Problembohnen

Ein ganz kleines Gemüsebeet habe ich dieses Frühjahr doch angelegt, obwohl ich eigentlich beschlossen hatte, nur noch Blumen auszusäen. Und zwar Buschbohnen. An Bohnen gehen die Schnecken nicht, die brauchen nicht viel Pflege, keinen besonderen Boden und sind lecker.

Die Bohnen waren schnell gelegt. Aber das Frühjahr war hier sehr trocken, ohne Gießen keimte gar nichts, mit Gießen nur sehr zögerlich. Und wenn es sonst nichts zu fressen gibt, dann nehmen die Schmecken auch mit frisch gekeimten Bohnen vorlieb. Es wurden also Gläser darüber gestülpt und bei zu viel Sonne wieder weggenommen, damit es den zarten Böhnchen nicht zu heiß wird.

Endlich waren genug Bohnen für eine Mahlzeit reif. Eine große Schüssel voll habe ich gepflückt. Kurz darauf kam R. vom Einkauf zurück: „Schau mal, beim Hofladen gab es sehr schöne Bohnen. Ich habe die doppelte Menge genommen, da waren sie billiger!“ Meine Bohnen wanderten ins Tiefkühlfach.

Nun soll man ja nach einer alten Regel alle drei Tage Bohnen pflücken, weil die älteren nicht so lecker sind. Da ich lernfähig bin, fragte ich vor dem Pflücken, ob Buschbohnen in den Speiseplan passen. „Schon wieder Bohnen? Nein, jetzt habe ich erst Mal für eine Woche genug Bohnen gegessen!“ – Weitere drei Portionen Bohnen wanderten ins Tiefkühlfach.

Dann kamen Tochter und Schwiegersohn übers Wochenende zu Besuch. Prima Gelegenheit, dachte ich, 4 Personen essen eine Menge Bohnen. „Heute Mittag mache ich Bohnen“, verkündete ich. Die erwartete Begeisterung blieb aus. „Frisch aus dem Garten, absolut ungespritzt“, fügte ich hinzu, um die Bioladen-Käufer aus der Stadt zu locken. „Aber du weißt doch, dass ich keine grünen Bohnen mag“, meinte die Tochter. Klar, kann man ja mal vergessen.

Also gab es am Montag bei uns Bohnen, viele Bohnen, der Rest wanderte am nächsten Tag in eine Gemüsesuppe, die auch wieder zwei Tage reichte. „Ich will ja nichts sagen“, war die Reaktion, „sind ja lecker, deine Bohnen, aber wenn ich ehrlich sein darf, die Bohnen aus dem Hofladen haben mir besser geschmeckt.“

Danach kam erst einmal eine Woche Urlaub, die Bohnen blieben hängen. Zwei Schüsseln voll konnte ich ernten, zum Teil waren die schon leicht gelb geworden. Aber wer wirft schon die guten, mühsam vor den Schnecken geretteten Gartenbohnen weg?

Zum Glück stand der Kunstmarkt vor der Tür. Sieben Verwandte hatten sich angesagt, vier Freunde wollten extra anreisen. Da koche ich einen großen Topf Bohnensuppe, habe ich gedacht, man kann die Gäste ja nicht nur mit Kaffee und Kuchen abspeisen. Die Suppe war noch nicht ganz fertig, der verkündeten die Freunde, sie wollten zum Hofladen gehen, um dort die weithin gerühmten Bratkartoffeln zu essen. Na ja, für alle hätte es sowieso nicht gereicht. Aber die Verwandten kamen nicht. Sie hatten, wie sich viel später herausstellte, in einem Stau gestanden. Nur die beiden Gastkünstler aßen einen Teller Suppe, ich auch, aber dann kamen schon die Tänzer, die im Garten griechische Tänze aufführen wollten. Das Programm ging los, die Suppe blieb alleine in der Küche zurück.

Heute Mittag haben wir die letzten Reste der Bohnensuppe gegessen. Nächstes Jahr baue ich nichts mehr an. Endgültig. Kauft euer Gemüse doch im Hofladen oder geht zur Frittenbude! Das Enkelkind isst sowieso lieber Nudeln mit Ketchup und Mayo.

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19 Gedanken zu „Problembohnen

  1. Pit

    Dass man sogar mit selbstgezogenen und -geernteten Bohnen Probleme haben kann! Nein aber auch! 😉 Als ich Deinen Artikel hier las, kam mir ein Schlager aus den 70ern (?) in den Kopf, mit der Zeile „Bohnen in die Ohr’n“. Gerade mal gegoogelt, es War Gus Backus, der das gesungen hat. Und nun stelle ich mir vor, dass Dir die Bohnen (auch) aus den Ohren kommen! 😉
    Liebe Gruesse,
    Pit
    P.S.: bei mir gibt’s in den naechsten age auch Bohnen, Prinzessboehnchen, aus dem hiesigen Supermarkt.

    Antwort
      1. Pit

        Ob ich Kartoffeln dazu mache, das weiss ich noch nicht. Aber auf jeden Fall aber werden die Boehnchen mit selbstgepoekeltem umd selbstgeraeuchertem Schweinebauchspeck [http://tinyurl.com/ybrw4zf4] verfeinert.
        LG,
        Pit

  2. juergen61

    Das kenn ich …mühsam versuche ich gesunde Rohkost aufzupäppeln …der Sohn kommt aus der Schule…Nudeln mit rotem Pesto, Würstchen..max. Mais aus der Dose…7 Tage die Woche …alles was grün aussieht ist bekanntlich giftig ..das darf der Vater dann aufessen, vom Würstchen bleibt kein Zipfel zurück……vergebene Liebesmüh…aber ob ich mal in eine Nudelmaschine investieren soll ???
    Beste Grüsse von Jürgen

    Antwort
  3. puzzleblume

    Bohnen haben momentan keine Lobby. Sie sehen wohl auch nicht schick genug aus. Aber ich liebe Butterbohnen zum Lammkotelett, oder „Bohnen, Birnen und Speck“ wie zu Omas Zeiten.

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Hm, Bohnen, Birnen und Speck – sehr lecker. Leider nicht kompatibel mit der vegetarischen Frau des Hauses. Aber, mal sehen, vielleicht gibt es Bohnen/Birnen-Rezepte auch ohne Speck ….

      Antwort
  4. Pega Mund

    also – ich LIEBE grüne bohnen in allen variationen!
    vielleicht sollt ich auch mal einen pflanzversuch starten.
    deine gute ernte ermutigt mich … lieben gruß: pega 😉

    Antwort
    1. emhaeu Autor

      Ja, sind tatsächlich recht einfach zu ziehen. Im Mai Bohnen in die Erde legen (flach: sie müssen die Kirchenglocken hören können, hat mein Vater immer gesagt), und wenn keine Schnecken angekrochen kommen, braucht man bis zur Ernte nichts tun. Zuerst kommen ganz viele auf einmal, aber die blühen immer noch weiter und man hat bis Oktober/November nicht mehr viele, aber immer wieder frische Buschbohnen….

      Antwort
      1. Pega Mund

        ja, danke nochmal für den tip. 😉
        die schnecken könnten ein problem sein.
        vielleicht versuch ich’s aber erst einmal mit einem großen, wirklich großen pflanztopf auf der terrasse – da wären die schnecken leichter abzuwehren.
        liebe grüße:
        pega

      2. emhaeu Autor

        Haben wir auch gemacht, das mit dem großen Topf, und Salat reingepflanzt – klappt prima und spart viele Probleme … LG Martin

  5. hansekiki

    Als Kleingärtner hat man es heutzutage schwer, die Vielfalt der kommerziellen Landwirtschaft hat den Gaumen dann doch etwas „verdorben“ 😉
    Und einfacher ist es auch 😉
    Ich kann keine Zucchini und Tomaten mehr sehen, aber da muß ich jetzt durch.:-D
    LG kiki

    Antwort

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