Rasenschnitt

Für den einen ist Rasenschnitt ein Entsorgungsproblem. Der andere nennt es Heu und freut sich, wenn seine Kühe was zu fressen haben.

Ich weiß nicht, wohin mit dem Zeugs. Die „braune Tonne“ ist längst voll, weshalb ich das Zeugs in Säcke stopfe, die Säcke ins Auto stopfe, 10 km zum „Wertstoffhof“ fahre, das Zeugs da in den Container stopfe. Schade drum, aber hier im Dorf gibt es zwar noch zwei große und 4 mittlere landwirtschaftliche Betriebe, aber nur 10 Hobby-Kühe (aber 50 Hobby-Pferde).

Früher, ja früher habe ich den Kopf geschüttelt, wenn der Nachbar ebenso verfuhr. Wie kann der nur, sprach ich und verfrachtete den Rasenschnitt auf meinen großen Komposthaufen. Der war freilich auch notorisch überfüllt, außerdem habe ich bald gemerkt, dass so ein Komposthaufen erstens viel Arbeit macht, zweitens allerlei Getier anzieht, drittens der Kompost am Ende auch nicht unbedingt gebraucht wurde.

Ein Luxusproblem. Rasen gibt es nur da, wo Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Der Park rund um die adligen Schlösser und Herrensitze diente vor allem einem Zweck, nämlich zu zeigen: Schaut mal, ich habe so viel Land, ich kann mal locker 10 bis 20 Hektar zu meinem Vergnügen ungenutzt lassen. Und der Garten rund um die bürgerliche Villa, eine Miniaturausgabe des adligen Parks, diente dem gleichen Zweck: Schaut mal, während ihr auf euren 500 m2 in jeder Ecke Kartoffeln und Gemüse ziehen müsst, im Stall noch Schwein, Ziege und/oder Kaninchen füttern müsst, brauche ich das alles nicht, sondern kann meine 2000 m2 von meinem Gärtner nach ästhetischen Gesichtspunkten gestalten lassen. Der heute übliche kleinbürgerliche Minigarten, der mit einem Gartenhäuschen, Kinderspielgerät und Grillplatz möbliert ist, so dass für den obligatorischen Rasen nur noch eine kleine Fläche übrig bleibt, ist dann nur noch eine Art traurige Parodie auf den adligen Park, sagt aber das Gleiche: Der Kühlschrank ist voll, und wenn er mal nicht das rechte enthält, dann rufen wir bei Lieferando an.

 

 

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15 Gedanken zu „Rasenschnitt

  1. Pit

    Hallo Martin,
    hier lasse ich den Rasenschnitt im Normalfall einfach liegen. Sollte es mal zu viel Heu an bestimmten Stellen sein, fege ich das zusammen und es kommt auf den Kompost. Trotz etwa 8000 Quadratmeter Rasen faellt da nie viel an.
    Hab‘ s fein,
    Pit

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Lieber Pit,

      komme gerade vom Rasenmähen. gut, bei Euch wächst es vermutlich nicht so üppig wie hier. Weil es im Moment trocken ist, habe ich heute auch nur eine braune Tonne voll Rasenschnitt gehabt, wenn es immer so wenig wäre, ….
      Alles Gute!
      Martin

      Antwort
      1. Pit

        Hallo Martin,
        zumindest in Fruehjahr, wenn wir mehr Regen haben, waechst es hier schon ganz praechtig. Manchmal muesste ich dann eigentlich zwei Mal die Woche maehen. mWenn ich das tue, dann kann ich es wirklich liegen lassen. Wenn ich laenger als eine Wochen warte, wie jetzt, dann muss ich wohl doch etwas zusammenfegen und kompostieren
        Hab’s fein,
        Pit

      2. Pit

        Kommt eben ganz auf die Jahreszeit an. Wenn der „richtige“ suedtexanischen Sommer kommt, dann brauche ich hoechstens alle 14 Tage zu maehen.

  2. puzzleblume

    Gerade kürzlich hatte ich einen Kommentar(bei mir selbst) über meine Umstellung vom konventionellen „Gras-Rasen“ auf genügsamen „Wildkräuter-Rasen“ geschrieben:

    „Man staunt auch über den geringen „Gartenabfall“ nach dem Rasenmähen, eindeutig ein Plus.
    Es ist auch eine Genugtuung, aus dem sinnlosen, aber höchst kommerziellen Zyklus auszubrechen, der bestimmt wird von kosten- und arbeitsintensvem Entmoosen und Entkrauten durch Chemikalien, Düngen, Bewässern, dazugehörigen diversen Gerätschaften, Treibstoff und Zeitaufwand, der nirgendwohin führt als zum Entsorgen des hochgepäppelten grünen Rasenschnitts, sei es mit ausgeklügeltem Kompostsystem oder durch Wegfahren zur Bio-Deponie mit dem Auto – Perversion pur.“

    Entweder – oder: wer grünes Gras zum Ideal hat, macht sich zu dessen Sklaven. Frondienste inklusive.
    Wir haben keinen Rasenschnitt mehr wegzufahren oder irgendwo aufzuhäufen wie in früheren Jahren. Das bisschen Abgemähte, was nach dem Mähen liegen bleibt, schrumpft, trocknet und verschwindet spurlos innerhalb eines Tages.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Stimmt ja alles, habe ich beim alten Garten auch eine ganz Weile versucht, später immer schöne Inseln stehen gelassen. Moos entfernen und dergleichen mache ich auch schon lange nicht mehr, aber die Sache mit der Wiese – die ich im ersten Jahr hier auch hatte – ist dann doch nicht praktikabel gewesen, oder: scheint mir nur praktikabel zu sein, wenn man die Flächen nicht betritt. Drum lasse ich verschiedene Flächen ungemäht. Aber die große Wiese, sobald aber Kinder oder grillwütige Gäste in den Garten einfallen …
      Und noch was macht mir Probleme: Ich habe den Verdacht, dass die blöden Augustmilben, die uns sowohl im alten Garten als auch (in geringerem Maße im neuen Garten quälen, in ihrer Ausbreitung begünstigt werden, wenn man Rasenschnitt oder Wiesenschnitt liegen lässt. Drum lasse ich auch das Mulchen mit Gras sein, kann Quatsch sein, aber die Viecher sind schon sehr lästig und da greife ich sozusagen zu jedem Strohhalm.

      Antwort
      1. puzzleblume

        So mache ich es ja auch, dass ein Teil als Inseln stehenbleibt und ein anderer gemäht wird. Möglicherweise begünstigt unser sandhaltiger Boden, dass ein über Jahre ungedüngter Rasen zunehmend vermagert und weniger hochwachsende Grasanteile enthält, mehr flache Kräuter, denen selbst das regelmäßige Herumtrampeln zwischen Haus und Gartenschuppen nichts ausmacht.

        Mit den grossen und kleinen Gästen ist das wieder so eine Sache, die reizt der Hochwuchs wahrscheinlich ganz besonders, so wie uns Kinder früher die Heuwiese.
        Aber es ist doch ein Unterschied, ob man das anschließend fallweise abmäht, weil es nicht mehr aufrecht stehen kann, oder ob man allwöchentlich alles nach Vorschrift rasiert und pampert.

        Die Milben sind eine hundsgemeine Sache, wenn die vorhanden sind. Davon scheint unser Landstrich bisher noch nicht geplagt zu sein. Da scheint man wohl mit dem Liegenlassen von Grasschnitt wirklich nichts richtig zu machen. Aber wenn die Viecher wirklich gern an Halmen nach oben klettern, wäre ein grasfreies Grün, das gar nicht „hoch kann“ vielleicht doch eine Überlegung wert?

    1. emhaeu Autor

      Ja das Gebüsch, das fehlt mir. Obwohl — wenn ich jetzt ganz auf streng mache, ins Gebüsch darf man ja auch nichts werfen. Warum, habe ich vergessen, aber es war angeblich sehr wichtig (;-))

      Antwort
    1. emhaeu Autor

      Na, bei 6 Hektar braucht man schon ein ordentliches Gerät. Könnt ihr denn nicht irgendwelche Tiere die Fläche abweiden lassen? Einen schönen Groß aus dem heißen Rheinland!
      Martin

      Antwort

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