Das Ende meiner Tissot Seastar Seven

Zum Abitur bekommt man was geschenkt, klar. Als ich 1970 Abitur machte, wünschte ich mir von meiner Eltern eine Uhr. Ich weiß nicht mehr warum, aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, eine schweizer Uhr müsse es sein, eine Tissot.

Wie immer in solchen Fällen studierte ich lange den Katalog und entschied mich letztlich für eine Seastar Seven, Edelstahl, Handaufzug, keine Datumsanzeige, also das einfachste Modell. Die Automatik-Modelle, die vergoldeten oder gar die goldenen überstiegen nämlich erheblich das Limit, das meine Eltern gesetzt hatten. 150 DM hat das gute Stück gekostet, wenn ich mich richtig erinnere.

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Leider eine Enttäuschung. Denn erstens war das Ding bei weitem nicht so wasserdicht oder auch nur geschützt gegen Spritzwasser, wie der Name „Seastar“ suggerierte. Als Regatta-Uhr brauchte ich schon bald eine andere. Zweitens aber ging sie schon recht bald kaputt, und als ich damit zum Tissot-Service ging, erklärte man mir nicht ohne eine gewisse Hochnäsigkeit, dass sich bei solch einer Uhr aus dem Einsteiger-Segment eine Reparatur nicht lohne.

Später habe ich die Uhr noch einem polnischen Uhrmacher vorgelegt – polnische Uhrmacher waren eine Zeitlang der Geheimtipp – aber dem fehlte das entsprechende Ersatzteil.

Zum Uni-Examen bekam ich wieder eine Uhr geschenkt, diesmal eine Quarzuhr von Seiko, ein hübsches Ding, ultra-flach, teuer als meine Tissot und noch schneller kaputt. Die Seiko habe ich vor Wut in den Müll geworfen, die Tissot aber behalten. Über 40 Jahre hat sie in einer Kiste gelegen, in der sich mit der Zeit noch einige Uhren mehr angesammelt haben.

Tatsächlich trage ich gar nicht gerne Uhren, stören mich am Handgelenk. Aber irgendwie sind sie doch schön, die alten mechanischen Teile und so trage ich nur die eine oder andere ab und zu, ähnlich wie man ein Schmuckstück anlegt.

Jetzt habe ich mich von dieser Uhr und noch zwei anderen. Es reicht doch, dachte ich, wenn 5 Uhren in der Schachtel liegen und darauf warten, mal getragen zu werden. Verkauft bei Ebay für 23 Euro, für eine defekte Uhr kein schlechter Preis. In optisch gutem Zustand und voll funktionsfähig zahlen Sammler locker 100 € für solch eine Uhr, also mehr als die umgerechnet 75 €, die sie damals gekostet hat ….

 

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7 Gedanken zu „Das Ende meiner Tissot Seastar Seven

    1. emhaeu Autor

      Hallo Pit!
      Ja wenn sie denn dann laufen würde — ich habe sogar versucht, über Ebay die gleiche Uhr in gutem zustand zu ersteigern, da waren mir dann aber die Preise für den Spass zu hoch – bin ja kein Uhren-Sammler …
      Liebe Grüße!
      Martin

      Antwort
  1. Susanne Haun

    Guten Morgen, Martin,
    ich habe 1979 von meinen Eltern eine goldene Uhr zu Konfirmation bekommen. Eine kleine quadratische im Stil der 70zger Jahre. Inzwischen habe ich schon ein Quarzuhrwerk einbauen lassen, das schön alte Werk war entzwei und wie du schon schreibst, es gab keine Ersatzteile mehr.
    Manchmal schaue ich Bares für Rares mit meinem Vater und dort wurde „meine“ Uhr für 700 Euro verkauft. Ich schätze noch mit original Werk. Interessant!
    Ich mag meine Uhr, trage sie nicht täglich aber doch die Zeit in der Woche, die ich eine goldene Kette trage. Für silberne Ketten habe ich eine dänische Uhr – Skagen, von meinem Bruder und meiner Schwägerin zum 40. Geburtstag bekommen.
    Mehr Uhren benötige ich auch nicht. Ich habe vor einiger Zeit ebenfalls meine gesamten Modeuhren bei ebay vertickert. Das ging gut!
    Bist du nicht traurig, dich von diesem Stück Erinnerung getrennt zu haben? Wollte deine Tochter sie nicht für ihre Schatzkiste?
    Viele Grüße von Susanne

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ach, liebe Susanne, die Kinder, die wollen die Erinnerungen ihrer Eltern nicht; wenn es sich um eine goldene gehandelt hätte, so wie bei Dir, dann wäre es schon eher was für die Schatzkiste … der Käufer der Uhr hat mich übrigens angerufen, er will sie „schlachten“, denn er ist nur auf der Suche nach Ersatzteilen – das tut mir dann doch leid …. schönen Tag! Martin

      Antwort
      1. Susanne Haun

        Das ist wirklich traurig, Martin. Ich habe gestern mit meinem Vater wieder ein Regalbrett meiner Mutter sortiert. Wir werden das ganze Jahr damit beschäftigt sein, ihre Dinge zu ordnen und wir werden kein Stück weiter kommen. Mein Platz ist begrenzt, ich kann kaum noch mehr Dinge meiner Mutter aufnehmen und das ganze Haus meiner Eltern ist voll davon. Mein Vater und ich bringen es nicht über das Herz, ihre Dinge zu „entsorgen“ oder zu verkaufen. Sie sind oft so liebevoll aufbewart, dass wir verzweifeln.
        Somit tust du wirklich gut daran, selber zu entscheiden, was du behälst und was du verkaufst. Ich hätte mir sehr gewünscht, meine Mutter hätte uns nicht mit dieser Fülle an Dingen kontrontiert….
        Dir auch einen schönen Tag, Susanne

  2. puzzleblume

    Hätte mir der Tissot-Uhrenhändler persönlich das Einsteiger-Segment seiner eigenen Handelsmarke so abqualifiziert, hätte die gesamte Firma für mich ihren Nimbus eingebüsst, so dass nur die Erinnerung an den durch die Eltern zum Anlass erbrachten Wert noch den Gegenstand aufhebenswert gemacht hätte. Aber ich habe das im Zusammenhang mit Überbleibseln aus jener Zeit schön öfter nachträglich als relativ erkannt, was auch aus Sicht meiner Eltern echte Herzensangelegenheiten waren, und was anlassgemäss, so dass Trennungen von Gegenständen nicht immer wie Verstösse gegen Empfindungen erscheinen mussten. Das Wegwerfen der Schraubensammlung meines Vaters ist mir zum Beispiel viel schwerer gefallen, als meine erste Armbanduhr (Kienzle, ein Weihnachtsgeschenk 1966, damals als teuer geltend) vierzig Jahre später als nicht mehr reparabel wegzutun.

    Antwort

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