Böse Bauern

Einige Hektar stehen in Flammen. Das kommt im Frühjahr im spanischen Asturien häufig vor. Der Feuerwehr-Hubschrauber kommt, immer wieder, das Feuer wird mit viel Wasser gelöscht. Nachts brennt es dann wieder, direkt daneben. Diesmal kommt kein Hubschrauber. Gut so, sagen die Bauern, diese Hänge da mussten dringend abgebrannt werden, Stechginster, Brombeeren, Adlerfarn, das überwuchert alles. Und was sollen unsere Kühe fressen? Weg mit dem Gestrüpp, sonst …

Ja sonst müssen die Bauern Viehfutter dazu kaufen, das ist teuer, dann lohnt sich die Viehzucht in den Bergen nicht mehr, dann überwuchert hier alles.

Prima, sagt der Nicht-Bauer, dann kann sich auf den Bergen endlich die Natur ungestört entfalten. Und schon sieht er ringsum sprießende Neo-Urwälder vor seinem inneren Auge.

Warum nicht?

Das Problem ist, dass die die Wildnis liebenden Nicht-Bauern weder Veganer sind noch Jäger und Sammler, die auf der Suche nach Nahrung durch die Wälder streifen. Sie wollen Milch, Käse und Rindfleisch kaufen. Die Bergbauern werden also nicht alle in Rente gehen, wenn sich in den Bergen die traditionelle Viehzucht, bei der die Kühe von April bis Ende Oktober alleine mit ihren Kälbern auf den „Almen“ sind, die restlichen Monate die Wiesen im Tal abfressen und nur bei ganz schlechtem Wetter mal im Stall bleiben müssen, wenn sich diese Viehzucht nicht mehr lohnt.

Wenn die Sommerweiden in den Bergen ausfallen, werden die Bauern die Viehhaltung in die Täler verlegen, in große Ställe, weil sich die Tierhaltung mit gekauftem Futter sonst nicht lohnt, in Ställe, die die Tiere das ganze Jahr über gar nicht oder kaum verlassen. Das Übliche halt.

Es mag paradox klingen: Diejenigen, die von Natur und Wildnis schwärmen und die die Hänge abbrennenden Bauern zu bösen Buben erklären, fördern die Art der Tierhaltung, die sie eigentlich ablehnen.

 

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8 Gedanken zu „Böse Bauern

    1. emhaeu Autor

      Leider nicht. Es hat einen Lösungsansatz gegeben, im Nachbarort, Benia de Onis. Da hat die Gemeinde eine Art Planierraupe kommen lassen, womit sie das Gestrüpp großflächig entfernt haben. Hat auch ein paar Jahre geholfen. Aber für so was muss die Gemeinde natürlich Geld ausgeben wollen.

      Antwort
      1. emhaeu Autor

        Planierrraupe ist wohl zu hart als Wort. Die hatten eine Maschine, die das Gestrüpp zur Seite schiebt, die Grasnarbe aber mehr oder weniger unangetastet lässt.

      2. puzzleblume

        Ich hatte die Vorstellung, diese Flächen seien für Maschinen schwer zugänglich, aber Geldmangel ist ja auch ein Argument. Dass die Gemeinden Geld für andere Dinge ausgeben, kann ich mir schon vorstellen, denn das Zauberwort „Infrastruktur“ ist ein Fass ohne Boden und ausserdem viel schicker für einen ehrgeizigen Gemeinderat, der mit „Gestrüppmanagement“ auf der Agenda kaum politisch vorankommen wird.

      3. emhaeu Autor

        Stimmt, die Flächen auf dem Bild sind auch mehr für Ziegen als für Mensch&Kuh geeignet, für schweres Gerät überhaupt nicht zugänglich. Aber es gibt dort auch viel ebenere Flächen, die auch abgebrannt werden ….

      4. puzzleblume

        Das ist sicher auch eine gelernte, vererbte Denkweise. Wenn ich sehe, wie hierzulande Gülle, Klärschlamm, Mist, Herbizide, Glyphosat und was nicht noch alles auf die Felder gebracht wird, und dabei mit dem schweren Gerät Vogelnester, Junghasen und andere Nichtflüchter sowie diverse Kleinlebewesen überfahren und in den (gegen Geld auf die Felder entleerten) giftigen Odel-Fluten ersäuft werden, kommt mir das Abbrennen schon wieder richtig naturfreundlich vor.

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