Mein Schieberchen

schieber

Ich weiß gar nicht, wie so ein Ding korrekt heißt: In Kindersprache hieß das bei uns „Schieberchen“. Das Foto zeigt mein „Schieberchen“, das ich beim Aufräumen wieder gefunden habe.

Komisch, heutzutage scheint dieses nützliche Besteckteil, mit dem man auf dem Teller prima das, was einem auf den Teller geladen wurde, hin- und herschieben konnte, bis es dann hieß: Nun iss doch endlich! Was meist damit endete, dass jemand mich fütterte, der war ja so dünn, der Junge! —- heutzutage jedenfalls scheinen die Schieberchen aus der Mode zu sein. Es gibt sie noch zu kaufen, aber nur in Silber oder edlen Besteckserien. Die anderen Kinder essen wahrscheinlich mit den Fingern, so rät z.B. die Seite familie.de,

es sei wichtig für das Kind, das Essen anzufassen:  So sammelt es Informationen über die Konsistenz verschiedenen Essens und lernt dazu. Außerdem bereitet das Fühlen und Matschen mit dem Essen die pure Sinnesfreude. Babys sollen deshalb mit den Fingern essen dürfen – und zwar ohne, dass Mama und Papa es immerzu ermahnen, nicht so zu kleckern. Sorgen Sie lieber mit Lätzchen und Wachstischdecke dafür, dass sich das unvermeidbare Chaos ein wenig in Grenzen hält.

Pure Sinnesfreude – ich vermute mal, spätestens in der heute fast schon obligatorischen Kita werden die Erzieher und Erzieherinnen da kräftig gegensteuern, da ihre Sinnesfreude bei einem Haufen mit dem Essen matschender Kinder stark beeinträchtigt wird.

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24 Gedanken zu „Mein Schieberchen

  1. Pit

    Danke, lieber Martin, fuer den Tipp: ab heute werde ich auch in meinem Essen mit den Fingern rum-matschen, wegen der Sinnesfreude! 😉 Oh Mann, schon die Vorfreude darauf ist riesig! 😉
    Aber im Ernst: so ein Schieberchen hatte ich als Kind auch. Ist aber leider verlorengegangen. Dann haben Mary und ich vor ein paar Jahren in einem Antiquitaetenladen in Rothenburg o.d.T. Eines entdeckt und gekauft. Mary kannte so etwas ueberhaupt nicht. Aber wo dieses Schieberchen hingekommen ist – nach/bei unserem Umzug von Karnes City nach hier – das wissen wir nicht. Wir muessen mal suchen.
    Hab’s fein,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Wenn Du es nicht findest, lieber Pit, kannst Du ja doch mal die Sache mit dem Matschen ausprobieren – frühe Kindheitserfahrungen nachholen zwecks therapeutischem Fortschreiten oder so ;-))

      Antwort
  2. wholelottarosie

    Ich hatte auch solch ein „Schieberchen“….lach*.
    Später übte meine Schwester damit, während ich als „Große“ stolz daneben saß und mit „richtigem“ Besteck essen durfte.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich war der „Kleine“ – rings herum 4 große Schwestern, die alle schon Messer und Gabel haben durften – traumatisch, traumatisch ….

      Antwort
  3. Ulli

    ich hatte erstens auch so ein Schieberchen und zweitens kenne ich auch kein anderes Wort dafür und drittens fände ich es immer noch sinnvoll für kleine Kinderhände und viertens habe ich nix gegen Sinnlichkeit, aber …
    herzlichst
    Ulli

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      …. ich könnte es ja dem Enkelchen schenken, sozusagen als erstes Erbstück. Aber ich glaube, Enkelchen hätte keinen Spass daran, die liebt ihr Kinderbesteck mit irgendwelchen Tierlein drauf und schön bunt. Heut muss ja alles immer total bunt sein für die lieben Kleinen. LG Martin

      Antwort
      1. Ulli

        das ist auch wieder so ein Thema, mit dem vielen Bunt- wie heißt es so schön, man kann et auch üverdireven 😉

  4. hansekiki

    Ich kenne das Schieberchen auch noch und meine, das benutzte ich zu einer Zeit, als meine Eltern mir noch kein Messer in die Hand geben wollten 😉
    LG kiki

    Antwort
  5. Susanne Haun

    Ich denke, im weiteren Leben hilft es den Kindern, auch mit Messer und Gabel essen zu können. Wir hatten Phasen des „mit den Hände essens“ bei meinen Sohn, wenn ich ihn heute mit 23 Jahren essen sehe, denke ich manchmal, wir hätten doch lieber dagegen steuern sollen. 🙂 🙂 🙂

    Antwort
      1. Susanne Haun

        🙂 da hast du Recht — ich denke, nun kommt es auf die Freundin (en) an, die da kommen werden. Zur Zeit sind meine Ratschläge nicht mehr ganz so relevant 🙂 🙂 🙂

  6. puzzleblume

    Von der Sorte gibt es zwei in unserem anlaufschützenden Silberbesteckkasten, ein Set mit Löffelchen von meinem Mann, mit Tiermotiven verziert, und ein Einzelstück, ähnlich schlicht wie dein Schieber(chen) – ich hantierte anscheinend mit einem normalen Teelöffel gleichen Musters.
    Mein Sohn bekam zu Beginn der 90er Jahre von irgendwem ein ergonomisch verbogenes, sehr kleines Kunsttsoff-Set bestehend aus Schieber und Löffel-Gabel-Hybride geschenkt. Da gab es so etwas noch, nur nicht mehr „in schön“.
    Eigentlich haben wir die Schieber aber eher assistierend beim Übergang zum Selbstessen benutzt, und nachher gab es ein kleines rundes und ziemlich stumpfes Kindermesser, das viel leichter zu handhaben ist, solange es nur als Hilfsinstrument dient, etwas auf den löffel oder die Gabel zu bugsieren. Es ist schon eine merkwürdig bogenförmige Bewegung mit dem Schieber zu vollführen, die man nachher mühsam wieder abgewöhnen muss. Die entnervenden Diskussionen über richtiges Halten des Bestecks sind mir ebenso zermürbend im Gedächtnis wie die mit dem Kind (abwechselnd mit dem Lehrkörper) über das korrekte Halten eines Füllfederhalters.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ich war vielleicht immer brav, kann mich gar nicht erinnern an Belehrungen darüber, wie das Besteck zu halten ist. Habe diesbezüglich aber eine Menge gelernt, was gar nicht so schlecht ist, denn so kann ich mich, wenn es denn wirklich sein muss, auch ganz stilecht „fein“ benehmen. –
      Dass es anlaufschützende Silberbesteckkästen gibt, ist mir neu. Hilft das denn wirklich was?

      Antwort
      1. puzzleblume

        Ja, so ein Kasten hilft wirklich. Auch wenn das Besteck lange nicht benutzt wird, bleibt es schön.
        Die Tischmanieren sind wirklich wichtig, beim Essen war ich oft schnell „entschwärmt“, sobald der Mann mit dem Unterarm vor dem Teller und quer zur Tischkannte zu schaufeln begann, oder wenn einer seinen Teller umarmt und ihm möglichst nah zu sein versucht …

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