Kreativer Diener

Als Nebenerwerbs-Hobby-Grafiker hat man es nicht leicht. Als Profi wahrscheinlich auch nicht, denn man ist Dienstleister und in dem Wort Dienstleister steckt nun mal das  Wort Diener.

Dabei fing mein neuester Job als Gestaltungs-Diener gut an. Postkarte entwerfen, ein Plakat, ein gedruckter Katalog incl. 20 Reproduktionen der ausgestellten Werke. Vergütung relativ gut, denn die Ausstellung würde ordentlich gesponsert.

Kaum hatte ich mich froh an Werk gemacht und die ersten Mosaiken reproduziert (was nicht einfach ist, denn je nach verwendetem Material hat man viele Spiegelungen im Bild), kam die Nachricht, der Hauptsponsor sei abgesprungen, es sei jetzt leider nicht so viel Geld für mich da. Nun gut, unsereins lebt ja glücklicherweise nicht von solchen Aufträgen.

Plakat und Einladungskarte war bald fertig, die Auftraggeber wollten den Druck selbst bei der Druckerei in Auftrag geben. Prima, dachte ich, Arbeit gespart. Das war ein Fehler. Denn ich hatte – Anfängerfehler, zugegeben – vergessen, die knallrote Schrift in CMYK umzuwandeln. Das wollten die Auftraggeber schnell selbst korrigieren, haben die vorliegende PDF-Datei in CorelDraw geöffnet. Ihr CorelDraw fand aber die von mir verwendete Schrift, nämlich eine schöne fette Futura nicht und ersetzte die Futura durch eine viel dünnere Arial. Das reine RGB-Rot lässt sich nicht in CMYK darstellen, klar, aber die Auftraggeber ersetzten es durch ein Orange – kurzum, als ich die fertigen Einladungskarten und Plakate gesehen habe, war ich leicht schockiert ….

In den Katalog musste Statements der beteiligten Künstler hinein. Als Dienstleister muss man natürlich genau den Text reinsetzen, den die Künstler verfasst haben, auch wenn man den Text für ziemlich daneben hält. Die Werke kann man leider auch nicht zurück schicken mit dem Vermerk: „Bitte hier und da noch mal überarbeiten …“ Beim Druck ich darauf bestanden, dass die Auftraggeber nichts ohne Rückfrage ändern. Gut, sie bestanden nur darauf, von der Druckerei einen kostenpflichtigen „Profi-Daten-Check“ durchführen zu lassen. Ein ziemlicher Schmarrn, wie ich jetzt weiß, denn die Daten werden offenbar nicht von einem Menschen kontrolliert, sondern von einem Programm, dass alles, was ihm seltsam vorkommt, als Fehler markiert und dazu einen Standard-Text ausspuckt, aus dem mir bei drei „Fehlern“ nicht klar wurde, was überhaupt gemeint war, so war z. B. der Buchblock angeblich um 2 Hundertstel Millimeter zu dick und die Umschlaginnenseiten – ja darf denn so was sein? – tatsächlich weiß.

Mehrere Telefonate mit der Druckerei später war klar, dass alles doch so in den Druck gehen konnte ….

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6 Gedanken zu „Kreativer Diener

  1. wolkenbeobachterin

    die die auftraggebende firma hat den flyer bzw. postkarte so genommen, wie die druckende firma das produziert hat, d.h. orange, statt (in auftrag gegebenes) rot? die waren doch sicher so überrascht wie du, oder nicht? irgendwie unvorstellbar, dass jemand hingeht und ein kreatives produkt einfach so ändert, ohne den künstler, in dem fall dich, zu kontaktieren.

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    1. emhaeu Autor

      Die in der Druckerei drucken die Daten doch einfach so, wie sie sie herein bekommen. Es war ja zwecks Kostensenkung eine Online-Druckerei, ich glaube nicht, dass sich da überhaupt ein Mensch die Daten ansieht – schwupps schon ist der Druck fertig.

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  2. puzzleblume

    Das stelle ich mir vor wie den Augenblick, wenn jemand schon vor dem ersten Probieren der servierten Mahlzeit kräftig den Salzstreuer über dem Teller schüttelt.

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