffentlich ohne Passwort zugänglich wäre.

Nun leide ich nicht unter Verfolgungswahn und finde es auch nicht so besonders schlimm, wenn mein iPod mit einer rätselhaften Methode speichert, wo ich bin. Andererseits: Irgendwie beunruhigte mich das doch.

Also habe ich mal nachgeforscht. War nicht einfach, meist geht es um Geräte mit GPS oder Mobilfunk. Irgendwann bin ich dann doch auf die Lösung gestoßen:

Es geht tatsächlich mit dem WLAN. Und zwar, obwohl ich mit gar keinem WLAN verbunden bin. Irgendwo nämlich gibt es ein gigantisches Register, in dem sämtliche WLAN-Sender gespeichert werden, mit der genauen Standortangabe. Wenn ich jetzt mit meinem iPod durch die Gegend fahre, dann nimmt der iPod mit jedem erreichbaren WLAN Kontakt auf. Der Einwand, dass ein WLAN bekanntlich nur ein local area network ist, das allenfalls 20 Meter weit geht, zieht nicht: Das mit den 20 Metern gilt nur für das Herstellen einer stabile Verbindung. Dass da überhaupt ein WLAN rumsendet, kann der Empfänger im iPod von erheblich größerer Distanz registrieren.

Wenn ich also jetzt irgendwo ein Bild mache, dann speichert der iPod einfach den Standort des nächstgelegenen WLANs oder den Standort des WLANs, das er zuletzt anpeilen konnte. Letzteres ist nicht unwichtig: Das bedeutet nämlich, dass der iPod auch dann, wenn ich die Kamera gar nicht aktiviert habe und kein Bild mache, ständig darüber Buch führt, im Bereich welcher WLANs ich mich gerade aufhalte…

Beruhigend finde ich das alles nicht.

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15 Gedanken zu „Hilfe, mein iPod weiß, wo ich bin!

  1. Tanja

    Ich finde es erschreckend, wie wir ausspioniert werden! Habe gerade selber dazu etwas geschrieben und wurde von einem Leser auf deinen Beitrag aufmerksam gemacht. Bei mir wusste Xing, mit wem ich in einem Raum gesessen habe! Ich finde das ganz und gar nicht lustig, wenn ich GPS aus habe aber man mich auf den meter genau verfolgt!

    Antwort
  2. Ulli

    Lieber Martin, ich finde das auch eher beunruhigend, im Sinne von George Orwell lässt grüssen und was mit deinem iPod funktioniert, funktioniert ja auch mit allen Smartphones und vielen tablets. Die KritkerInnen dieser Geräte warnen ja schon lange und sagen, dass wir uns ganz freiwillig durchsichtig machen. Ein Terrorstaat, um es mal mit einem drastischsten Beispiel zu sagen, wüsste das alles sofort zu nutzen, nicht auszudenken, wenn du oder alle die anderen plötzlich als gefährliche Elemente eingestuft würden, man hätte dich und alle anderen flugs gefunden-
    aber so funktioniert ja auch fb, amazon und wahrscheinlich auch wp, wir machen uns durchsichtig, Cookies sorgen dafür, dass andere sehen was uns interessiert und überschwemmen und mit Werbung. Als Beispiel, letztens arbeitete ich an einem Artikel fürs Alphabet, der nur geplant, noch nicht erschienen ist- ich erwähnte ein Buch, das ich vor vielen Jahren einmal gelesen habe, nun erscheint auf fb in der Seitenleiste eine Buchwerbung mit sehr verwandtem Titel: mein gelesenes heisst: Das Kind, das eine Katze sein wollte – ich lese jetzt: Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde- alles klar?
    Und nun?
    herzlichste Grüsse
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Liebe Ulli, mit Werbung hatte ich in letztere Zeit auch seltsame Erlebnisse. Werbung finde ich aber nicht so schlimm. Wenn man sich früher z.B. den „Spiegel“ gekauft hat, dann war da 70 – 80% Werbung drin, das allermeiste Kram, der einen nullkommanix interessiert hat. Und von der Samstagausgabe der Tageszeitung konnte man erst mal 80% in die blaue Tonne werfen, …..
      Das wirklich Beunruhigende ist, wie Du schreibst, der Gedanke, dass die Zeiten sich ja auch ändern können, dass also ein wie immer geartetet böser Staat die nun mal vorhandenen Strukturen für sich ausnutzen kann…
      Trotzdem ein schönes Wochenende!
      Martin

      Antwort
      1. Ulli

        Ja, darum geht es!
        Auch dir/euch ein schönes Wochenende, hier ist es zwar klirrekalt (aber wo nicht in D?), aber der Himmel ist blau, die Sonne scheint und beide zusammen locken mich vor die Türe zu gehen, später, wenn die Sonne noch höher steht und mehr wärmt!
        herzlichst
        Ulli

  3. veitraum

    Das ist schon mehr als schaurig. Ich warm bisher darauf bedacht das GPS auszuschalten, um nicht ständig meine Standortdaten durch die Welt zu schicken. Und nun diese Information…

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      … hilft leider nichts, das mit dem GPS … da hilft nur das Smartphone (und die netzwerkfähige Kamera!) auf „Flugmodus“ zu stellen ….

      Antwort
  4. Pit

    Hallo Martin,
    das ist ein aufschlusreicher Beitrag. Dass auch ein iPod das tut, wusste ich nicht. Von Smartphones schon. Hochinteressant dazu war mal ein Artikel, den ich im vergangenen Jahr gelesen habe, dass man aus den Smartphone Daten ohne viel Probleme ein (fast) totales Bewegungsprofil ertsellen kann – so gut wie lueckenlos. Orwell laesst gruessen.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Halo!
      Klar kann man ein Bewegungsprofil erstellen, sonst würden ja auch so Funktionen wie „Find mein Handy“ oder „Freunde in meiner Nähe“ nicht funktionieren. Ich dachte halt nur immer, ein Musikabspielgerät wie der iPod täte dergleichen nicht. Tatsächlich kann man vermutlich auch bei alle den modernen Kameras, die Netzwerkfähig sind, ein Bewegungsprofil erstellen … LG Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        was ich vergessen hatte: es war nicht nur das reine Bewegungsprofil, um das es damals in dem Artikel ging, sondern mhr noch um das, was man aus diesem Bewegungsprofil ueber die Person selber schliessen konnte, bis z.B. hin zu politischen Interessen.
        Hab‘ noch einen feinen Restsonntag,
        Pit

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